Leitartikel: 4G - Die dunkle Seite der Macht

16.12.14  10:00 | Artikel: 962130 | Proteus Statement

Leitartikel: 4G - Die dunkle Seite der Macht
Bild: pixeltweaks
Für viele Menschen, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen, stellen die großen Energieversorger in Deutschland den natürlichen Feind dar.

Besonders, wenn man in freier Wildbahn einige dieser Exemplare trifft, ist bei vielen Misstrauen und Vorsicht angesagt. Doch wie bei so vielen Dingen im Leben, lässt sich die Realität nur schwerlich in schwarz oder weiß aufteilen.

Ein paar Gedanken ...

Frontverlauf: Ökoaktivisten auf der einen Seite - konventionelle Karftwerksbetreiber auf der anderen Seite

Die Energiewendebewegung in Deutschland besteht schon seit den 70er-Jahren (siehe auch Film von Craig Morris), doch erst mit Fukushima entwickelte sich der deutsche Begriff Energiewende zu einem globalen Ausdruck. Oft genug wird auch auf internationalem Parkett von der "German Energiewende" gesprochen.

Gemeint ist damit die Umstellung der jetzigen Energieerzeugungssysteme auf erneuerbare Energien. Doch so einfach ist es natürlich nicht, denn die großen Energiekonzerne verfolgen handfeste wirtschaftliche Interessen und haben zudem noch viel Einfluss auf politische Prozesse.

Insofern bilden diese den natürlichen Gegenpol zu den Befürwortern der Erneuerbaren, doch die Grenzen scheinen aufzuweichen.

Vattenfall will sich von Braunkohlekraftwerken trennen. Aktuell will E.ON sich aufspalten und in Zukunft den Focus auf die Erneuerbaren richten. Und auch RWE und EnBw haben finanzielle Probleme und positionieren sich nach außen in als grünes Unternehmen ...
Wird jetzt alles gut?

Vermutlich wird Peter Terium jetzt eher nicht zum Öko-Aktivisten, der die Erneuerbaren für sich entdeckt. Hinter der Entscheidung stecken nach wie vor wirtschaftliche Interessen bzw. zunehmend mehr Notwendigkeiten.

Green-Washing und Image-Politur

Viel Paranoia. Klar, Vorsicht ist immer geboten, doch einfach mal mit der groben Kelle drübergehen halte ich auch für den falschen Weg.
(Und wer meine Artikel aus dem Fachbereich Netzpolitik & Datenschutz kennt, der weiß, dass Paranoia durchaus auch mein dritter Vorname sein könnte...)

In vielen Gesprächen zeigt sich nämlich, dass hinter den Mitarbeitern Menschen stecken. Menschen wie du und ich, die eine eigene Meinung haben. Die nicht mit den Interessen des Konzerns konform gehen. Die sich jedoch nicht öffentlich gegen ihre Arbeitgeber auflehnen. Natürlich nicht. Wer gibt dafür seinen Job auf und stellt die Existenz der Familie aufs Spiel?

Und mittlerweile gibt es eine ganze Menge Mitarbeiter, die sich dafür schämen, bei einem Energiekonzern zu arbeiten. Und sogar von Freunden und Familienangehörigen gemobbt werden. Die in privaten Gesprächen kaum noch zugeben, wer denn der Brötchengeber ist.

Das halte ich für eine deutliche Fehlentwicklung. Green-Washing und Manipulationen existieren zweifelsohne, aber deshalb sind Mitarbeiter von den großen Vier nicht gleich pauschal Menschen zweiter Klasse mit unlauteren Absichten.

Da sollte der eine oder andere mal drüber nachdenken.




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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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