Volkswirtschaftliche Gefahren: Eigenverbrauch und Speichersysteme

15.11.12  09:00 | Artikel: 954755 | Proteus Fach-Artikel

Volkswirtschaftliche Gefahren: Eigenverbrauch und SpeichersystemeEine Vielzahl von Unternehmen entdecken gerade den Markt im Bereich des Eigenverbrauchs und der Speichersysteme. In einer Zeit steigernder Strompreise lassen sich diese mitunter durch den Einsatz dieser Szenarien kompensieren. Auch wenn es der Branche als Ausweg erscheint und Geld in die leeren Kassen spülen kann: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Der Eigenverbrauch von Solarstrom wird zunehmend ein Thema. Sowohl für den Privatmann, als auch für Unternehmen jeglicher Größenordnung. Hierbei sollen installierte Solarkraftwerke den Grundlastverbrauch sicherstellen und so die Abnahmemenge benötigter Energie vom Versorgungsunternehmen mindern, was üblicherweise einen Einspareffekt nach sich zieht. Aktuell geht es ja nicht mehr primär darum, den selbst produzierten Strom zu verkaufen, was bei schwindender Einspeisevergütung nicht mehr die Renditen bringt, wie noch vor Jahren, sondern, den billig produzierten Strom bei Bedarf im eigenen Haus zu verbrauchen. Wird eine entsprechende Anlage mit Speichersystemen ausgestattet, so kann die Grundlast unter Umständen rund um die Uhr selbst sichergestellt werden.

Sicherlich können für diese Einsatzzwecke die Unternehmen der Solarwirtschaft funktionierende und auf Dauer rentable Systeme anbieten und somit den bösen und teuren Energieversorgern weniger Geld in den Rachen werfen. Da jedoch die EEG-Umlage als Solidarumlage eingerichtet ist, kann dies auf Dauer zu massiven Problem führen. Jede Kilowattstunde, die selbst verbraucht, und damit nicht vom EVU abgenommen wird, lässt die EEG-Umlage in Zukunft weiter ansteigen. Zudem sehen sich die Versorger, bei ihren meist gleichen Grundkosten, wieder genötigt, die Strompreise zu erhöhen, weil ja entsprechend weniger abgenommen wird.

Allein durch diese zwei Gründe könnte eine Preisspirale ausgelöst werden. Zudem hätte die Verteuerung vermutlich wieder eine höhere Anzahl von Befreiungen bei der EEG-Umlage zur Folge, was die Rotationsgeschwindigkeit der Spirale weiter steigern würde bis das System letztendlich zusammenbricht.

Volkswirtschaftlich problematisch wäre auch die Entstehung sozialer Ungerechtigkeiten. Gerade im Hinblick auf die Verschiebung sozialer Schichten käme es zu einer Trennung zwischen Solaranlagen-Besitzern, die ihre Energiekosten kompensieren können und Normalbürgern, die sich ein solches Privileg nicht leisten können, dafür jedoch über die EEG-Umlage um ein Mehrfaches belastet werden.

Mit welcher Geschwindigkeit sich solch ein Szenario entwickeln kann, ist derzeit völlig unklar. Politik und Branche sollten sich die Gefahren allerdings bewusst machen und hier im Vorfeld Lösungen suchen. Da letztendlich jeder auch Verbraucher ist, wird es auch jeden treffen. Die Frage ist dann im Einzelfall nur, wie hart es eben trifft.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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