Interview: Tobias Rothacher über Energiespeicher, Marktanreizprogramm und Kundenmotivation

15.11.13  10:09 | Artikel: 956127 | News-Artikel (Red)

Interview: Tobias Rothacher über Energiespeicher, Marktanreizprogramm und  Kundenmotivation
Tobias Rothacher, Senior Manager
Energy Storage & Fuel Cells -
Germany Trade & Invest
Im Rahmen des Storage & Solar Briefing Mitte Oktober in Stuttgart hat die EuPD Research als Veranstalter einige Fragen zum Thema Energiespeicher an die Referenten gestellt. Hier die Antworten von Tobias Rothacher, Senior Manager Energy Storage & Fuel Cells bei der Germany Trade & Invest.

Nach den vorliegenden Zahlen läuft das Marktanreizprogramm für Energiespeicher, das im Mai aufgelegt wurde bislang noch eher schleppend an. Woran liegt das?

Das ist aus meiner Sicht fast ein bisschen gegenläufig, was man in der Öffentlichkeit hört. Wenn ich mit Installateuren spreche, oder auf Branchenmessen unterwegs bin, gewinne ich immer den Eindruck, dass das Interesse gerade bei den privaten Nutzern extrem stark ist – mit oder ohne dieses Marktanreizprogramm. Ich glaube, dass es nur eine gewisse Zeit braucht, bis so ein Programm auch bei den Menschen angekommen ist. Im nächsten Jahr, da bin ich sicher, wird das Programm weit stärker ausgeschöpft.

Woran liegt es denn, dass das Programm bei den Menschen noch nicht angekommen ist? Brauchen wir in dieser Richtung mehr, oder klarere Kommunikation im Markt?

Ganz genau. Schauen Sie, bei den solaren Speichersystemen gibt es so viel unterschiedliche Modelle, Typen und Spezifikationen. Alleine die geeignete Größe eines Speichers zu definieren ist für den Kunden im Prinzip schon schwierig. Da ist es nur verständlich, dass die Menschen mehr Orientierung und Informationen brauchen um sich mit dieser verhältnismäßig neuen Technik erst mal auseinanderzusetzen. Installateure, die das erkannt haben und etwa Tage-der-offenen-Türe oder andere gezielte Informationsveranstaltungen anbieten, berichten mir, dass die Kunden das dankbar annehmen und auch nachfragen.

Was ist denn dann Ihrer Meinung nach die Motivation für die Kunden die sich jetzt schon für einen Energiespeicher bei Ihrer Photovoltaikanlage interessieren?

Aktuell sind die Preise für solche Speichersysteme noch zu hoch, um damit wirklich wirtschaftlich Strom zu speichern. Die Leute kaufen derzeit also noch nicht aus der reinen Preismotivation heraus, wie wir das in der Photovoltaik kennen. Denn mit den Speichern landet man, wie man es dreht und wendet, bei den aktuellen Preisstellungen noch nicht bei der „Speicer-PV-Grid-Parity“. PV-Anlagen mit Speichern haben also noch nicht die Wirtschaftlichkeit erreicht. Sicherlich schöpfen da auch die Hersteller mit ihren hohen Preisen den Markt noch etwas ab. Aber trotzdem: Das Interesse der Kunden ist da.

Wie könnte so ein auf Autarkie angelegtes, dezentrales Netzsystem bundesweit aussehen?

Selbstverständlich gibt es generell ein enormes Preissenkungspotential. Aktuell liegen die Preise noch bei 3.500 Euro pro Kilowattstunde, günstige Systeme gibt es schon für 1.500 Euro und perspektivisch sehen wir, glaube ich, noch bis 2020 die 500 Euro. Und dann könnte das ganze wirklich ein „no-brainer“ werden. Vielleicht werden dann schon ab 2018 Solaranlagen gleich mit einem Speichersystem verkauft und man wird dann sogar eine höhere Rendite einfahren als ohne Batterie. Wer sich heute entscheidet ist klassischer „early mover“, in ein paar Jahren wird das System im Verbund ganz normal sein.

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(Autor: EuPD Research)


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