Breite Allianz gegen chinesische Photovoltaik-Modul-Industrie

26.07.12  12:32 | Artikel: 954485 | News-Artikel (Red)

Breite Allianz gegen chinesische Photovoltaik-Modul-IndustrieDie europäische Photovoltaik-Industrie hat sich verbündet und geht gemeinsam gegen die Konkurrenz aus China vor. Bei der Europäischen Kommission sei eine Anti-Dumping-Klage gegen Hersteller aus China eingereicht worden, bestätigte Milan Nitzschke, Sprecher der neuen Initiative EU ProSun.

Hinter EU ProSun stehen 25 Firmen aus Deutschland, Italien, Spanien und anderen EU-Ländern. Aus Deutschland sind unter anderen Sovello aus Bitterfeld-Wolfen und das Bonner Unternehmen Solarworld vertreten. Wie Solarworld-Chef Frank Asbeck dem "Handelsblatt" sagte, sei nicht etwa eine Preiserhöhung für Solarmodule das Ziel der Initiative. Vielmehr gehe es darum, den vernichtenden Preiskampf zu stoppen. Die Firmen werfen der chinesischen Konkurrenz vor, mit Dumpingpreisen zu agieren.

Laut Nitzschke wird das Vorgehen von einer Mehrheit der europäischen Solarindustrie getragen. Allerdings gibt es auch einige Unternehmen, die die Beschwerde nicht unterstützen. Unter anderen kritisiert die deutsche Bosch Solar das Vorgehen, weil hier befürchtet wird, dass damit ein Handelskrieg ausgelöst werden könnte.

ProSun wird den chinesischen Unternehmen massive Wettbewerbsverzerrung vor. Firmen wie Suntech, Yingli und LDK Solar sollen vom chinesischen Staat erheblich subventioniert werden. „Die chinesischen Unternehmen werden mit milliardenschweren Krediten versorgt und bieten trotz massiver Verluste ihre Produkte zu Preisen unter ihren Herstellungskosten an“, kritisierte Nitzschke. Erst kürzlich hatte beispielsweise die Stadt Xinyu einen Kredit in Höhe von 78 Millionen Dollar für die dort ansässige LDK Solar getilgt.

EU-Handelskommissar Karel de Gucht muss nun versuchen, Belege dafür zu finden. Die EU-Kommission wird bis Mitte September entscheiden, ob die Klage angenommen wird. Ein vorläufiges Urteil wird dann voraussichtlich bis Juni kommenden Jahres vorliegen. Ein früherer Termin scheint auch denkbar. Mögliche Anti-Dumping-Zölle würden dann rückwirkend verhängt werden.

Chinesische Produzenten sind natürlich äußerst aufgebracht. Die Allianz für Bezahlbare Solarenergie AFASE (Alliance for Affordable Solar Energy) sprach sich vehement gegen Strafzölle aus. „Offene Märkte sind unerlässlich, um Solarenergie bezahlbar zu machen und die Klimaschutzziele der EU zu erreichen“, sagte Gregory Spanoudakis, Europa-Präsident der chinesischen Canadian Solar und AFASE-Mitglied. "Protektionistische Maßnahmen würden der Solarindustrie in vielerlei Hinsicht schaden. Sie hätten gestiegene Preise zur Folge und würden die Verbraucher ebenso wie die Staatshaushalte stark belasten", sagte er.

Solarworld-Chef Frank Asbeck sagte gegenüber dem Handelsblatt, das die Klage in Brüssel nicht den Zweck habe, die Preise für Solarmodule zu erhöhen, „sondern der desaströse Preiskampf muss gestoppt werden.“ Für Solarworld war damit der Klageweg entschieden.

Asbeck wirft der chinesischen Regierung schon seit Jahren massive Subventionen für die heimische Photovoltaik-Wirtschaft vor. Auf Asbecks Initiative hin hatten die amerikanischen Wettbewerbsbehörden im Mai Strafzölle gegen chinesische Firmen in den USA verhängt. Chinesische Anbieter sind nun gezwungen auf ihre Importe Zölle von 31 Prozent und mehr zu bezahlen.

Für Peking ist die Solarindustrie eine der wichtigsten Industrien des Landes. Im derzeitigen Fünf-Jahres-Plan sind entsprechende Meilensteine festgelegt, mit dem die Solarfirmen die Weltführung übernehmen sollen. Dabei sollen sowohl die Fertigungskapazität verstärkt erhöht und die Kosten drastisch gesenkt werden.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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