Energiewende rückwärts? Oder: Macht die Wende kehrt?

30.04.12  18:00 | Artikel: 954376 | News-Artikel (e)

Energiewende rückwärts? Oder: Macht die Wende kehrt? Mit der Mittagszeit haben die Energieriesen früher richtig gut Geld gemacht – bis Photovoltaik und Windkraft ihnen in Deutschland einen ordentlichen Strich durch das Geschäft gemacht haben. Atommeiler und Kohlekraftwerke müssen um 12 Uhr ihren Betrieb drosseln, wenn auf deutschen Herden die Töpfe dampfen oder die Spülmaschinen gluckernd Wasser durch die Leitungen pumpen. Der Ökostrom hat im Netz Vorrang. Ist das die Energiewende?

Wer derzeit die derzeitige politische Diskussion um EEG-Novellen und die Beschneidung der Solarindustrie in Deutschland verfolgt, fragt sich allerdings, ob die Wende nicht in Wirklichkeit gerade eine satte Kehrtwendung einlegt – gerade jetzt, als sie aus den Startlöchern herausgekommen zu sein schien. Der ZDF-Beitrag „Energiewende rückwärts“ räumt mit alten Vorurteilen zu Erneuerbaren Energien gründlich auf, ohne dass sich Filmmacher Frank Farenski nur auf eine Seite schlägt. Farenski hat sich in der Branche genau umgesehen und aufwändig recherchiert, warum Ökostrom in Deutschland mittlerweile keine Vorfahrt mehr haben darf. In dem knapp 30 Minuten langen Filmbeitrag kommen Vertreter der verschiedensten Institutionen und Organisationen zu Wort – egal ob Naturschutzbund oder Verbraucherzentrale, egal ob Kabelproduzent oder Solarunternehmer. Alle erklären aus ihrer Sicht, warum der grüne Strom den Branchegiganten ein Dorn im Auge ist – oder sein muss.


Doch der Autor lässt auch die Gegenseite zu Wort kommen – wie es sich für einen guten Journalisten gehört. Durch sein Interview mit Thomas Bareiß, dem energiepolitischen Koordinator der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, erfährt der staunende Zuschauer schließlich, dass die Sonne in Deutschland offenbar nur 800 Stunden pro Jahr scheint. Das wären für all jene, die rechnen können, exakt 2,19 Stunden pro Tag. Keine Panik: Tatsächlich sind es laut der Internet-Plattform Wikipedia zwischen 1300 und 1900 Stunden, je nach Region. Der Filmmacher erklärt in diesem Zusammenhang übrigens, warum Off-Shore-Windkraftwerke zum neuen Lieblingskind der Regierung werden oder weshalb seit Jahren fehlende Stromtrassen ein Grundübel der deutschen Stromversorgung sind. Alles in allem ein beachtenswerter Beitrag, sorgfältig ausgearbeitet und anschaulich aufbereitet. Denn Farenski geht mit dem nahezu unerschöpflichen Datenmaterial behutsam um und überfrachtet den Zuschauer nicht. Dennoch schafft er den schweren Spagat, in der komplexen Materie zwischen EEG-Novelle, Einspeise-Vergütungssatz und Netzentgelt die Übersicht zu behalten, keine Halbwahrheiten zu verbreiten und fair zu bleiben. Unbedingt ansehen!

zum ZDF-Videobeitrag

www.eberhardkipp.de




(Quelle: Eberhard Kipp)


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