3. Erneuerbare-Energien-Konferenz in Weimar: Energiewende neu denken

26.02.13  09:10 | Artikel: 955204 | News-Artikel (e)

3. Erneuerbare-Energien-Konferenz in Weimar: Energiewende neu denken450 Teilnehmer bei 3. Erneuerbare-Energien-Konferenz in Weimar

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig hat für einen «energiepolitischen Neustart» in Deutschland geworben. «Knapp zwei Jahre nach Fukushima müssen wir konstatieren: Die Energiewende läuft nicht rund», sagte der Minister auf der 3. Erneuerbare-Energien-Konferenz «Thüringen erneuer!bar» in Weimar. Statt den notwendigen Umbau der Energieversorgung zu koordinieren und zu steuern, glänze die Bundesregierung durch Problematisierungen und die Verunsicherung von Investoren und Bevölkerung.

„Notwendig ist ein neues Denken in der Energiewende“, forderte der Minister: „Alle müssen raus aus den alten Schützengräben.“ Die alten energiepolitischen Schwarz-Weiß-Muster passten nicht mehr. So dürfe beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht zum Heilsbringer stilisiert, aber auch nicht verteufelt werden. „Was wir stattdessen brauchen, ist ein neues Energiemarktdesign, das den Ausbau der erneuerbaren Energien ebenso fördert wie die Versorgungssicherheit durch konventionelle Regelenergie. Dafür werde das Thüringer Wirtschaftsministerium bis Mitte des Jahres erste Vorschläge vorlegen.

Zu den wichtigsten Herausforderungen der Energiewende zählt der Minister insgesamt drei Punkte:

  • den zügigen Ausbau von Netzen und Speichern durch schnelle Umsetzung des Netzentwicklungsplanes;

  • die Integration des Wärmesektors, der fast doppelt so groß wie der Stromsektor ist, aber viel weniger durch erneuerbare Energien abgedeckt wird (in Thüringen derzeit nur 12 Prozent);

  • die Schaffung eines neuen Energiemarkt-Designs, das Angebot und Nachfrage nach Energie besser aufeinander abstimmt und weiterhin Vergütungen bzw. Anreize für die Produktion von CO2-freier, regenerativer Energie, aber zugleich auch für gesicherte (konventionelle) Regelenergie und neue Speicherkapazitäten schafft.
Es sei dabei völlig klar, dass bei der Lösung dieser Fragen eine finanzielle Überforderung der Verbraucher vermieden werden müsse. „Alles andere würde die Energiewende in Deutschland weiter in Misskredit bringen“, sagte der Minister, der aktuell eine Arbeitsgruppe aus SPD-Wirtschafts- und Umweltministern der Länder zur Frage einer vom Bund vorgeschlagenen „Strompreisbremse“ in Deutschland koordiniert. Ziel und Maßstab müsse es sein, notwendige Investitionen in regenerative Energien und Energieeinsparung einerseits und möglichst geringe Kostenbelastungen für die Energieverbraucher andererseits sicherzustellen. „Alle Maßnahmen, die die Investitionssicherheit in Frage stellen, werden abgelehnt“, stellte der Minister klar.

Hintergrund:
Unter dem Motto „Zeit für neue Energien“ diskutierten gestern in Weimar rund 450 interessierte Teilnehmer mit hochkarätigen Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden über die Umsetzung der Energiewende. Mit dabei waren u.a. Rainer Baake, Direktor der Initiative Agora Energiewende und Staatssekretär a.D.; Ewald Woste, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft; Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena); Dr. Günther Häckl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V.; Hans-Dieter Kettwig, Geschäftsführer der Enercon GmbH; und Dr. Peter Becker, Energierechtskanzlei Becker Büttner Held.




(Quelle: Freistaat Thüringen, Wirtschafsministerium)


Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepoplitik | Veranstaltung

Schlagworte:

Erneuerbare-Energien-Konferenz | Weimar | Energiewende (372) | Fukushima (12) | Energieversorgung (72) | Investoren (9) | Verunsicherung (3) | Investitionssicherheit (2)