Windkraftanlagen: Immer größere Nennleistung sinnvoll?

24.01.13  11:20 | Artikel: 955067 | News-Artikel (Red)

Windkraftanlagen: Immer größere Nennleistung sinnvoll?
Sascha Röber
In einem Artikel heißt es auf “Wirtschaftswoche green”, dass supraleitende Generatoren noch viel größere Windkraftanlagen mit Nennleistungen von über 10 MW möglich machen sollen. Das soll der Windkraftbranche zu einem “Wachstumsschub” verhelfen.

Es bleibt fraglich, wem die Erhöhung der Nennleistung von WEA über das derzeitige Maß hinaus denn überhaupt nützt. Bei starkem Wind, der auf See nicht selten ist, wird bei wachsender Nennleistung der Generatoren immer mehr Strom zur selben Zeit in die Netze gepresst. Nun krankt die Offshore-Windenergie ja ohnehin an zwei Hauptproblemen. Erstens: Die Verbindung der Anlagen auf See mit den Netzeinspeisepunkten an Land. Zweitens: Der Tatsache, dass Offshore-Windenergie Strom dort produziert, wo sie am wenigsten gebraucht wird: im bevölkerungs- und industriearmen Norden der Republik.

Statt immer leistungsstärkere Generatoren zu bauen, führt der richtige Weg doch vielmehr über höhere Türme und größere Rotordurchmesser bei gleichbleibender oder gar sinkender Nennleistung der Generatoren. Das Problem der nicht vollständig stetigen Windenergie ist vor allem, dass sie nicht immer und nicht immer mit derselben Stärke überall vorhanden ist, sondern nach Region und Jahreszeit sowie Wetterlage fluktuiert. Mit höheren Türmen und größeren Rotordurchmessern kann vor allem eine höhere Zahl an Vollaststunden generiert werden. Das bedeutet, dass insgesamt viel gleichmäßiger sauberer Strom ins Netz gespeist wird. Eine Verstetigung der Einspeisung führt unter anderem zu viel niedrigeren Netzmodernisierungskosten. Und es gibt Untersuchungen, welche aufzeigen, dass es auch durchaus ein widerlegbares Paradigma ist, dass der Wind auf See stetiger weht als übers Land verteilt
(Report-Windpotenzial-im-raeumlichen-Vergleich.pdf).

Also: Besser sind dezentral über das Land verteilte Windkraftanlagen mit Nennleistungen auf heutigem Niveau, höheren Türmen und größeren Rotordruchmessern. Dann wird das auch viel schneller was mit der Energiewende. Sie wird viel günstiger, weil wir uns einen Großteil des Netzausbaus dann sparen können.



Autor des Artikels ist Sascha Röber, der bei einem der größten Entwickler und Projektierer für EE-Projekte in Europa als Bereichsleiter Unternehmensfinanzierung arbeitet. Die erneuerbaren Energien sind für ihn seit jeher ein wichtiges Anliegen.

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Autor: Sascha Röber

www.sascha-roeber.com

Sascha Röber war nach einer über 20-jährigen Karriere als Banker gut fünfeinhalb Jahre Bereichsleiter Corporate Finance beim Solar- und Windparkprojektierer juwi AG in Wörrstadt. Regelmäßig bloggt und tweetet er zu den Themen Energiewende und Elektromobilität und betreibt die Tesla-Vermitplattform teslanauten.com. Privat fährt er einen Tesla Roadster. Sascha Röber wohnt zur Zeit in Frankfurt am Main.



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