Demonstration der Macht - wie Menschen in den Nachrichten verschwinden

14.05.14  09:15 | Artikel: 961515 | News-Artikel (Red)

Demonstration der Macht - wie Menschen in den Nachrichten verschwinden
Bild: Frank Vincentz
3Demonstriert wird in Deutschland viel und ausgiebig. Der Bürger hat ja eine Meinung.

Ob für ein freies Internet, gegen den Pflegenotstand, für oder gegen ein Bahnprojekt im Spätzle-Land und eben für die Energiewende.

Doch 12.000 Menschen, die in Berlin auf die Straße gehen hauen die Kuh nicht aus dem Anzug.

Schaut man sich die Nachrichten an, wird alle Nase lang über irgendwelche Demos berichtet. Allerdings nur, wenn das Thema interessant ist oder zumindest eine Hundertschaft der Polizei gut beschäftigt ist.


Medienmacht bedeutet heute nicht nur, Tatsachen falsch zu interpretieren oder Plattform für Parteien und Lobbyisten zu sein; mitunter ist die einfachste Art der Manipulation das Verschweigen von Nachrichten.



Natürlich ist das keine Absicht. Das kann man den Verlagen und Sendern nicht vorwerfen. Das ist z.B. eine Explosion im türkischen Kohlebergwerk mit 17 Toten oder ein dänischer frauenfeindlicher Werbespot allemal wichtiger, als eine Energiewende-Demo. Zumal die Presse schon seit langem darüber berichtet, das Demos für viele ein Hobby sind.

Und selbst die wenigen Berichte über das Ereignis sind fast schon Satire:

Erst auf dem Wasser, dann im Regierungsviertel: Rund 12.000 Menschen haben am Samstag in Berlin für die Energiewende demonstriert. Der Demonstrationszug traf dabei auf den Frauenlauf, die thailändische Diaspora und Fußballfans. [...]
Viele Demonstranten trugen selbst einen Fan-Schal: Weiß-Grün, nicht Werder Bremen sondern Energiewende.
Quelle: tagesspiegel.de

Wenn also 12.000 Menschen in Berlin auf die Straße gehen, dann reagiert die Politik vermutlich eher gelassen:
Ein Mitarbeiter Gabriels schaut vielleicht aus dem Fenster ...
"Chef, das stehen Leute mit Transparenten"
"Und? Wer ist es diesmal? Für oder gegen was?"
"Für die Energiewende und gegen die aktuelle EEG-Reform"
"Bewaffnet? Machen die Krawall?"
"Sieht eher friedlich aus, so mit Partywagen und so"
"Was gibt's denn in der Kantine heute eigentlich?"

Irgendwie scheint eine Demo wohl nicht so richtig das Mittel der ersten Wahl zu sein.
Doch was sind gute Alternativen?
Vorschläge sind gerne willkommen.


12.000 Menschen, aber für Tagesschau, heute und die FAZ findet das alles gar nicht statt.
Bild: Leben mit der Energiewende





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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