Kommentar: Die Wahrheit lebt durch den Mut der Journalisten

27.09.13  08:15 | Artikel: 956000 | News-Artikel (Red)

Journalisten sind der Wahrheit verpflichtet. Ein Grundsatz des Pressecodex, der heute leider nicht mehr immer beachtet wird. Noch wichtiger ist es allerdings, bei brisanten Themen, den Mut aufzubringen zu veröffentlichen.

Die Machenschaften der NSA konnten nur durch den Mut verschiedener Personen in die Öffentlichkeit gebracht werden: Durch die Aussagen von Edward Snowden und die Entschlossenheit einiger Journalisten, die Snowdens Geschichte zuerst veröffentlichten. Sicherlich fiel dieser Schritt nicht leicht. Auch Journalisten können Nachteile erfahren: durch öffentliche Kritik, durch Diskreditierung oder sogar rein ökonomisch, wenn der Brötchengeber meint, sich solch eine Verbindung nicht mehr leisten zu können.

Die Veröffentlichung der Wahrheit ist nicht immer der leichteste Weg. Jahrelang schrieb der ehemalige Chefredakteur des Focus, Helmut Markwort, in seinen Editorials über die Menge der Klagen, die die Redaktion erreichten. Trotzdem stand Markwort in der Summe immer hinter den Redakteuren. Das ist vielleicht das Optimum.

In vielen Bereichen gibt es Missstände, Hintergründe und Verbindungen, die in die Öffentlichkeit gebracht werden sollten. Hier ist der Journalist gefragt zu recherchieren und darzustellen und letztendlich zu veröffentlichen. Aber manchmal ist es auch wichtig, Unterstützer an seiner Seite zu haben; Unterstützer mit Stehvermögen.

Man kennt ja vielleicht die Situation: Viele Mitarbeiter in einer Firma sind unzufrieden und kotzen über den Chef ab und über gewisse Kleinigkeiten, die einen stören. Dann stellt sich jemand vor die Gruppe und macht den Vorschlag, mit der Kritik zum Chef zu gehen und das zu diskutieren. Dort angekommen schaut er hinter sich und stellt fest: niemand mehr da.
Durchaus eine eigene, leidvolle Erfahrung aus meiner Vergangenheit.

Sicherlich gibt es Tausend Gründe, warum Einzelne dann doch nicht mitmachen. Familie, Ruf, Angst vor Repressalien oder sonstige Nachteile; alles nachvollziehbar. Aber wo wären wir z.B. heute in der Politik, wenn nicht immer wieder die Skandale an die Öffentlichkeit gezerrt werden würden?

Viele Einzelne haben sich "geopfert", weil potenzielle Unterstützer dann einknickten und doch Bedenken hatten. Leider passiert das viel zu oft.

Hier kann man nur an potenzielle Kollegen, Unterstützer und Helfer appellieren, keine Angst vor der eigenen Courage zu haben.

Bevor ich Redakteur wurde, dachte ich,
alle Journalisten seien besonders kluge, kreative, hilfsbereite und mutige Menschen.
Mit zunehmendem Alter erkenne ich: Das war mein größter Irrtum.


© Ernst Probst (*1946), deutscher Schriftsteller und Verleger



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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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