Boom der Erneuerbaren durch solide Geschäftsmodelle?

02.12.13  07:33 | Artikel: 956175 | News-Artikel (Red)

Boom der Erneuerbaren durch solide Geschäftsmodelle?In den letzten Wochen hat blog.stromhaltig etliche Gespräche mit den Machern hinter der Energiewende gesprochen. Betreiber, Investoren, Analysten, Verbände und vielen weiteren mehr. Frei von politischer Färbung und ideologischer Verblendung wollte ich einer einzigen Frage auf den Grund gehen: Was muss passieren, damit man die Markteinführung der Erneuerbaren als abgeschlossen angesehen werden kann?

Leider konnte mir keiner meiner Gesprächspartner eine Antwort liefern, die mir gefallen hat. Ja, ich muss sogar sagen, dass ich von meinem Erneuerbaren-Freunden sehr enttäuscht bin. Daher zu Beginn dieses Beitrages erst einmal ein paar Worte, die vielleicht auf Kritik bei meinen Freunden der Erneuerbaren stoßen wird. Ich verspreche, am Ende des Beitrages gibt es die bekannte Richtung nach vorne – mit Vorfahrt für Wind, Sonne, Wasser, Biogas usw…

Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen
Wer ein Geschäft betreibt, der möchte rentabel sein. Durch die Wertschöpfung im Unternehmen sollen Erträge erwirtschaftet werden, die durch den Verkaufspreis vom Kunden bezahlt werden. Wenn ich Selbstgebasteltes auf dem Flohmarkt verkaufe, weiß ich dann welchen Preis ich erzielen werde? Leider nein, denn mir hilft niemand bei der Markteinführung.

Besteht ein begründetes allgemeines Interesse an der Einführung eines Produktes, dann werden Anreize geschaffen, die helfen sollen das Produkt zur Marktreife zu bringen. Bei meinem Selbstgebastelten fehlt das allgemeine Interesse, möchte man mich allerdings aus der Arbeitslosigkeit rausholen, dann besteht ein solches Interesse. Die Förderung der Ich-AG ist ein solches Beispiel, mit dem auch meine Flohmarktprodukte eine Marktreife erlangen. Die Starthilfe wird an Bedingungen geknüpft, so zum Beispiel die Erstellung eines Business-Plans, darin ist detailliert und nachvollziehbar beschrieben, mit welcher Wertschöpfung die Marktreife in welcher Zeit erreicht wird.

Was bei jedem Ein-Mann/Frau-Unternehmen stattfindet, scheint es bei Wind und Sonne nicht gegeben zu haben. Die Antworten meiner Gesprächspartner lässt vermuten, dass man weder das Produkt genau kennt, noch definieren kann wer der Kunde ist. Auch ist unklar, was passieren muss, um eine Marktreife zu erlangen.

Es kommt einem vor, als ob der Kunde der Staat ist. Das Produkt ein Garantiezins auf eine Geldeinlage und die Marktreife darin besteht, dass man diese Stellung behaupten kann.

Timeline IG Windkraft auf Facebook
Timeline IG Windkraft auf Facebook
Stellt ein Unternehmensberater einem Startup die Frage, wie er Gewinn erwirtschaften will, dann wird er schon eine Markteinschätzung bekommen, aber mit Sicherheit nicht die besseren Chancen der Anderen im Markt als Argument anführen. Eine Subvention von weit über 500 Mrd. Euro für die nuklear/fossile Geldverbrennung ist ärgerlich genug. Hat aber mit dem Geschäftsmodell Windkraft erst einmal nichts zu tun.

Nach der Markteinführung muss das Produkt für sich selbst tragfähig sein. Dabei wird kein seriöser Investor die Ausrede tolerieren, dass es auf dem Flohmarkt jetzt auch Spielekonsolen aus Nahost gibt und ich damit auf meinem Selbstgebastelten sitzen-bleibe.

Ein Nachhaltiges Geschäftsmodell zeichnet sich aus durch:
  • Alleinstellungsmerkmal des Produktes
  • Genau Definition der Zielgruppe / Kunden
  • Finanzierung ist unabhängig von Förderungen,Subventionen und Garantien
  • Markteinflüsse werden möglichst minimal gehalten.

Ohne Strategie schreibt ein anderer die Quittung


Die gesammelte Mannschaft der Erneuerbaren hat im Moment leider keine einheitliche Strategie, wie sie zu einer Marktreife kommen will. Klar ist nur, was man nicht will. Das Resultat ist, dass die Geschichte von anderen geschrieben wird, die mehr Aufwand und mehr Einheit haben.

Im Falle des Strommarktes sind dies die Betreiber der fossilen Großkraftwerke. Das Schreckgespenst ist weniger der Koalitionsvertrag als solcher, als vielmehr die Punkte, die darin positioniert werden konnten. Kapazitätsausgleich um Schwankungen in der Erzeugung auszugleichen (Seite 55). Was für ein Meisterwerk…

Prof. Dr. Claudia Kemfert hat in der Zeit unlängst einen sehr anschaulichen Beitrag über Kapazitätsmärkte veröffentlicht:

Der Markt liefert ausreichend Preissignale für Investoren. Mittelfristig werden aber vermehrt flexible Kraftwerke benötigt, welche immer weniger Stunden im Jahr im Einsatz sein werden. Genau hier stellt sich die Frage, ob nicht der Markt selbst ausreichende Signale liefern kann, um genügend Investitionsanreize in eben solche Kraftwerke zu liefern.

atmender DeckelDas als Atmender Deckelbekannt gewordene Ausbauziel von 52 GW für PV-Strom ist ein sehr nettes Beispiel, für eine Kapazitätsberechnung, die den Mitbewerber auf dem eigenen Spielfeld gewinnen lässt. Eine Heimniederlage, da es nicht gelungen ist im Vorfeld klar den Kunden zu benennen und damit ein Marktvolumen zu bestimmen.

Ohne Strategie, schreibt jemand anderes die Spielregeln, und ohne Strategie fehlen die Argumente auf der politischen Bühne überhaupt gehört zu werden.

Vom Spott der Marktbegleiter mal ganz abgesehen….

Produkt oder Produkte?
Nur weil man sich das gleiche Netz teilt, bedeutet dies noch lange nicht, dass man auch das gleiche Produkt anbietet. Nur weil es bislang nur Einheitsstrom aus der Steckdose gibt, bedeutet dies noch lange nicht, dass man nicht differenzieren kann.

Im Schlafmodus der Einspeisegarantie wurde es versäumt die Stärken und Schwächen des Produktes “EE”-Strom klar zu benennen und die passenden Kunden dafür zu finden. Die Strategie, die von den Mitbewerbern nun geschrieben wird ist einfach: Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren soll das bestehende Produkt “Strom” nachbauen. Vergleichbar ist dies mit dem Versuch die Spielekonsolen nun selbst zu basteln.

Das Produkt “PV-Storm” – zum Beispiel – wird in unseren Breiten hoffentlich niemals zur Mitternacht Strom liefern. Eine Zeit, bei der in den wenigsten Schulen in Deutschland Strom benötigt wird. Die Beispiele lassen sich beliebig fortführen bis zu Trivialitäten, wie die Waschmaschine, die mit entsprechendem Anreiz auch eine Stunde später ihre Dienste verrichten kann.

ThinkTank: EE-Stromtarife
ThinkTank: EE-Stromtarife
In einem Hoch-Technologieland wie Deutschland kann man kaum vermitteln, dass Steuertechnik und Messtechnik ein Problem darstellt aus Strom viele Produkte zu machen.

Stand heute weiß keiner, welcher Markt tatsächlich für unterschiedliche Produkte besteht. Im Rahmen des ThinkTanks für Dargebotsabhängige Stromtarife soll dies nun erstmals untersucht werden. Eine nachhaltige Energiewende gestalten, mit einem seriösen Produkt und Marktauftritt.

Download – Informationsflyer ThinkTank




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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