Online-Speicher: kostenlos und praktisch, aber nicht ohne Nebenwirkungen

10.04.12  06:00 | Artikel: 954333 | News-Artikel (Red)

Online-Speicher: kostenlos und praktisch, aber nicht ohne NebenwirkungenImmer wieder wird in den verschiedenen Medien über Online-Speicher geredet. Diese sind zwar schnell und einfach eingerichtet und zumeist kostenlos, trotzdem sollte man sich Gedanken über die Sicherheit machen.

Online-Speicher, Online-Storage, Filestore, Cloud-Speicher als technische Bezeichnung oder MyDrive, Dropbox oder Skydrive als Beispiele für Produktbezeichnungen sind Begrifflichkeiten, die derzeit durch verschiedene Medien geistern. Selbst etablierte Nachrichtenanbieter wie die dpa produzieren sogar kleine Videos, die diese verschiedenen Möglichkeiten vorstellen.

Trotzdem gibt es nur selten Berichte über die Nachteile solcher Systeme. Ganz oben auf der Liste steht damit der Datenschutz und die Sicherheit und Vertraulichkeit der eigenen, gespeicherten Daten.

DropBox und Microsoft (Skydrive) sind US-amerikanische Unternehmen. Der Benutzer sollte sich hierbei im klaren sein, dass staatliche Instanzen nahezu uneingeschränkten Zugriff auf die Inhalte des Systems haben, da die Daten meist nicht in Europa gespeichert werden.

Für geschäftliche Anwendungen stellt sich daher immer dir Frage, ob es wirklich vernünftig ist, seine Daten so aus der Hand zu geben. Natürlich wird der durchschnittliche Mittelständler kaum auf die Idee kommen Baupläne für Autobomben auf einem amerikanischen System abzulegen, aber Industriespionage fängt schon im kleinen Bereich an. Gerade kleine Zulieferer für die Automobilindustrie, die beispielsweise Kenntnis von besonderen Produktionsmethoden haben, sind durchaus begehrte Ziele.

Dabei wird nicht nur von Häckern versucht, an diese Daten zu kommen. Industriespionage geht heute schon von diversen staatlichen Stellen aus.

Aber nicht nur Datenklau oder Spionage sind gefährlich oder bedenklich. Immerhin gibt es auch nach außen hin neutrale Anbieter wie z.B. MyDrive, die als Schweizer Unternehmen bedingt durch den Standort vielleicht einen Wettbewerbsvorteil haben könnten.

Da jedoch die meisten Anbieter - auch MyDrive - ihre Dienste für Standarduser im kleinen Rahmen (meist 2GB Speicher) kostenlos anbieten, muss notwendigerweise auch hier hinterfragt werden, warum ein Unternehmen Tausenden Usern kostenlos Speicherplatz anbietet.

In vielen Fällen werden wohl die Hochgeladenen Daten analysiert und die so gewonnenen Profile an einschlägige Internetunternehmen verkauft. Datenschutzrechtlich ist das schon äußerst bedenklich.

Zudem sollte man bei Nutzung solcher Dienste auch die AGBs genauer unter die Lupe nehmen. Insbesondere bei den Punkten Verfügbarkeit, und Verlust von Daten muss jeder User selbst entscheiden, ob es das Risiko wert ist.

Für den privaten Bereich sind diese Systeme möglicherweise recht praktisch. Für den kommerziellen Einsatz kann man diese jedoch nur unter Vorbehalt empfehlen. Hier sollte auf nationale Anbieter mit eigenen Servern zurückgegriffen werden, die auch die gespeicherten Inhalte unangetastet lassen.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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