German Market Briefing 2013: Zahlen, Fakten und Analysen für die PV-Branche

22.02.13  09:35 | Artikel: 955190 | News-Artikel (Red)

German Market Briefing 2013: Zahlen, Fakten und Analysen für die PV-Branche

  • EuPD Research befürchtet «Installateurssterben» für 2. Jahreshälfte 2013
  • Zubau installierter Anlagenleistung im Jahr 2013 bei 3,9 GW mit Peak Juni/Juli
  • EEG wird in diesem Jahr wohl nicht mehr geändert

Mittlerweile zum sechsten Mal trafen sich hochrangige Experten der Photovoltaik-Branche gestern in Frankfurt zum «German Market Briefing 2013», das von der EuPD Research durchgeführt wurde, die Teil der Hoehner Research & Consulting Group (HRCG) ist. Das Event gilt als eine der Schlüsselveranstaltungen der Branche, da hier für Prognosen und Markteinschätzungen reines Zahlenmaterial aufbereitet und analysiert wird; ganz im Gegenteil zu diversen anderen Veranstaltungen, in denen Branchensituationen oft emotional schön oder schlecht geredet werden.
Eine kurze Zusammenfassung der Inhalte:

Die diesjährige Veranstaltung konnte mit drei verschiedenen Themenkomplexen aufwarten:
  • der exakten Analyse des deutschen PV-Marktes inklusive Entwicklungen und Prognosen bis Ende des Jahres,
  • die Rolle von EEG und Speicherförderungen im Hinblick auf Bedeutung und Konsequenzen und
  • neue Geschäftsmodelle, unabhängig von der Einspeisevergütung

Nach den einleitenden Worten von CEO Markus Hoehner (HRCG) präsentierte Markus Lohr, Senior Analyst und Chef der EuPD Research die Marktzahlen des vergangenen Jahres bis ins Detail und leitete daraus die entsprechenden Prognosen für das laufende Jahr ab. Durch entsprechende Visualisierungen konnten die anwesenden Teilnehmer schnell erkennen, dass es sich der PV-Markt in den letzten 12 Monaten zu einem Freiflächenmarkt entwickelt hat; der Anteil der Großanlagen ist im letzten Jahr signifikant gestiegen, hauptsächlich im Osten der Republik. Zudem waren allgemein hohe Veränderungen im regionalen Ausbau erkennbar und auch die Verteilung der Anlagenklassen hat sich in den letzen Jahren drastisch verändert.

3,9 GW Zubau für das laufende Jahr erwartet - Installateurssterben zum Jahresende prognostiziert

Auf Grund der vorliegenden Daten prognostizierte Lohr einen Zubau von 3,9 GW für das laufende Jahr, wobei er für Juni und Juli zwei Spitzenmonate erwartet. Außerdem wird ein Rückgang der Freiflächenanteile erkennbar werden.

Besonders interessant war die Prognose für Modulpreise im Zusammenhang mit der Entwicklung der Systemkosten. Chefanalyst Lohr sieht durchaus noch sinkende Modulpreise, denen die BoS-Kosten folgen werden. Ab August sollen allerdings nach kurzer Konsolidierungsphase die Systempreise drastisch sinken, was einen enormen Druck für viele Unternehmen bedeutet. Durch entsprechendes Zahlenmaterial untermauert befürchtet Lohr ein "Installateurssterben" bis zum Ende des Jahres. Viele Unternehmen können dem Kostendruck wohl nicht standhalten und werden sich verabschieden müssen, sofern nicht bereits strategisch geplant andere Geschäftsmodelle in Angriff genommen werden können. Knapp 40% der Installateure wollen sich lt. einer Umfrage umstellen und auch alternative Geschäftsbereiche, wie z.B. Speicherlösungen in Angriff nehmen.

Starttermin für Speicherförderung noch unbekannt

Im zweiten Teil, der das Thema EEG und Speicherförderungen behandelte und in dem auch auf die aktuellen politischen Entwicklungen eingegangen wurde, gab Cornelia Viertl, Referentin für PV und tiefe Geothermie beim BMU einen Überblick über die politischen Entwicklungen im Bereich PV und Speicherförderung. So sei zwar ein Marktanreizprogramm geplant (siehe Bundesregierung gibt Details zur Förderung von Solarstromspeichern bekannt), allerdings könne derzeit der Starttermin noch nicht bekannt gegeben werden, da überraschenderweise die Fördertöpfe leer seien (siehe: Photovoltaik-Speicherprogramm vorerst auf Eis gelegt ).

EEG bleibt vorraussichtlich in aktueller Form bestehen

Zum Thema EEG erklärte Cornelia Viertl, dass zwar aktuell eine hitzige Diskussion laufe, für ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren allerdings nur noch wenig Zeit verbleibe. So ist ein Energie-Gipfel mit den Ländervertretern für Mitte März mit der Bundeskanzlerin geplant, bei dem über die Sache beraten werden soll. Würden sich dann alle Parteien einig sein, so würde es für eine Umsetzung noch vor der Bundestagswahl reichen. Da die Länder jedoch vorrangig auf die eigenen Interessen schauen, dürfe ein Konsens eher unwahrscheinlich sein.

Nicht ohne Humor erklärte Frau Viertl in Bezug auf die aktuelle Diskussion auch die Zusammenhänge zwischen der Bekanntgabe der zu erwartenden EEG-Umlage im Herbst 2013 und den politischen Verbindungen: «Es besteht die Gefahr, das am 15. Oktober noch mal ein Anstieg von den Übertragungsnetzbetreibern verkündet wird. Und üblicherweise weiß man schon gut vier Wochen vorher, was kommt. Und das ist dann eine Woche vor der Budestagswahl. Deswegen haben wir so eine intensive Debatte, weil da möchte keiner "den schwarzen Peter" haben."

Speicherlösungen, Rentabilität und Geschäftsmodelle

Mit von der Partie waren im zweiten Teil auch Jörg Mayer, der die Thematik der Speicherlösungen aus Verbands- bzw. Industriesicht näher erläuterte und Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der die Interessen des Endkunden repräsentierte. Dr. Günther Ebert (Fraunhofer ISE) gab in diesem Zusammenhang einen Einblick in aktuelle Speichertechnologien. Einig waren sich die Experten, dass Speicher in Endkundenhaushalten zwar schon verkauft werden, die Rentabilität jedoch noch nicht gegeben sei. Trotzdem würde man ein Marktanreizprogramm benötigen, um Erfahrungswerte zu sammeln und langfristig Speicher rentabel zu machen.

Im dritten Teil wurden dann noch alternative bzw. neue Geschäftsmodelle diskutiert und ob diese auch außerhalb des EEG bestehen können. Ein greifbarer Ansatz kam dabei von Tobias Schütt (DZ-4), der mit seinem Geschäftsmodell erste Erfolge verzeichnen kann. Hierbei werden auf Dächern von Kunden PV-Anlagen, und im Keller Speichersysteme installiert, die von der DZ-4 gebaut werden. Der Kunde nimmt den Strom selbst ab und erhält im Gegenzug eine Preisgarantie über zehn Jahre.

Zwar sehen die Experten bei vielen Geschäftsmodellen noch gewisse Hürden, wie z.B. beim Eigenstromverbrauch von gewerblichen bzw. Industriekunden - hier ist die Rentabilität ohne Einspeisevergütung noch nicht gegeben. Trotzdem waren sich alle Anwesenden einig, dass in den nächsten Monaten diverse Businessmodelle auftauchen werden, die derzeit noch gar nicht abschätzbar sind. Wer also mit innovativen Ideen aufwarten kann, der wird sich auch in Zukunft gut im Markt etablieren können.

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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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erneuerbare Energien | Veranstaltung

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