Google Plus-Streams: Chance oder Risiko?

16.01.12  07:00 | Artikel: 954288 | Proteus Statement

Google Plus-Streams: Chance oder Risiko?
Björn-Lars Kuhn
[persönlicher Kommentar von Björn-Lars Kuhn]
Wir leben in Zeiten der sozialen Netzwerke. Jeder kennt jeden über fünf verschiedene Ecken wenn es sein muss. Firmen nutzen die Plattformen um mehr oder weniger den Kundenkontakt zu verbessern oder auch nur die Werbung in einen weiteren Kanal zu posten. Jeder User kann relativ leicht mit Informationen überfrachtet werden, die er nicht braucht. Ist das wirklich das, was wir uns wünschen oder was uns weiterbringt?

Eine kleine, nicht ganz ernst zu nehmende Zusammenfassung von Erfahrungen.

Schaut man sich die Userzahlen an, mit denen Facebook mittlerweile aufwarten kann, so könnte man fast der Meinung sein, ganz Deutschland ist ein Gefällt-mir-Dorf. Trotzdem gibt es aus jeder Altersgruppe genügend Verweigerer, die Facebook nicht nutzen. Gründe dafür sind hauptsächlich technische Aversionen und Datenschutzbedenken. Oder, wie man so hört auch die Qualität der Diskussionen, wenn man sie denn so nennen kann.

Bei Facebook könnte man subjektiv der Meinung sein, das die SMS-Kommunikation eine Plattform gefunden hat. Kurze Beiträge von Personen, die das dringende Bedürfnis haben Ihrer Umwelt mitzuteilen, dass sie jetzt in den Supermarkt gehen, das Auto waschen oder bei Amazon was bestellt haben. Der stupide Klick auf 'Gefällt mir' hebt dabei auch nicht die geistige Schöpfungshöhe.

Mit Google Plus sollte vieles besser werden. Neben den rein technischen Aspekten - Kreise zu besseren Verwaltung, Einhaltung von Datenschutzbestimmungen und Integration in das eigene Google-Profil - sollte es in jedem Falle sinnvollere Kommunikation geben.

So konnte man zu Beginn schon viele Beiträge verfolgen, in denen Diskutiert wurde, wie viel ernsthafter doch die Kommunikation bei Google im Vergleich zu Facebook sei.

Schaut man allerdings derzeit in den persönlichen Stream, der ja aus Beiträgen der eigenen Kreismitglieder besteht, so muss man sich doch vielleicht die Frage stellen, ob die Kommunikation wirklich besser ist.

Ich möchte hier kurz ein paar Charaktere skizzieren, die immer wieder auftauchen:

Der PicPoster:

Nach dem Motto: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, veröffentlicht der PicPoster jeden Tag ein paar der bekannten Funny-Pics, die üblicherweise aus Comics bestehen oder illustrierten Witzen. Das das Hochladen, der meist urheberrechtlich geschützten Bilder, im Einzelfall ziemlichen Stress nach sich ziehen kann, haben schon einige Facebook-User gemerkt.

Der Politische:

Kaum ein Thema wird ausgelassen, ohne das es eine zeitnahe Stellungnahme dieser Zeitgenossen zu aktuellen Themen gibt. Dabei ist das Wissensspektrum teilweise beachtlich. Ob Bundespräsident, Bahn-Projekte oder Bienenzüchter-Rechte: der Politische hat zu allem eine Meinung, die er in Wort und Bild unters Volk bringt.

Die Kommerziellen:

Seit dem auch Unternehmen (und Verlage) eigene Seiten in Google veröffentlichen dürfen, ist natürlich jeder Anbieter bestrebt seine Informationen auch in den Stream zu senden. Ernsthafte Firmen führen noch Diskussionen mit den Usern respektive Kunden und veröffentlichen eher zurückhaltend Unternehmensinformationen. Zeitungen und Verlage scheinen hier wohl die Ausnahme zu sein.
Redaktionelle Artikel, die schon auf der eigenen Internetseite und in RSS-Feeds veröffentlicht werden, tauchen nun auch im Stream auf.
Prinzipiell spricht ja nichts gegen eine gute Information. Zumeist werden jedoch dann im Rahmen der Druckbetankung die Tagesmeldungen gleich dutzendweise in den Stream gepostet. Das bedeutet in vielen Fällen Reizüberflutung.

Die Gießkanne:

Egal welches Thema: Veröffentlichung um jeden Preis. Diese Zeitgenossen teilen alles mit, was Sie interessant oder im Web finden. Tierschutz, Schwangerschaft, Politik, Marketing, tolles Foto, Software, Wetter in den Alpen, Arbeitsrecht, Bücher, Scheinehe, ...
Jeden Tag zwischen 20 und 100 Mitteilungen für die breite Masse müssen schon sein.



Mit Sicherheit kennt jeder noch irgendwelche Spezies, die sich im Netz tummeln und die hier nicht genannt sind. Und natürlich kann jeder nach belieben veröffentlichen was er möchte, aber jeder, der auf solchen Plattformen Informationen zur Verfügung stellt solle sich auch Gedanken über seine potentielle Zielgruppe machen (sofern das nicht nur Familienmitglieder sind).
Schon jetzt wird über Filter diskutiert. Aber automatisierte Filter werfen mir unter Umständen genau die Beiträge einer Person raus, die mich interessieren. Und der Klick zum Entfernen ist schnell ausgeführt.

Sind wir jetzt wieder bei Facebook? Auf einem leicht höheren Niveau? Geht es hier um Informationsaustausch oder um persönliches Produzieren? Sehen Sie das ähnlich oder ganz anders?

Dieser Artikel steht selbstverständlich auch auf Google Plus (Link weiter unten)
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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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