Fell: Nichts: Das von allen erwartete Ergebnis der Klimakonferenz in Warschau

26.11.13  07:30 | Artikel: 956153 | News-Artikel (Red)

Fell: Nichts: Das von allen erwartete Ergebnis der Klimakonferenz in Warschau
Hans-Josef Fell,
Bündnis 90/Die Grünen
Es ist nicht zu fassen: Tausende Menschen fliegen seit Jahren auf die weltweiten UN-Klimaverhandlungen. Sie alle wissen im Vorhinein, dass es keine Vereinbarung geben wird, die wirksamen Klimaschutz durchsetzt. So auch diesmal wieder in Warschau. Immerhin haben die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) diesmal mit ihrem protestierenden Auszug ein richtiges und überfälliges Signal gesetzt. Sie wollen aber nächstes Jahr wieder nach Paris kommen, obwohl sie alle doch heute schon absehen können, dass es auch dort nichts Konstruktives zum Klimaschutz geben wird, genauso wie in den letzten 20 Jahren.

Selbst das Kyoto-Protokoll von 1997 hatte ja keinerlei Klimaschutz gebracht. Und nun gelten alle Hoffnungen auf einer Nachfolgevereinbarung zu Kyoto in Paris. Wie soll denn so der Klimaschutz in die Welt kommen? Viel zu lange Jahre haben viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) versucht, auf den Regierungskonferenzen wirksamen Klimaschutz einzufordern. Dabei ist seit vielen Jahren klar, dass sich die Regierungen nach den Interessen der Verursacher der Erderwärmung, der fossilen Weltwirtschaft richten und nicht nach den Notwendigkeiten des globalen Klimaschutzes. Dies haben sie schon 1992 in Rio getan und tun sie vermehrt bis heute. Schon damals wurde der entscheidende Fehler gemacht, dass man notwendige Entwicklung nur mit der Nutzung von fossilen Energien gleichsetzt und nicht mit dem Ausbau Erneuerbaren Energien und Erneuerbarer Rohstoffe.

Auch heute noch pochen die Entwicklungsländer darauf, ihre unbestritten notwendige Entwicklung nur mit fossilen Rohstoffen erfüllen zu können. Dabei ist doch klar: Die Entwicklungsländer sind ein Armutsopfer der fossilen Weltwirtschaft. Wieso haben sie das noch nicht begriffen und fordern weiterhin Teilhabe an der fossilen Wirtschaft? Ihre Chance der Entwicklung wäre eine solare Wirtschaft. Stattdessen fordern sie lediglich Anpassungshilfen an die Schadensentwicklung der Erderwärmung. Welch aussichtsloser Wunsch, denn kein Fonds der Industrienationen wird jemals so hoch sein können, dass damit eine Anpassung an die Auswirkungen der Erderwärmung finanziert werden könnte.

Dem Protest der NGOs müssen nun aber schnell neue, von ihnen entworfene, Klimaschutzstrategien folgen. Ein weiter so in den bisherigen Klimaschutzstrategien hat keine Aussicht auf Erfolg. Erfolgreicher Klimaschutz ist auch ohne weltweiten Klimaschutzvertrag schnell und wirksam zu verwirklichen, wenn Millionen von Menschen, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, Politiker, Finanzleute u.a. an weiteren Investitionen und damit Kostensenkungen bei Klimaschutztechnologien arbeiten; nicht nur Erneuerbare Energien, aber vor allem Erneuerbare Energien zusammen mit neuen Technologien, die die Kohlenstoffsenken in die oberen Bodenschichten organisieren. Eine neue Klimaschutzstrategie braucht auch neue und klare Denkweisen.

Wenn weite Weltregionen schon, wie aktuell in Philippinen oder Italien, bei einer Welterwärmung von 0,8 Grad Celsius massive Schäden erfahren, darf es eine Akzeptanz von 2 Grad Celsius Erderwärmung nicht geben, sondern die oberste Zielvorstellung und Forderung muss eine globale Abkühlung sein. Emissionen von Klimagasen müssen prinzipiell geächtet werden und nicht über ein Emissionshandelssystem erlaubt sein. Wir brauchen Nullemissionen und Kohlenstoffsenken als Ziel und nicht die Akzeptanz von weiteren Emissionen. Eine wirksame und neue Klimaschutzstrategie setzt neben neue Zielen auch auf andere politische Instrumente, die in Vorreiternationen erfolgreich umgesetzt werden, so wie das erfolgreichste Klimaschutzinstrument, das EEG, welches inzwischen von über 60 Nationen kopiert wurde.

Es braucht den Abbau der Subventionen für fossile Energien, sowie für Intensivlandwirtschaft und stattdessen eine Kohlenstoffsteuer und Subventionen für Erneuerbare Energien, sowie biologische Landwirtschaft. In meinen vielen Veröffentlichungen habe ich eine neue Klimaschutzstrategie beschrieben. Nun sollten die in Warschau ausgezogenen NGOs an einer gemeinsamen neuen Klimaschutzstrategie arbeiten. So müssen auch die jahrelang immer gleichen Forderungen der NGOs auf den Prüfstand. Das Versagen der Weltgemeinschaft in Sachen Klimaschutz ist nicht nur ein Versagen der Regierungen. In den Mittelpunkt gehört nun das Entwerfen einer kompromisslos solaren Weltwirtschaft, zur Ablösung der 150 Jahre alten Erdölwirtschaft.

Hier können Sie meinen Veröffentlichungen zu einer neuen Klimaschutzstrategie, mit dem Ziel der globalen Abkühlung näher kennen lernen.




Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



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