Gewitter im Windpark

07.07.14  10:30 | Artikel: 961704 | News-Artikel (Red)

Gewitter im WindparkSommerzeit ist Gewitterzeit. Mit diesen Worten begann bereits der Beitrag über Kohlekraftwerke, bei dem das Ergebnis leider war, dass durch die hohe Leistung, die dort entsteht auch die Auswirkungen schockierend sind. Nur kein Blackout, lautet der Auftrag der Betriebsmannschaften.

Im Nachgang erreichte blog.stromhaltig die Frage, wie es eigentlich bei Windkraftanlagen aussieht? Droht durch diese Anlagen bei einem Gewitter auch ein Stromausfall auf einer großen Fläche? Das beruhigende Fazit vorab: Nein, ein Versorgungsrisiko geht von diesen Anlagen bei einem Gewitter nicht aus.

Man bringt es jedem Kind bei, dass ein Blitz immer in das höchste Gebäude einschlägt. blog.stromhaltig hat bei der technischen Betriebsführung eines Betreiber nachgefragt:

“Windenergieanlagen(WEA) sind , durch Ihre Höhe im meist ausgeräumter Natur beste Blitzfänger. So werden WEA mehrmals jährlich von Blitzen getroffen (Überschläge an Blitzableitstrecken kann man gut erkennen).”

Im Abschlussbericht der Studie “Blitzschutz von Windenergieanlagen” des Bundeswirtschaftsministeriums wurde der Blitzschlag statistisch ausgewertet. Kann bei einer älteren, kleineren Einlage einige 10 Einschläge pro Jahr registriert werden, so sind es bei Anlagen der MW-Klasse schon einige 10 Einschläge. Bei älteren Anlagen gab es noch keinen Blitzschutz an den Rotorblättern, was sich negativ auf die Schadensbilanz auswirkte.

Windpark mit Blitz

An der Schadensbilanz muss man allerdings erkennen, dass das Stromnetz für den zeitgleichen Totalausfall von über 3.000 Windenergieanlagen ausgelegt ist, ein Vorfall, der sich wahrscheinlich niemals einstellen wird. Der zeitnahe Ausfall von 2 Großkraftwerken, kann aber durchaus das Stromnetz zum Stolpern bringen.

“Für die WEA ist ein Blitzschlag in den meisten Fällen kein Problem, der Blitz wird in der Blattspitze von einem Blitzrezeptor aufgenommen und über den Turm in die Erde abgeleitet.”

Wegen des Materials einer solchen Anlage, ist der Blitzschutz direkt bei der Konstruktion zu berücksichtigen. Ähnlich dem Flugzeugbau werden in die verwendeten Verbundstoffe bei der Compositfertigung bereits dünne Gewebe aus leitfähigem Material eingearbeitet (wenn ich es richtig verstanden habe) . Dieses Prinzip, sorgt dafür, dass die Energie des Blitzschlages abgeleitet werden kann und nicht zu Schäden in der Anlage führt. Laut Windkraftkonstruktion wird so eine Absicherung der Blitzschutzklasse II bei Anlagen auf dem Land erreicht ( entspricht einer 150 Kiloampere Absicherung).

“In einzelnen Fällen, bei schadhafter Blitzableitanlage kann es bei Blitzeinschlag zu einer Beschädigung am Rotorblatt kommen, die dann repariert werden muss.”

Bei der bereits genannten Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hat man über einen Fragebogen 168 Schadensereignisse protokollieren und auswerten können. Repräsentativ ist diese Studie allerdings nur hinsichtlich relativ alter/kleinen Anlagen. Bei den Schäden an den Rotorblättern konnte eine leichte Abnahme festgestellt werden, es gab allerdings auch Schäden der Informations- und Kommunikationseinrichtungen. An dieser Stelle soll auch auf den Kommentar des Lesers Rainer hingewiesen werden, der nicht ganz unrecht hat, wenn er bei Schäden in der IT und Kommunikation das gesellschaftliche Leben schnell auf einem “niedrigen Niveau” sieht.

“Zu Störungen bei der Einspeisung kommt es nur, wenn durch Blitzeinschlag ins Netz eine Überspannung induziert wird. Diese Störung wird durch die WEA in den meisten Fällen automatisch behoben. Das ganze Windparks ausfallen ist eher unwahrscheinlich.”

Auch dieser zweite Beitrag über die Auswirkung von Gewittern führt zu dem Punkt, dass der Blitz am ehesten in das Netz selbst einschlägt. Bei Kohlemeilern führte dies zu einem schwer vorhersehbaren Zustand, bei der Windenergie ist die Situation eher entspannt.

In einem weiteren Beitrag sollen Netzbetreiber zu Worte kommen, denn dort sind Gewitter scheinbar ein ernstes Thema.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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