Vergesslichkeit der Kunden oder Abzocke der Telekom?

13.09.12  06:30 | Artikel: 954609 | News-Artikel (Red)

Teurer Gruß aus der Vergangenheit - Alte Telefone auf aktuellen Rechnungen der Telekom

In jüngster Zeit haben Ratsuchende der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein aktuelle Rechnungen der Deutschen Telekom vorgelegt, auf denen sich Beträge für merkwürdige Leistungen wiedergefunden haben, wie die Verbraucherzentrale in einer Pressemeldung mitteilte.

So wird etwa für "Actron B" ein Betrag von € 2,51 monatlich in Rechnung gestellt. Für "Dallas" soll € 3,74 bezahlt werden. Hier werden immer noch alte Telefone der Post aus den 80er bzw. sogar aus den 70er Jahren in Rechnung gestellt.

Verbraucher konnten zu Zeiten der Monopolstellung der Deutschen Post neben dem kostenfreien Standardtelefon exklusivere Apparate gegen eine monatliche Miete erhalten. Die meisten Verbraucher haben sich nach dem Ende des Monopols 1990 nach und nach eigene, modernere Geräte angeschafft, was vorher ja nicht erlaubt war. Bestenfalls wurde dann der Mietvertrag für das alte Telefon gekündigt.

In manchen Fällen hat das anscheinend nicht funktioniert. Entweder haben die Verbraucher versäumt, den Vertrag mit der Post/Telekom zu kündigen oder die Telekom hat es bis heute nicht geschafft, den entsprechenden Rechnungsposten aus den Rechnungen zu löschen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher den Kunden, die Rechnungen der Telekom genauer zu prüfen.

T-Modell WandapparatRecherchiert man ein wenig im Netz, so findet man noch die eine oder andere Angabe zu solch kuriosen Preisen. So wird das »T-Modell Wandtelefon« mit Tastenfeld in farngrün mit einer einmaligen Zahlung von 212 DM und monatlichen Gebühren von 3,50 DM genannt.


Modell 611Das Standard-Modell »Modell 611« mit Wählscheibe, in farngrün, kieselgrau, hellrotorange und ockergelb erhältlich, gab es gratis. Die Version mit dem sog. Schauzeichen kostete dafür 1,40 DM pro Monat mehr.


Modell DüsseldorfDas Modell »Düsseldorf« (oder auch FeTAp 92) schlug mit über 10 DM pro Monat schon heftig zu Buche.

Ein bei der Verbraucherzentrale vorstellig gewordener Kunde zahlt für das Gerät "Actron B" seit immerhin 30 Jahren eine monatliche Mietgebühr von 2,51 EUR. Sind in der Summe rund 900 EUR (über 1.700 DM).

Die Deutsche Bundespost, staatlicher Vorläufer der Deutschen Telekom, wusste schon damals gut zu wirtschaften.




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Alle Bilder wurden mit freundlicher Genehmigung von Dipl.-Ing Gerd-Wilhelm Klaas
zur Verfügung gestellt.
Weitere Infos zu alten Telefonen: www.wasser.de/telefon-alt








Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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