Was machen eigentlich diese Smart Meters, die intelligenten Stromzähler?

08.05.13  08:30 | Artikel: 955510 | Proteus Fach-Artikel

Was machen eigentlich diese Smart Meters, die intelligenten Stromzähler?
So haben ihn viele Deutsche
im Keller: den alten
Drehstromzähler
3Intelligente Stromzähler gibt es schon seit gut 20 Jahren. Waren diese früher jedoch nur Industrie- oder Großkunden vorbehalten, so drängt die Technik mittlerweile in die Endkundenhaushalte. Aber was machen diese neuen Zähler eigentlich und was sind die Vor- und Nachteile?

In den meisten deutschen Haushalten findet man immer noch den alten Stromzähler mit der sich drehenden Metallscheibe. Diese Zähler, die nach der enthaltenen Technik auch Ferraris-Zähler genannt werden, lassen ein Zählwerk in Abhängigkeit der Energiemenge laufen; man kennt das noch von früher: Backofen anmachen und die Scheibe kommt ganz schnell in Bewegung.

die Vorteile

Wie bei allen technischen Bauteilen, gibt es auch bei den Zählern entsprechende Weiterentwicklungen. Bei den Smart Meters wird die Energiemenge durch eine Elektronik mit einem Mikroprozessor berechnet. Das allein ist nur ein technischer Fortschritt. Ein erster Vorteil ergibt sich daraus, wenn die Messdaten zum Energieversorger übertragen werden können. Damit entfällt das manuelle Ablesen des Zählers vom Energieversorger oder dem Kunden.

Durch die regelmäßige Übertragung der Verbrauchsdaten entfallen auch die üblichen Abschlagszahlen und es wird nur das berechnet, was bis zum Monatsende verbraucht wurde.

Beispiele Smart Meters: Vattenfall, EnBw, Discovergy, Yello Strom
Beispiele Smart Meters: Vattenfall, EnBw, Discovergy, Yello Strom | Bild: jeweiliger Anbieter


Die Übertragung solcher Daten kann dabei über verschiedene Arten erfolgen. Entweder über eine vorhandene Telefonleitung, einen hausinternen DSL-Anschluss, über Mobilfunk oder auch über die Stromleitung.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit ein eigenes Verbrauchsprofil zu erstellen. Viele Anbieter intelligenter Stromzähler bieten dabei eine Internetseite, auf der die Tages- oder auch kleinere Werte dargestellt werden. Mit separater Software vom Anbieter ist dies sogar in Echtzeit möglich. Schaltet man dann die Kaffeemaschine an, so sieht man live, wie der Energieverbrauch steigt. Stromfresser können so einfach und schnell identifiziert werden.

Nahezu alle intelligenten Zähler können als Zwei-Tarif-Zähler eingesetzt werden. Für viele macht diese Trennung durchaus Sinn.

die Nachteile

Wie bei allen schönen Sachen, gibt es natürlich auch Nachteile. Und da steht ganz vorne auf Platz Eins der Preis. Ein Großteil der Energieversorger lässt es sich fürstlich bezahlen, ihrem Kunden ein solches Analysegerät in den Keller zu schrauben. Entweder die Jahresgebühr für den Zähler selbst ist recht hoch oder es gibt nur entsprechend teure Tarife in Verbindung mit diesem. Vor allem sollte man als Verbraucher bei Formulierungen wie "Sparstrom" eher vorsichtig sein. So ausgewiesener Sparstrom ist oft teurer, als normaler Strom.

Als weiteren Nachteil empfinden viele Kunden die Möglichkeit, dass der Energieversorger eben auch Zugriff auf das Verbrauchsverhalten des Kunden hat. Da bei den meisten Geräten die Daten in 15-Minuten-Zyklen übertragen werden - genauere Angaben über die Datentiefe machen die Anbieter kaum -, ist es problemlos möglich, einzelne Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Trockner oder Fernseher zu identifizieren. Daten, die in die Privatsphäre des Kunden gehören.

Screenshot der EnBw-Software
Screenshot der EnBw-Software


der Datenschutz

Derzeit ist es kaum realistisch, dass die Energieversorger diese persönlichen Daten auswerten, da aktuell noch viel zu wenige von den Intelligenten installiert sind. Doch Datenschützer kritisieren bereits jetzt, das die Möglichkeiten bestehen und eine Auswertung eher trivial ist. Hier muss noch ein entsprechender Konsens gefunden werden.

Für die reine Abrechnung reichen die Daten z.B. als Summe am Monatsende. Damit ist eine Profilerstellung bis auf Geräteebene unmöglich. Auch eine Quersummierung des Stundenverbrauchs über einen ganzen Monat wäre eine Möglichkeit. Trotzdem gibt es auch hier Personen, die einfach nicht möchten, dass der Versorger weiß, wann man denn im Urlaub ist. Bei zwei Wochen Abwesenheit im Sommer macht sich das natürlich bemerkbar.

Trotzdem muss man früher oder später wohl damit leben. Bereits jetzt ist der Einsatz eines Smart Meters bei Neubauten und nach Komplettsanierungen gesetzlich vorgeschrieben.

Ob es in Zukunft Auswertungen darüber gibt, welches TV-Programm eine Familie abends gewählt hat - technisch ist dies möglich - ist eher fraglich. In Medienberichten macht sich dieser Vorwurf ja recht gut.

Gegner dieser Überwachung sollten allerdings konsequent sein. Wer mit dem Auto unterwegs ist, ein Handy besitzt, bargeldlos bezahlt, in den Urlaub fliegt, im Internet oder auf öffentlichen Plätzen unterwegs ist, wird der Überwachung in Deutschland nicht entkommen. Hier werden bereits seit Jahren entsprechende Profile erstellt.

die Zukunft

CollageSmart Meter sind natürlich nicht allein für die Kunden erfunden worden. Im Gegenteil. Eigentlich für die Energieversorger, damit diese genau diese Verbrauchsprofile erstellen können. Dabei interessiert den Energieversorger allerdings nicht, welche Geräte ein Kunde besitzt oder welches Fernsehprogramm läuft. Hier geht es um Lastprofile und Prognosen. Damit lässt sich für den Versorger vorhersagen, wann denn im Normalfall ein erhöhter Energiebedarf benötigt wird. Energie, die der Versorger äußerst flexibel bereitstellen muss.

Dies wird im Rahmen der Energiewende ein immer wichtigerer Aspekt. Hier müssen dezentrale Stromerzeugungsanlagen wie Solaranlagen mit in die Planung einbezogen werden. So gilt dann vereinfacht für den Energieversorger: Morgen gibt es in einer Region mittags viel Sonne und Wind und die konventionellen Kraftwerke müssen entsprechend weniger Energie bereit stellen. Kennt der Versorger die exakten Lastprofile der Kunden, so lassen sich Prognosen vielfach genauer erstellen.

Im Bereich der erneuerbaren Energien ist dies bereits angekommen. Hier müssen z.B. bei Photovoltaikanlagen entsprechende Geräte installiert sein, damit der Versorger die erzeugte Leistung der Anlage reduzieren kann, damit nicht zu viel Strom ins Netz geht. Das liegt weniger am Ausbau der Erneuerbaren sondern eher an der Tatsache, das z.B. Kohlekraftwerke nicht so schnell heruntergefahren werden können.

Smart Meter sind somit in Zukunft für ein stabiles Netz unverzichtbar. Sowohl auf der Erzeuger- wie auch auf der Verbraucherseite müssen gerade bei einer dezentralen Stromerzeugung Daten zur Planung erfasst werden.

Damit wären dann auch die Szenarien Smart Home - die intelligente Steuerung des gesamten Haushaltes - und Smart Grid - das intelligente Stromnetz - in der Realität angekommen. Die Umsetzung wird allerdings noch ein paar Jahre dauern.

Stromtipp

Wie bereits genannt, bieten die alten Energieversorger wie EnBw, Yello Strom oder Vattenfall die intelligente Variante des Zähler nur in Verbindung mit einem teuren bestimmten Tarif.

Rein gesetzlich (§ 21b Energiewirtschaftsgesetz) darf jedoch auch ein dritter Anbieter den Zähler installieren und betreiben. Der heißt dann Messstellenbetreiber und meldet entsprechende Daten an den Energieversorger.

Bekannte Anbieter von unabhängigen intelligenten Stromzählen sine die Firmen Discovergy (Endkunden) und BTC AG (Unternehmen).
Einfach mal informieren.


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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