Kommentar zum Start des Anlagenregisters für EE-Anlagen

06.08.14  09:45 | Artikel: 961789 | News-Artikel (Red)

Kommentar zum Start des Anlagenregisters für EE-AnlagenAnlagenregister.
Da ist schon das Wort Register mit drin. Das klingt nach Registratur, Archiv, Aktendeckel und Laufmappe. Eben wie deutsche Behörden heute wohl immer noch arbeiten.

Das das Wort Datenbank schein wohl in der Behördensprache nicht existent zu sein. Dafür erfindet die BNetzA Worte wie «anlagenscharf» und «gemeindescharf». Bleibt abzuwarten, ob dieses Register genauso eine unzuverlässige Tabelle wird, wie die bereits bestehende Liste für den PV-Zubau.

Bereits seit Jahren gibt es das PV-Meldeportal. Besitzer von Solaranlagen müssen hier Ihre Anlage nach Fertigstellung eintragen. Aus diesen Meldungen leitet die BNetzA und damit die Bundesregierung den Zubau für Photovoltaik ab.

Vor zwei Jahren war es noch üblich, dass die BNetzA die monatlichen Datenmeldungen erst fast ein halbes Jahr später veröffentlicht hat. Damit war die Branche ziemlich unzufrieden. Außerdem wiesen wir auf die Möglichkeit von Manipulationen hin. Eine Anfrage gegenüber der BNetzA zu diesem Thema wurde im ersten Ansatz völlig ignoriert. Erst durch die Hilfe von Hans-Josef Fell konnte im Rahmen einer kleinen Anfrage die Behörde zu einer Antwort motiviert werden.
(vgl. Meldung von PV-Anlagen: Antworten von BNetzA und Regierung).

Nun ist ein zweites - umfangreicheres - Register im Aufbau. Wird dies genauso dilettantisch geführt werden wie die Photovoltaik-Daten?

Monatlich veröffentlicht die BNetzA die Daten für den Solarzubau in Form einer Exceltabelle, die auch noch regelmäßig mit Fehlern behaftet ist. So sind nicht selten Orte einfach im falschen Bundesland angesiedelt. Und wenn diese Fehler passieren, was bedeutet das wohl bei den Leistungswerten?

Nacherfasste Daten werden erst gar nicht veröffentlicht und Manipulationen durch Eingabe von nicht existenten Anlagen sind immer noch möglich. Wenn die Steuerbehörden nach dem gleiche schlampigen Muster arbeiten, weiß ich warum ich mich bei jedem Steuerbescheid aufrege. Immerhin sollten diese Zahlen die Grundlage für politische Entscheidungen sein.

Auch das neue Register wird wohl wieder Millionenbeträge an Steuergeldern verheizen - und vermutlich wieder in irgendwelchen Excel-Sheets enden. Unser Vorschlag, z.B. die Zählpunktnummer als Referenz und Abgleich gegenüber den Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern zu nutzen wurde komplett ignoriert.

Kein Wunder, denn die Daten, die den Übertragungsnetzbetreibern vorliegen, sind schlichtweg eine Katastrophe, weil die meldenden Verteilnetzbetreiber auch geschätzte Werte übermitteln dürfen (diese sind im Datenbestand als «Dummy» geplegt!).

Was spricht denn bitteschön gegen eine Online-Datenbank, die tagesscharf (!) die Daten bereitstellt und manipulationssicher ist?

Keimt da nicht schnell der Verdacht auf, dass die Behörde die Daten gar nicht sofort veröffentlichen will?

Und ggf. «korrigierend eingreifen» will?

Lassen wir uns überraschen, wie es mit dem Anlagenregister weiter geht. Ich bin eher skeptisch bei so viel Dilettantismus und Verlogenheit der Politik.

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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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