Die OffShore-Haftungsumlage - das Taschengeldkonto für die Windbetreiber

07.08.13  09:10 | Artikel: 955807 | News-Artikel (Red)

Die OffShore-Haftungsumlage - das Taschengeldkonto für die WindbetreiberSeit Anfang des Jahres gibt es sie, die OffShore-Haftungsumlage. Jeder Stromkunde zahlt derzeit 0,25 Cent pro Kilowattstunde, die in den Pool dieser neuen Umlage abgeführt werden. Doch derzeit weiß noch niemand so genau, wie denn mit den angesparten Beträgen umzugehen ist. Grundlage für die Berechnung ist § 17f Abs. 7 EnWG (EnWG).

Bereits im November letzten Jahres hatten wir über diese neue Belastung für den Endkunden berichtet. (Kurios: OffShore-Haftungsumlage - kassieren wenn’s nicht funktioniert) In den letzten Tagen hatten wir das Thema bei den Energiebloggern nochmals diskutiert uns festgestellt, dass eigentliche derzeit niemand weiß, wie das denn genau funktioniert. Eine Nachfrage bei der Bundesnetzagentur brachte jedoch ein wenig Licht ins Dunkel; unsere Kernfragen wurden beantwortet.

Wohin geht das ganze Geld?

Prinzipiell werden die mit der Stromrechnung eingezogenen Beträge von den Übertragungsnetzbetreibern gesammelt, verwaltet und im Netz veröffentlicht:

"Konkret sind die Übertragungsnetzbetreiber gemäß § 17f Abs. 7 EnWG verpflichtet, die für den Belastungsausgleich erforderlichen Aufschläge auf die Netzentgelte sowie die für die Berechnung maßgeblichen Daten spätestens zum 15. Oktober eines Jahres für das Folgejahr im Internet zu veröffentlichen." (Quelle: Korrespondenz BNetzA)

Allerdings gibt es aktuell noch keine Angaben über den Kontostand, die Art und Weise der zu verteilenden Beträge oder ob und wie viel denn einzelne Netzbetreiber schon zur Zahlung verpflichtet waren.

Um diese Problemstellungen zu regeln - im Gesetz sind keine näheren Angaben dazu enthalten - steht aktuell auf den Seiten der BNetzA ein Konsultationspapier zum Download bereit. Noch bis zum 15. August 2013 kann jeder seine Stellungnahmen per Post oder eMail einreichen.

Peanuts oder richtig Asche?

Interessant wäre jedoch durchaus zu wissen, über welche Summen hier eigentlich gesprochen wird.

In einer aktuellen Studie der Prognos AG, wurden in Zusammenarbeit mit der r2b energy consulting GmbH die wahrscheinlichen monatlichen Letztverbrauchswerte für das Jahr 2013 berechnet. Demnach werden im Jahr 2013 insgesamt 382,1 TWh von den Letztverbrauchern bezahlt werden. Bei 0,25 Cent pro Kilowattstunde ergibt sich ein Betrag von 955.200.000 €, der dann für Entschädigungszahlungen an OffShore-Windparkbetreiber verwendet werden kann. Spätestens im Oktober soll dann die neue Höhe für das Jahr 2014 festgelegt werden.

Eine knappe Milliarde Euro liegen also für die Betreiber von Windparks auf See bereit, damit diese keine finanziellen Nachteile erleiden. Schaut man wieder mal genau hin, wer denn die Betreiber solcher Anlagen sind, so tauchen schnell bekannte Namen auf: E.ON, Vattenfall, RWE und EnBw - also wieder die großen Vier (4G). Bereits für den Bau verschiedener Anlagen auf See haben die 4G teilweise schon große Summen von der EU eingestrichen. So ist "alpha ventus" mit 30 Millionen und "BARD Offshore 1" mit rund 53 Millionen Euro subventioniert worden. Zudem gibt es in den ersten 12 Betriebsjahren eine Einspeisevergütung von 15 Cent pro Kilowattstunde.

Vergleicht man dieses Szenario mit der Photovoltaik, so stellt man schnell fest, dass in diesem Bereich einzig und allein der Betreiber als Bauherr das volle unternehmerische Risiko trägt. Hier gibt es keine Subventionen der EU oder sonstige staatliche Hilfen. Diese gibt es allein für die Milliarden-Konzerne.

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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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