Agora-Studie: Europakonforme Reform der Industrie-Ausnahmen kann EEG-Umlage deutlich senken

28.01.14  08:00 | Artikel: 961166 | News-Artikel (e)

Agora-Studie: Europakonforme Reform der Industrie-Ausnahmen kann EEG-Umlage deutlich senkenNeugestaltung der Befreiungsregelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz kann EU-Beihilfeverfahren abwenden und Haushalte um 50 Euro pro Jahr entlasten.

Würden die Industrie-Sonderregelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf energieintensive und exportorientierte Unternehmen begrenzt und die Eigenstromerzeugung teilweise in die EEG-Finanzierung einbezogen, würde die EEG-Umlage um 20 % von derzeit 6,24 Cent auf etwa 5 Cent pro Kilowattstunde sinken. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden würde so (inklusive der Mehrwertsteuer-Effekte) um mehr als 50 Euro jährlich entlastet. Das ist das Ergebnis eines Reformvorschlags, den das Öko-Institut im Auftrag von Agora Energiewende erarbeitet hat.

Der Studie liegt der Vorschlag zugrunde, große gewerbliche Stromverbraucher künftig stärker als bisher an der Finanzierung der Energiewende zu beteiligen. Dass diese Großverbraucher in den vergangenen Jahren immer stärker von der Zahlung der Ökostromumlage befreit wurden, hatte im Dezember auch die EU-Kommission moniert und deshalb ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Auch begünstigte Unternehmen sollen sich künftig zu einem kleinen Teil an der Finanzierung der Energiewende beteiligen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass für sie eine EEG-Umlage von 0,5 bis 0,6 Cent pro Kilowattstunde – etwa zehn Prozent des normalen Satzes – zumutbar ist. Denn diese Großverbraucher profitieren bereits durch die aufgrund der Energiewende stark gesunkenen Großhandelspreise deutlich stärker.

Zudem soll auf den Verbrauch von selbst produziertem Strom – er ist bislang komplett von der Ökostromumlage ausgenommen – künftig eine geringe EEG-Umlage fällig werden. Stromverbrauch von diesen dezentralen Erzeugungsanlagen soll laut Konzept einen Nachlass von 3,5 Cent auf die EEG-Umlage erhalten.

Im Ergebnis würden diese Regelungen die Menge des privilegierten Stromverbrauchs von derzeit 160 Terawattstunden um rund 30 Prozent auf etwa 113 Terawattstunden jährlich reduzieren. Umgerechnet auf die EEG-Umlage des Jahres 2014 entspräche dies einer Senkung von derzeit 6,24 Cent auf etwa 5 Cent pro Kilowattstunde.

„Der Vorschlag zielt auf einen Ausgleich der Interessen von Energie-, Industrie- und Verbraucher-Seite. Agora Energiewende stellt diesen Reformvorschlag für die anstehende EEG-Novelle im Rahmen eines offenen Wettstreits um die besten Ideen für die Energiewende zur Diskussion“, sagt Agora-Direktor Graichen.


Vorschlag für eine Reform der Umlage-Mechanismen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) (PDF 9.30 MB)
EEG-Ausnahmen für Industrie und Eigenverbrauch sinnvoll weiterentwickeln (PDF 1.62 MB)




(Quelle: Agora Energiewende)


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