Followup: Kaltreserve bei zuviel Strom

05.06.13  14:30 | Artikel: 955603 | News-Artikel (Red)

Followup: Kaltreserve bei zuviel StromIm Januar 2013 kam es zum Rückgriff auf die Kaltreserve, da bei einem Sturmtief plötzlich zu viel Strom im Netz war.

Dies führte dazu, dass in Süddeutschland und in Österreich einige Kraftwerke der sogenannten Kaltreserve aktiviert werden mussten.
Bei der Veröffentlichung des Beitrages im Januar blieben sehr viele Fragen offen, besonders warum man mehr Strom braucht, wenn man zuviel Strom hat.

Die Antwort lautet: Blindleistung war das Problem.

Bei der Kommunikation rund um das Thema Integration von Erneuerbaren Energien haben die Netzbetreiber eine ernste Herausforderung. Viele Themen gehen soweit in die Physik, dass man sie nur schwer vermittelt bekommt. Sitzen dann auf der anderen Seite Berichterstatter, die (wie ich) keine Physiker sind, wird aus einer Meldung ungewollt eine Skurrilität.

Szenario im Januar

Die Windkraft in Norddeutschland produziert fleißig Strom. Auch etliche Dickschiffe der konventionellen Kraftwerke sind am Netz. Der Verbrauch in gesamt Deutschland ist durch den Winter relativ hoch. Das Element “dezentral” an der Energiewende ist bislang noch nicht soweit voran geschritten, dass es weite Übertragungswege verhindern würde. Dem Hotspot Norddeutschland steht ein Coldspot Süddeutschland gegenüber. Dazwischen weitreichende Freileitungen, auf denen Drehstrom transportiert werden soll.

Die Stromwende wird wohl vor allem eines bringen: Eine Vernetzung der verschiedenen Akteuren. Dazu ist Kommunikation (technisch) notwendig, sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen. Aktuell kämen wahrscheinlich für die Einspeisung von Blindleistung nur große PV-Parks in Frage, die in unmittelbare Nähe eines Umspannwerkes zum Übertragungsnetz angeschlossen sind.

Die Liberalisierung des Strommarktes und die damit verbundene Trennung von Stromerzeugung und Netze, sorgt im Anblick der Blindleistungsthematik zu einer besonderen Herausforderung, die zunächst regulatorisch adressiert werden muss.



Weitergehende Informationen:

SMA - Technik Kompendium - Information zur PV Netzintegration

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01.02.13: Polnischer Netzbetreiber will Phasenschieber installieren



Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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