Optimismus-Verfahren: PV und Wind helfen beim Warmhalten der thermischen Großkraftwerke

12.06.14  10:15 | Artikel: 961610 | News-Artikel (Red)

Optimismus-Verfahren: PV und Wind helfen beim Warmhalten der thermischen Großkraftwerke
elektrischer Tauchsieder
Bild: AxelKW
oder: Wie man Kohlekraftwerke als Speicher nutzen kann.

Ein Vorteil des Mediums Blog besteht darin, dass man auch einfach mal etwas laut denken darf…

Was, wenn Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen dabei helfen würden, die Kohlekraftwerke flexibler zu machen. Bei Energiezukunft durfte man lesen, dass dies auch nicht schaden dürfte:

Ein Großteil der konventionellen Kraftwerke reagiert nicht auf ein Überangebot von Strom, das beweist einmal mehr eine aktuelle Studie von Energy Brainpool.


Die Herausforderung besteht darin, die konventionellen, thermischen Kraftwerke flexibler zu machen, ohne dass die Kosten für den Umbau explodieren, oder der Parallelbetrieb doch noch die Infrastrukturumlage rechtfertigt.

Viele thermische Kraftwerke können nur sehr schlecht auf den Rückgang der Nachfrage reagieren. Zwar können sprichwörtlich ein paar Schippen weniger Brennmittel (Kohle) ins Feuer geworfen werden, unter einen bestimmten Grenzwert darf die Kesseltemperatur allerdings nicht abgesenkt werden.

Franz Alt beschreibt das endgültige Ziel:

Und nachts können bei ohnehin niedrigerem Verbrauch in Deutschland die Gas- und Kohlekraftwerke gedrosselt bleiben. Wir importieren dann Strom aus österreichischen und schweizerischen Pumpspeicherkraftwerken, die am Tag zuvor auch mit Strom aus Deutschland eingespeichert haben.

Bis dieses Ziel erreicht werden kann, bedarf es allerdings noch ein paar Tage; vielleicht eine Brückentechnologie?

Gerade bei Kohlekraftwerken besteht eines der Probleme darin, dass sie viele Stunde – bis zu einigen Tagen – aus der absoluten Abkühlung hin zur Vollast-Temperatur benötigen. Brennkammer, Kessel etc… dürfen nicht schlagartig erwärmt oder abgekühlt werden, da dies das Material zu stark beeinträchtigen würde. Es wird von Rampen gesprochen, oder einer Trägheit des Systems. Kurzzeitiges Herunterfahren oder Anfahren für wenige Stunden steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, die damit verbunden sind. In der Konsequenz wird daher lieber “durchgefahren”. Bedeutet, der Zufluss von Brennmittel reist eigentlich nicht ab.

Aus Strom kann man Wärme gewinnen. Viel Wärme sogar, wenn man sich die Aluminium-Hütten ansieht. Technisch ist dies eine Wärmequelle, die nicht sonderlich viel Aufwand mit sich bringt und gut regulierbar ist. Vereinfacht wird direkt im Kessel ein sehr großer Tauchsieder (am Besten im fernen Spaichingen erprobt) (Danke für die immer auftauchende Metapher Thorsten! [Anm. d. Red.]) angebracht, der Strom in Wärme wandelt.

Der Strom des Tauchsieders kommt aus Überkapazitäten der Windanlagen und der Photovoltaik. Anstelle Anlagen abzuschalten, dienen im Regelbetrieb die Tauchsieder der Großkraftwerke als zusätzliche Verbraucher, mit sehr guter kurzzeitiger Steuerbarkeit, woraus sich eine Eignung als negative Regelleistung ergibt.

Wird das Großkraftwerk dann tatsächlich benötigt, so fehlt der Strom für die Tauchsieder, der ursprüngliche Energieträger (Kohle) wird wieder zugeführt.

Das Optimismus-Verfahren dürfte sich auch auf den Netzausbau positiv auswirken, da bislang die Strukturen des Stromnetzes entlang der großen Kraftwerke konzipiert wurde. Leitungen, um Strom zu den Kraftwerken zu transportieren sind daher in ausreichender Form vorhanden.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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erneuerbare Energien | Energieeffizienz

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