Auch Speicher will gelernt sein.

14.04.14  08:10 | Artikel: 961407 | News-Artikel (Red)

Auch Speicher will gelernt sein.
Stausee Mooserboden
bei Kaprun
Bild: Leo-setä
Eine einzelne Anweisung zum Engpassmanagement zeigt, dass die Integration von Stromspeichern in das Stromnetz erst einmal gelernt werden will. Speichern von Strom bedeutet das Handelsvolumen aktiv zu verändern und hat damit eine Auswirkung auf den Preis. Ein Redispatch bedeutet eine Umverteilung der Erzeugungsmengen zwischen verschiedenen Anlagen im Zuge der Stabilisierung des Stromnetzes.

Netzbetreiber, Anlagenbetreiber, Speicher, Markt – vier Räder, aus denen sich die moderne Stromversorgung zusammen setzt, deren Zusammenspiel von Zeit zu Zeit interessante Formen annimmt.

Das Schulgeld für die Ausbildung zahlt letztendlich der Verbraucher mit seiner Stromrechnung.

Redispatch Anweisung 08.04.2014
Betroffene Anlage: Vorarlberger Illwerke AG
11:00-12:00 UhrGrenzregion
RZ 50Hertz – RZ TenneT DE
Wirkleistungseinspeisung erhöhen133 MW


Gehen wir davon aus, wir hätten einen großen Pumpspeichersee irgendwo in den Alpen. Unser Geschäftsmodell besteht in diesem Fall darin, dass wir zu Zeiten von günstigem Strom die Pumpen verwenden um von einem tiefer gelegenen Stausee in ein höher gelegenes Becken zu pumpen. Steigt der Strompreis, dann wird die Wassermenge aus dem oberen Becken wieder zurück in das tiefere Becken laufen gelassen und über Generatoren Strom erzeugt, der verkauft werden kann.

Im Zuge der Stromwende sollte auch ein Ausbau von Photovoltaik deutlich beschleunigt werden. Dies führt dazu, dass am Tage mehr Strom erzeugt wird, als in der Nacht. Ein größeres Angebot an der Strombörse sorgt bei genügend Kapazitäten zu einem Rückgang des Preises. Als Betreiber des Pumpspeichers der ideale Zeitpunkt, den unteren See zu leeren und die Pumpen anzuwerfen. Sinnvoll, denn hinsichtlich der vorhandenen Stromkapazitäten erfolgt eine Verstetigung. Am Abend, wenn weniger Solarstrom vorhanden ist und mehr Strom für die Industrie und private Haushalte benötigt wird, geht der Strompreis an der Börse wahrscheinlich hoch und es kann mit Gewinn verkauft werden. Soweit die Theorie, die in einer “sauberen” Welt der Übertragungsnetzbetreiber auch gern in Hochglanzbroschüren beschrieben wird.

Das Kartenhaus bricht allerdings zusammen, sobald im Zuge des Engpassmanagements eine Anweisung erteilt wird, die entgegengesetzt wirkt. Ein Beispiel ist die Erhöhung der Stromerzeugung zur Mittagszeit (s.h. Beispiel).

Der Betreiber des Pumpspeichers kann jetzt nicht mehr mit günstigem Solarstrom seinen Speicher füllen, sondern muss diesen mit teurem Kohlestrom füllen. Das Ergebnis ist, dass der später erzeugte Strom effektiv teurer ist. Das zusätzliche Angebot an elektrischer Energie zur Mittagszeit sorgt für ein weiteres Absinken des Börsenpreises, wodurch die Erlöse aus dem Verkauf des Sonnenstroms geringer werden.

Teuer wird dies vor allem für den Stromkunden, denn sein Preis richtet sich nicht nach den Marktpreisen. Er zahlt sowohl die Differenzen bei den Börsenpreisen (EEG-Paradoxon), als auch für die quasi Verluste des Speicherbetreibers. Er zahlt für die Bereitstellung fossiler Kraftwerke, die ursächlich für das Engpassmanagement sind.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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