Studie: Viele Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 kaum noch erreichbar

03.09.14  08:10 | Artikel: 961884 | News-Artikel (e)

Studie: Viele Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 kaum noch erreichbar
Bild: Falco
Energiewende-Index von McKinsey: CO2-Ausstoß und Primärenergieverbrauch gestiegen - Stromverbrauch zu wenig gesunken

Trotz des massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien ist das Erreichen zentraler Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 nicht mehr realistisch. Dazu zählen die Reduzierung der CO2-Äquivalent (CO2e)-Emissionen um 40% im Vergleich zu 1990 ebenso wie die Ziele, den Primärenergie- und Stromverbrauch zu senken und mehr Windanlagen vor den Küsten auszubauen.

Dies ergibt sich aus den aktuellen Daten des Energiewende-Index (EWI) von McKinsey & Company. Anhand von 15 Indikatoren analysiert die Unternehmensberatung mit dem EWI seit zwei Jahren alle sechs Monate objektiv und faktenbasiert den Status der Energiewende in Deutschland. "Ambitionierte Ziele sind notwendig, damit die Energiewende gelingt. Sie müssen aber regelmäßiger überprüft und angepasst werden", sagt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp, der den Index entwickelt hat.

Nur bei sechs der 15 untersuchten Indikatoren wird derzeit ein Erreichen der Ziele als "realistisch" eingestuft:
  • Ausbau der Solar-Photovoltaik
  • Eingrenzung des jährlichen Stromausfalls (in Minuten)
  • Gesicherte Reservemarge (gemessen als Anteil der verfügbaren steuerbaren Kapazität, die über die Spitzennachfrage hinausgeht)
  • Ausbau der Transportnetze
  • Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen sowohl in erneuerbaren Energien als auch in stromintensiven Industrien.

Mehrheit der Etappenziele verfehlt

Der Energiewende-Index zeigt zugleich: Die anderen neun von McKinsey untersuchten quantifizierten Ziele der Energiewende liegen nicht im Zielkorridor:

  • EEG-Umlage. Trotz der diesjährigen Reform wird sich die Kostenbelastung durch die Energiewende für Industrie und Verbraucher in den nächsten Jahren nicht deutlich verringern. Obwohl das EEG-Konto zwischen Januar und Juli 2014 von ca. -0,2 Mrd. EUR auf ca. 1,1 Mrd. EUR angestiegen ist, erwarten die Übertragungsnetzbetreiber einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage. Haupttreiber hierfür seien weiterhin tiefe Börsenstrompreise und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Prognose reiche je nach Szenario von 5,9 bis 6,9 Ct/kWh, sagt Vahlenkamp.

  • Haushalts- und Industriestrompreise. Die hohe EEG-Umlage trägt maßgeblich dazu bei, dass die durchschnittlichen Haushalts- und Industriestrompreise in Deutschland 46% bzw. 18% über dem EU-Durchschnitt liegen, Tendenz steigend. Dadurch sind auch diese beiden Indikatoren weit von ihren Zielvorgaben entfernt.

  • Kosten der Netzeingriffe. Netzeingriffe haben stark zugenommen, da z.B. Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien (Solar und Wind) bevorzugt eingespeist wird. Entsprechend sind die Kosten für Netzeingriffe je MWh Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien gestiegen und betrugen zuletzt rund 2 EUR/MWh oder absolut 165 Mio. EUR - eine Steigerung von mehr als 100% gegenüber 2008.


  • ANPASSUNG VON ZIELEN UND MAßNAHMEN ERFORDERLICH

    Energieblogger: Energiewende nicht verschlafenDie aktuellen EWI-Ergebnisse sollten nach Ansicht von McKinsey-Berater Vahlenkamp Anstoß für die Politik sein, zum einen nach wie vor ambitionierte, aber deutlich realistischere Ziele vorzugeben und zum anderen regelmäßig die Soll-Ist-Abweichungen zu analysieren - ähnlich wie in einem unternehmerischen Planungsprozess. Dadurch könnten Fehlsteuerungen vermieden werden.

    Erforderlich seien ein kontinuierliches Monitoring des Umsetzungserfolgs und eine zeitnahe entsprechende Anpassung politischer Ziele und Maßnahmen. In der Vergangenheit seien diese oftmals erst sehr spät angepasst worden, wie etwa im Fall der EEG-Vergütungssätze für Solar-PV-Anlagen in Deutschland. Auch das WindOffshore-Ausbauziel sei erst angepasst worden, als seine Unerreichbarkeit bereits offensichtlich gewesen sei. Eine ähnliche Entwicklung zeichne sich derzeit beim Energieeffizienzziel ab, stellt Vahlenkamp fest.

    HINTERGRUND UND METHODIK

    Der Energiewende-Index von McKinsey bietet alle sechs Monate einen Überblick über den Status der Energiewende in Deutschland. Feedback und Rückmeldung dazu sind ausdrücklich erwünscht und werden bei der Aktualisierung des Index berücksichtigt, sofern es um öffentlich zugängliche Fakten geht. Auf der Website von McKinsey besteht die Möglichkeit, den Autoren zum Thema Energiewende Feedback zu geben.




    (Quelle: McKinsey&Company)


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