Große Einsparpotenziale in energieintensiven Branchen

07.08.13  13:15 | Artikel: 955813 | News-Artikel (e)

Große Einsparpotenziale in energieintensiven BranchenIn den energieintensiven Branchen Stahlerzeugung, Zement-, Papier- und Glasherstellung sowie in der chemischen Industrie gibt es große Einsparpotenziale. In einem aktuellen Buch stellt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI etwa 200 Maßnahmen vor, die zusammen den Energieverbrauch in der energieintensiven Industrie Deutschlands bis 2035 um knapp 15 Prozent reduzieren können und somit erhebliche CO2-Einsparungen zur Folge hätten. Die Studie "Energieverbrauch und CO2-Emissionen industrieller Prozesstechnologien – Einsparpotenziale, Hemmnisse und Instrumente" wurde zusammen mit der IREES GmbH in Karlsruhe und Prof. Ali Hassan von der Technischen Universität Berlin erstellt.

Insgesamt können mit den in der Studie analysierten Maßnahmen jährlich rund 14 Terawattstunden Strom eingespart werden – das entspricht der Erzeugungsmenge von zwei großen Kohlekraftwerken. Der Einsatz anderer Brennstoffe wie Erdgas oder Heizöl lässt sich um etwa 60 Terawattstunden senken, was dem jährlichen Heizenergiebedarf von etwa zwei Millionen Einfamilienhäusern gleichkommt.

Da auf das Verarbeitende Gewerbe knapp 30 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland entfallen, ist eine gesteigerte Energieeffizienz in diesem Sektor entscheidend für das Gelingen der Energiewende: Die Bundesregierung hat das Ziel vorgegeben, bis 2020 die jährlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland um 40 Prozent gegenüber dem Ausstoß des Jahres 1990 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Emissionen bis 2020 noch um etwa 170 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr reduziert werden. Die in der Studie untersuchten Einsparmaßnahmen, die bis 2020 umsetzbar sind, würden eine Vermeidung von jährlich etwa 22 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten in der energieintensiven Industrie ermöglichen und somit erheblich zur Erreichung des Reduktionsziels der Bundesregierung beitragen.

Zur Abhilfe empfehlen die Autorinnen und Autoren der Studie unter anderem die Einführung von Energiemanagementsystemen, da durch die systematische und regelmäßige Analyse und Bewertung von Einsparmöglichkeiten viele betriebsinterne Hemmnisse überwunden werden können. Entsprechende Systeme sind ab 2015 Voraussetzung, um weiterhin Vergünstigungen bei der Strom- und Energiesteuer im Rahmen des so genannten Spitzenausgleichs zu erhalten.
In den vergangenen Jahren gab es auf politischer Ebene jedoch mehrere Entwicklungen, die die Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienzmaßnahmen verschlechtert haben. Dazu gehören die vielen Unternehmen gewährten Ausnahmen bei der Energiesteuer und der EEG-Umlage sowie der Verfall der Preise von Emissionszertifikaten im europäischen Emissionshandel auf unter fünf Euro je emittierter Tonne CO2. "Die aktuelle Initiative der Europäischen Kommission zur Verknappung der im Markt verfügbaren Zertifikate könnte hier Abhilfe schaffen und die Preise auf ein Niveau heben, von dem wieder stärkere Anreize zur Energie- und CO2-Einsparung ausgehen", so Projektleiterin Barbara Schlomann.

Das Buch "Energieverbrauch und CO2-Emissionen industrieller Prozesstechnologien - Einsparpotenziale, Hemmnisse und Instrumente" kann unter www.verlag.fraunhofer.de/bookshop/... bestellt oder kostenlos heruntergeladen werden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.




(Quelle: Fraunhofer ISI )


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