Studie: Jugendliche gehen im Netz sorglos mit Daten um

29.10.10  17:15 | Artikel: 952084 | News-Artikel (Red)

Studie: Jugendliche gehen im Netz sorglos mit Daten umDie Bayrische Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat eine Studie zum Onlineverhalten von Jugendlichen veröffentlicht. Ohne Nachdenken werden persönliche Daten unbedarft ins Netz gestellt.

Kaum eine Woche vergeht ohne einen weiteren Skandal über Datenmissbrauch oder Sicherheitslücken bei den Anbietern von sozialen Plattformen. Allen voran Facebook. Was diese Anbieter antreibt ist mittlerweile hinreichend bekannt. Datenschutzgesetzte oder gesunder Menschenverstand verkommen dabei zu Makulatur.

Nur wenige Nutzer dieser Dienste machen sich allerdings bewusst, was die Vernetzung der Daten alles bewirken kann. Allen voran die Gruppe der Jugendlichen, die meist unwissentlich alle möglichen Informationen in diese Plattformen posten. "Jugendliche sind sich des Wertes ihrer persönlichen Daten kaum bewusst, sie nehmen die Anbieter der sozialen Netzwerke nicht als Akteure wahr", postuliert Ulrike Wagner als Mitverfasserin bei der Veröffentlichung der Studie:

Persönliche Informationen in aller Öffentlichkeit?
Jugendliche und ihre Perspektive auf Datenschutz und Persönlichkeitsrecht
in Sozialen Netzwerkdiensten


Mitreden, Geltungsdrang und Gruppenzwang sind meist die Beweggründe, überhaupt an diesen Netzwerken teilzunehmen, obwohl rudimentäre Grundkenntnisse über Social Networks fehlen. Das Bewusstsein, das ihre Daten von den Betreiben ausgewertet werden, ist schlichtweg nicht vorhanden. "Die persönlichen Informationen funktionieren als Eintrittskarte in die sozialen Netzwerke", erklärte Wagner. "Wer nichts von sich selbst mitteile, könne auch mit keinerlei Resonanz rechnen. Die Interaktion regt dazu an, mehr von sich preiszugeben."

Zwar erklären viele Jugendliche, dass sie wohl genau wüssten, was sie online stellen, aber wie viele Photos oder Kommentare gibt es denn auf diversen Pinnwänden von denen die Betroffenen "Freunde" gar nichts mitbekommen? Auch so baut sich eine stattliche Sammlung von Informationen selbst von Leuten auf, die gar nicht Mitglied von sozialen Netzwerken sind. Und ein Ende ist nicht absehbar.

Klar ist Jugendlichen schwer zu vermitteln, wo der eigentliche Schaden entsteht und Orwell ist für sie auch kein Begriff. Hier sollten die Eltern jedoch regulierend und erklärend eingreifen, sofern diese dazu in der Lage sind.

Personalisierte Werbung und Analyse der Gewohnheiten sind vielleicht eher lästige Nebeneffekte. Eher unangenehm wird es dann, wenn die Kiddies von der Party am Donnerstag Abend erzählen und der Arbeitgeber liest mit und starrt auf die Krankmeldung vom Freitag. Zwar werden sukzessive gesetzliche Grundlagen geschaffen, die es Arbeitgebern verbieten diese Informationen personalrechtlich zu verwenden; das wissen darum lässt sich gesetzlich jedoch nicht aus den Köpfen löschen. So oder so werden daraus Nachteile erwachsen.

Die Kurzfassung der Studie kann über unten stehenden Link direkt heruntergeladen werden. Die ausführliche Version steht auf den Seiten des BLM zum Download zur Verfügung.

www.blm.de/apps/documentbase/data/pdf1/JFF_Kurzfassung_Datenschutz_Persnlichkeitsrechte.pdf




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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