Wie funktioniert die Überwachung von Solarstromanlagen im Internet?

03.11.11  07:30 | Artikel: 953268 | Proteus Fach-Artikel

Das Prinzip der Überwachung von PV-Anlagen im Internet ist recht einfach. Anhand von zwei Schemata wird deutlich, wie der Aufbau erfolgt. Dabei sollen jedoch auch gewisse Vor- und Nachteile genannt werden.

Im ersten Schema wird eine Kleinanlage als Beispiel herangezogen. Neben dem normalen Aufbau - Solarmodule an Wechselrichter - ist hier ein sog. Datenlogger verbaut. Dieser kommuniziert mit den Wechselrichtern und bekommt Informationen über Leistungswerte und Störungszustände, sofern verfügbar.

Anlagenüberwachung im Internet (Kleinanlage)
Schema 1: Anlagenüberwachung im Internet (Kleinanlage)


Der Datenlogger benötigt dann eine Verbindung zum Internet, die im Falle der Kleinanlage üblicherweise über den hauseigenen DSL-Anschluss realisiert wird.
Damit kann der Datenlogger in zyklischen Abständen die zwischengespeicherten Daten üblicherweise an das Portal des Wechselrichterherstellers übermitteln.

Die Art der Übertragung ist dabei je nach Datenlogger und Hersteller durchaus verschieden. Hier werden üblicherweise die Protokolle FTP, HTTP oder auch eMail verwendet, um die Daten zum Portal zu übertragen.

Im Portal werden diese Daten dann unter umständen analysiert und in eine Datenbank geschrieben. Auf der anderen Seite steht dann die Website des Portal-Anbieters, auf der sich der Betreiber einloggen und die Daten seiner Anlage abrufen kann.

Anlagenüberwachung im Internet (große Freilandanlage)
Schema 2: Anlagenüberwachung im Internet (große Freilandanlage)
[Anlagenbild: Tauberlandpark,
mit freundlicher Genehmigung der relatio Unternehmensgruppe, www.relatio.de]



Das Grundprinzip ist bei allen Anlagengrößen das Gleiche. Auch bei einer großen Freilandanlage gibt es diese Komponenten. Allerdings werden hierbei häufig mehrere Datenlogger eingesetzt, weil für den einzelnen Logger entweder die Menge der Daten zu groß ist oder die Wechselrichter zu weit voneinander entfernt sind.

Für den Kunden werden die empfangenen Daten dann im Portal ausgewertet bzw. visualisiert. Damit werden z.B. Diagramme über den Leistungsverlauf oder die Einspeisung erstellt.

Je nach Anbieter von Datenlogger und Portal ist diese Art der Überwachung allerdings durchaus unterschiedlich.

Ein Datenlogger sollte, damit er seinem Namen auch gerecht wird, die vom Wechselrichter empfangenen Daten auch speichern. Dies möglichst auch über einen längeren Zeitraum, damit im Falle eines Ausfalls der Internetverbindung die Daten noch vorhanden sind und später komplett übermittelt werden können.

Hier gibt es eine sehr große Bandbreite bei den Anbietern dieser Geräte. Bei einigen können die Daten der eigenen Anlage direkt auf dem Datenlogger betrachtet werden, da viele Geräte eine eigene interne Website bereit stellen, andere hingegen fungieren nur als Übertragungsgerät zu Datenversand.

Hier sollte in jedem Falle geprüft werden, ob bei einem Kommunikationsausfall alle Daten zwischengespeichert werden, damit es in der nachfolgenden Auswertung nicht zu großen Lücken kommt.

Aber auch die Portale unterscheiden sich teilweise gravierend. Hier gibt es verschiedene Varianten, von kostenlos für Kleinanlagen bis hin zu teuren Portalen für große Kraftwerke. Ausschlaggebend für die Kosten ist dabei meist die Größe der Anlage, weil große Anlagen auch entsprechend mehr Daten übertragen.

Hierbei muss auch unterschieden werden, welche Leistungen das Portal erbringt. Im Normalfall nehmen die Portale nur die Daten auf und stellen diese benutzerfreundlich dar. Fehlermeldungen der Wechselrichter werden entsprechend angezeigt und unter Umständen wird der Anlagenbetreiber per eMail über Fehler informiert. Schon seltener ist die Information via eMail, wenn keine Daten übertragen werden können.

Bei großen Anlagen und mehreren Datenloggern sollte zudem darauf geachtet werden, das die Daten im Portal zu einer Gesamtanlage konsolidiert werden. Oft werden mehrere Datenlogger aus Anlagenteilen in diversen Portalen als verschiedene Anlagen visualisiert.

Je nach Größe der Anlage stellen sich bei der Überwachung im Internet auch immer die Fragen nach Datenbackup, Verfügbarkeit oder dem genauen Leistungsumfang. Je nach Standort ist auch die Kommunikationsverbindung zu prüfen; nicht an jedem Standort ist ein DSL-Anschluss verfügbar.

Da der Markt eine große Bandbreite an verschiedenen Komponenten bietet - Wechselrichter, Datenlogger, Portale - sollte man sich vor Installation der Anlage entscheiden, wie und in welchem Umfang man seine Anlage überwachen möchte.

Mittlerweile gibt es auch eine ganze Reihe von Datenlogger- und Portalanbietern, die unabhängig von den verbauten Komponenten eingesetzt werden können. Diese sind im Regelfall, im Vergleich zu den Portalen der Wechselrichterhersteller, die bessere Alternative.

[Dieser Artikel ist bereits im Expertenforum des Portals Top50-Solar erschienen]




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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