Eigentumsverhältnisse des Stromnetzes

03.05.13  10:00 | Artikel: 955486 | News-Artikel (Red)

Eigentumsverhältnisse des Stromnetzes
Wer zieht die Fäden
im Stromnetz?
Das Netz ist für den Strom von essentieller Bedeutung, denn nur so kann Produktion und Verbrauch zusammen gebracht werden. Diese Eigenschaft führt aber auch dazu, dass der Betrieb und der Ausbau eines Stromnetzes immer einem Monopol unterliegt. Wenn es hier im Blog um Eigenstrom geht, ist die Frage, welche Rolle das Netz dann überhaupt noch einnehmen kann? Zum Glück hat man sich schon vor einigen Jahren zu diesem Thema Gedanken gemacht. Der Konflikt zwischen natürlicher Monopolstellung und Eigentumsverhältnissen bleibt jedoch bestehen.

Von 2005 bis Juli 2007 wurde in ganz Europa die Entflächtung des Strommarktes voran getrieben (s.h. auch Wikipedia). Im Klartext wurde der Netzbetrieb von der Vermarktung und der Produktion getrennt. So sind in Deutschland die 4 Übertragungsnetzbetreiber (Amprion, 50hz, Transnetbw und Tennet) entstanden, die jeweils zuständig für eine zugewiesene Region sind. Ihre Aufgabe ist es auf ihrem Gebiet für Stabilität und das Netz als solches zu sorgen. Entstanden sind diese Unternehmen aus den 4 großen Stromkonzernen. Im Rahmen der Deregulierung sollten die Unternehmen in ihrem Marktauftritt deutlich von den Mutterkonzernen unterscheidbar sein sollen. Mehr als fünf Jahre nach der Deregulierung haben sich auch die Eigentumsverhältnisse deutlich verändert.

Wem gehört das Deutsche Übetragungsnetz (Höchstspannungsnetz) im Dezember 2012?

Amprion (Quelle WP)
  • Commerz Real
  • MEAG (Munich Re und ERGO)
  • Swiss Life
  • Talanx
  • Ärztliche Versorgungswerke aus Westfalen-Lippe und Brandenburg.

Tennet
  • Tennet BV (Hauptaktionär ist das niederländische Finanzministerium (Quelle WP) )

TransnetBW
  • EnBW (Quelle TransnetBW) – Mehrheitlich Land BW und Landkreise:
    NECKARPRI-Beteiligungsgesellschaft mbH
    OEW Energie-Beteiligungs GmbH

50Hz (Quelle WP)
  • Elia (belgischer Netzbetreiber)
  • Australischer Infrastrukturfonds Industry Funds Management (IFM)

Damit der Strom aus der heimischen Steckdose kommt, muss bei Veränderungen ein Interessenausgleich mit den Eigentümern des Netzes hergestellt werden. Welche Schwierigkeiten dies hat, konnte man unlängst bei der Diskussion um die Risikohaftung beim Transport der Offshore-Windenergie erkennen. Eine Lösung, die zumindest im Wirtschaftsministerium bereits 2009 angedacht wurde, ist die Fusion aller 4 Übertragunsnetze. Im Bericht heißt es dazu:

Die Volllösung brächte größere Effizienzvorteile. Da sich aber zwei der vier Eigentümer der aktuellen Übertragungsnetzbetreiber bislang gegen diese Möglichkeit ausgesprochen haben, wäre ihre Umsetzung entweder langwieriger oder politisch „teurer“ zu erkaufen. (Quelle Abschlussbericht von Frontier Economics für das BMWi)

Eigentumsverhältnisse zu verändern ist in einer Marktwirtschaft von Seiten der Politik immer schwer zu “erkaufen”. Schließlich geht der Abschlussbericht auch davon aus, dass sich im Laufe von 1-2 Jahren lediglich auf dem Gebiet der Regelleistung eine Lösung umsetzen lasse.

Die in Baden-Württemberg nach dem Regierungswechsel untersuchten Verstrickungen des ehemaligen Ministerpräsident Mappus (CDU) in den Rückkauf der EnBW-Anteile in den Landesbesitzt, erhält nach Durchsicht des Berichtes von 2009 zumindest für mich eine neue Dimension:
Es wäre aber denkbar, dass der Staat vorübergehend als Eigentümer eintritt, für den theoretisch denkbaren Fall, dass die angestrebte Organisationsstruktur nicht in einem einzigen Schritt durch Verkauf durch einen oder mehrere aktuelle Eigentümer an einen oder mehrere zukünftige Eigentümer erfolgen kann.

War nicht die TransnetBW eine der beiden Übertragungsnetze, die nicht zum Verkauf gestanden waren?

Geht man den Weg näher in Richtung des Stromkunden, existieren neben den 4 Übertragungsnetzbetreibern natürlich noch die Verteilnetzbetreiber. Klassisch sind dies die Stadtwerke oder komunale Versorgungseinrichtungen. An meinem Wohnort in Mauer ist es die Syna, gehört zur SüWAG, gehört zur RWE. Auf ganz Deutschland verteilt existieren ca. 900 Verteilnetzbetreiber. Deren Eigentümerschaft ist deutlich Vielschichtiger.

Beispiel: MVV Energie AG
  • 50,1% Stadt Mannheim
  • 16,3% Rhein Energie AG
  • 15,5% EnBW

Beispiel: Mainova AG
  • 75% Stadtwerke Frankfurt
  • 24% Thüga

Wer Eigentum hat, der hat die Möglichkeit darüber zu bestimmen. Dies hat gerade bei einer solch wichtigen Infrastruktur wie dem Stromnetz eine politische Dimension. Nicht umsonst hatte man gerade die Energieversorgung mit Strom im Auge, als zum Jahreswechsel 1999 auf 2000 die Millenniumskatastrophe untersucht wurde. Für eine Gesellschaft ist es wichtig, dass es nicht zu Katastrophen kommt.

Vielleicht erklärt die Betrachtung der Eigentumsverhältnisse zumindest eines, dass wichtige Infrastrukturvorhaben durch gewählte Vertreter erfolgen sollte. Die Legitimation geht dann von den Bürgern aus, denn schließlich ist es unser Eigenstrom.




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Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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