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Smart-Meter: Energieversorger tasten sich langsam ran

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Smart-Meter: Energieversorger tasten sich langsam ran

06.07.16  08:30 | Artikel: 970059 | News-Artikel (Red)

Smart-Meter: Energieversorger tasten sich langsam ranIm Rahmen der vom SmartGridsBW e.V. initiierten Bloggertour nutzen die Teilnehmer die Möglichkeit, etwas über verschiedene Themen im Rahmen der Energiewende zu erfahren. Vom Smart-Home bis zum Hybrid-Bus wurde eine breite Palette angeboten. Mein Schwerpunkt dabei waren die intelligenten Stromzähler - auch Smart-Meter genannt - über die in der Vergangenheit schon viel berichtet wurde.

Mit Einführung des neuen Digitalisierungsgesetzes werden nun vermehrt digitale Stromzähler verbaut werden. Auf unserer Tour gewann man allerdings schnell den Eindruck, dass sich die Energieversorger noch nicht bis ins Detail mit der Materie beschäftigt haben. So tut sich die große MVV Mannheim recht schwer damit, gegenüber dem Kunden positiv zu argumentieren, warum denn so ein etwas teureres Gerät jetzt in den Keller kommt.
In der Bahnstadt in Heidelberg wurden von den dortigen Stadtwerken Smart-Meter in großem Stil verbaut. Mann konnte schnell den Eindruck gewinnen, dass man hier schon froh war, dass es keinen Widerspruch gegen die moderne Technik gab.

Was sind also Sinn und Nutzen von solchen Geräten?

Vorrangig geht es um das sog. Smart-Grid, unser intelligentes Stromnetz, das in Zukunft besser funktionieren soll, weil man mit den konsolidierten Daten aus den Stromzählern schon besser planen kann, wann und wo wie viel Energie benötigt wird. Damit werden weniger Leitungen quer durch die Republik benötigt, weil man das Problem auch regional lösen kann.

Bislang argumentierten selbst ernannte Experten immer damit, dass Smart-Meter in einem Smart-Home dann die Waschmaschine anstellen können, wenn der Strom billig ist. Die Begründung ist nicht nur abgelutscht sondern es wird zudem noch Jahre brauchen, bis wir dort angekommen sind, obwohl man das auch recht kurzfristig realisieren könnte.

Denn hier findet man das klassische Henne-Ei-Problem. Nur mit intelligenten Stromzählern ist es möglich, die Daten zu erfassen, die eine Preisreduktion möglich machen könnten. Gerade im Sommer, wenn das Energieangebot aus Photovoltaik-Anlagen extrem hoch ist, könnte man für den Letztverbraucher preisliche Anreize schaffen, mittags Wasch- und Spülmaschine laufen zu lassen. Doch stattdessen wird der so erzeugte Strom an der Börse verramscht. Gegner der intelligenten Zähler wollen die flächendeckende Einführung erst dann, wenn solche Tarifoptionen auch gewählt werden können. Hier dreht man sich im Kreis.

Unterschied zwischen neuer und alter Technik

Die alten Stromzähler - auch Ferraris-Zähler genannt - kennt jeder. Das sind die alten schwarzen Kästen mit Drehscheibe im Keller. Diese werden einmal im Jahr abgelesen und daraus kann man dann den Verbrauch berechnen. Doch ob eine bestimmte Energiemenge gleichmäßig über das Jahr verteilt verbraucht wurde oder elf Monate nichts und dann nur in einem Monate alles, das erschließt sich weder dem Netzbetreiber noch dem Energielieferanten. Doch genau das ist wichtig. Je besser die Anbieter über das Kundenverhalten informiert sind, desto besser kann zeit- und mengenmäßig Energie produziert oder eingekauft werden. Dabei zielt der Begriff »Kundenverhalten« in keinem Falle auf den Einzelnen ab. Hier geht es um konsolidierte Daten für ganze Stadtteile.

Bis heute basieren solche Verbrauchsverhalten auf dem sog. Standart-Lastprofil (SLP). Das SLP ist jedoch ein sehr traditionelles Verbrauchsprofil, um nicht zu sagen völlig veraltet. Es basiert auf dem Hausfrauendasein der 60er Jahre. Mutti macht morgens den Haushalt, wenn die Kinder in der Schule sind und um 12:00 Uhr kommt das ganze Rudel zum Mittagessen, was früher pünktlich auf dem Tisch stand. Gegen 18:00 gab es dann die Sportschau, später vielleicht noch einen Krimi. Meist war dann gegen 22:00 Uhr Zapfenstreich.

Dieses Weltbild ist nicht nur überholt sondern auch die Gesellschaft hat sich verändert. Gerade in Großstädten mit hohem Anteil von Single-Haushalten oder Haushalten, in denen beide Partner berufstätig sind, passt das SLP nicht mehr wirklich. Bei größeren Neubauvierteln in Stadtnähe mit jungen berufstätigen Paaren hat das SLP dann nichts mehr von Mutti in Kittelschürze.

Mit den neuen Geräten können diese Profile angepasst und sogar regionale Unterschiede dargestellt werden.

Argumentationshilfe und Finanzierung

Derzeit kursieren Zahlen über die Kosten im Netz, die der Endkunde berappen muss. 100 € haben sich als Wert weitgehend manifestiert.
Doch warum muss der Endkunde so viel zahlen?

Man könnte den Netzbetreibern durchaus vorwerfen, dass sie ein gutes Geschäft damit gemacht haben, einen billigen Analogzähler über 30 Jahre mit einer Grundgebühr von nicht selten 90 € pro Jahr zu berechnen. Jetzt könnte der Netzbetreiber faiererweise auch mal gegenrechnen. Doch viele Anbieter wittern hier die Chance gleich noch mal kräftig hinzulangen, denn die Datenspeicherung im Rechenzentrum will ja auch finanziert werden.

Allein daran merkt man, dass sich die Unternehmen noch nicht wirklich lange mit der Materie beschäftigen, auch vielleicht vor dem Hintergrund, weil sich viele lokale Anbieter als Netzbetreiber, Energielieferant und Messstellenbetreiber in einem sehen. Auch deshalb wird oben im Text kaum ein Unterschied gemacht. Fakt ist allerdings, dass diese drei Bereiche wirtschaftlich völlig getrennt sein müssen.
Dass der Endkunde einen Stromliefervertrag mit einem Anbieter am anderen von Deutschland abschließen kann hat sich herumgesprochen. Das gilt aber auch für den Messstellenbetrieb.
So bietet z.B. die Fa. Discovergy einen intelligenten Zähler für 60 € pro Jahr an und der Energieversorger muss im Gegenzug ein paar Positionen von der Rechnung streichen. Also ist man doch nicht bei 100 € sondern mal gerade bei der Hälfte.

Dem Kunden gegenüber wird immer argumentiert, dass mit diesen neuen Zählern das eigene Verbrauchsverhalten offen gelegt wird. So könne man besser Energie sparen. Doch auch hier muss man genauer hinschauen. Bei den Stadtwerken Heidelberg wurden uns gerade mal 15-Minuten-Werte und primitive Grafiken gezeigt. Das ist für das eigene Verbrauchsverhalten und für die Identifizierung von "Stromfressern" eher kontraproduktiv. Bei alternativen Anbietern liegt die Granularität im Sekundenbereich. Hier sieht man dann tatsächlich wann die Waschmaschine fertig ist und was da an Spitzenlast über die Leitung ging und es gibt ein Bündel schicke grafische Auswertungen dazu. Die Stadtwerke selbst können natürlich nichts für diese Art der Datenvisualisierung. Damit werden externe Dienstleister wie Trianel beauftragt.

Im Großen und Ganzen war es das aber auch schon mit der Argumentation gegenüber dem Verbraucher. Viele Versorger können oder wollen einfach nicht weiter erklären, was in naher Zukunft möglich sein wird. Habe ich das Bügeleisen ausgeschaltet oder den Herd? Feiert der Nachwuchs wilde Partys in meiner Abwesenheit? Bei aktuellem Verbrauch sollten die Abschlagszahlungen angepasst werden ...
Fragen und Antworten, die ein intelligenter Stromzähler beantworten kann.

Sind diese Geräte erst mal weit verbreitet, so wird es nicht lange dauern, bis externe Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln, die eben mehr aus den Daten machen können.

Und liebe Kunden: In einer Zeit, in der 12 Monate alte Handys schon Steinzeit sind, wird es Zeit, dass die 100 Jahre alte Technik auch mal Neuer Platz macht.


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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