Die Briten, die BW-Bank und der IE6

10.08.10  12:00 | Artikel: 952056 | Proteus Statement

Die Briten, die BW-Bank und der IE6Die britische Regierung hält am Internet Explorer 6 fest, wie jetzt in einer kürzlich veröffentlichten Antwort auf eine Umfrage klargestellt wurde. Dabei verweist die neue britische Koalitionsregierung um Premierminister David Cameron auf die Kosten und den immensen Aufwand für eine Umstellung. Kosten, die den Steuerzahler nicht belasten sollten.

Überraschenderweise wird in der Regierungsantwort eine schöne Aussage getätigt:

'Es gibt keine Beweise, dass ein Upgrade von komplett gepatchten Versionen [des IE6] im Vergleich zu aktuellen Versionen anderer Browser die Sicherheit des Users erhöht.'

Weiter heißt es, dass 'komplexe Software immer auch Schwachstellen habe und motivierte Angreifer werden diese immer wieder entdecken können'.

Ein interessantes Statement, dass nicht ganz von der Hand zu weisen ist.
Viele der heute aktuellen Browser, und nicht nur der Internet Explorer, der in vielen Bereichen immer als minderwertig herhalten muss, haben eine Sicherheitslücke nach der anderen, wie in diversen Presseportalen nachzulesen ist. Zudem kommt man auch hier wieder ganz automatisch auf die Frage nach dem verwendeten Betriebssystem (Proteus Artikel: 952006)

Keine Frage, die Browser der neuen Generation können um vieles mehr, als die Vorgänger. Es bestätigt sich allerdings oft genug, dass Website-Anbieter die alten Browser nicht primär wegen der Sicherheit ablehnen sondern eher um Ihrer Seite ein neues Design geben zu können. Dies ist mit HTML5 und CSS 2.x um vieles einfacher, als mit den Vorgängerversionen, die die aktuellen Sprachvarianten nicht beherrschen.

Sicherlich wird aber mit jeder neuen Version eines Browsers auch wieder eine neue Lücke auftauchen. So war es eigentlich bis jetzt immer - seit Einführung des Internet in Deutschland.

Bei vielen kommerziellen Seiten, die mit viel Farbe und grafischen Effekten, wie z.B. den beliebten abgerundeten Ecken, versuchen ihre Umsätze zu verbessern, kann man teilweise bei anderen Applikationen eher weniger nachvollziehen, warum der IE6 vehement verweigert wird.

Als aktuelles Beispiel möchte ich die BW-Bank nennen. Hier steht im Anmeldefenster der Hinweis, dass der IE6 jetzt zum Oktober 2010 endgültig nicht mehr unterstützt wird. Dabei lautet die Begründung:

'Veraltete Browser stellen ein Sicherheitsrisiko dar!
Über kritische Sicherheitslücken kann Schadsoftware auf Ihren Rechner gelangen. Diese kann Ihren Rechner manipulieren, vertrauliche Daten ausspionieren und an Dritte weiterleiten oder Ihren Rechner sogar für kriminelle Zwecke missbrauchen.'


Weiter unten wird dann noch auf 'Browser und Betriebssysteme' hingewiesen, wobei wir wieder bei dem bereits angesprochenen Problem für viele z.b. Metall verarbeitenden Betriebe sind: Es wird immer noch Windows 2000 verwendet. Der IE6 ist die letzte Version des Browsers, der hier lauffähig ist.

Obwohl der IE6 in der Lage ist mit 128Bit-Verschlüsselung umzugehen, und modernere Systeme teilweise ähnliche Probleme mit sich bringen, was die Sicherheit des Users betrifft, zieht die BW-Bank den IE6 zum Oktober 2010 aus dem Verkehr.

Interessant wird wohl der Kundensupport sein. Ich selbst bin seit 1985 Kunde bei der BW-Bank und mit einer der ersten Kunden, die in grauer Vorzeit das BTX-Banking genutzt haben. Sollte man da mal nachfragen, wie betroffene Kunden jetzt das Online-Banking machen?
Vielleicht wie in diesem angenommenen Dialog?


'Mein Onlinebanking geht nicht mehr. Ich habe nur den IE6.'
'Dann installieren Sie doch die aktuelle Version 8 oder wenigstens 7.'
'Kann ich nicht, ich habe Windows 2000.'
'Dann brauchen Sie ein aktuelles Betriebssystem.'
'Ja, Windows 7 mit einem neuen Rechner.'
'Genau, läuft ja dann auch viel schneller uns sicherer'
'Ja, oder ich wechsel die Bank, geht noch schneller. Tschüss dann mal.'


Vielleicht ein Grund doch mal genauer nachzudenken ?
Was bringt ein neuerer Browser mit ebensolchen Lücken, wenn der Kunde auf den Link der nächsten Phishing-Mail klickt und dort zur Kasse gebeten wird ?




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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