Smart-Home: Viel Werbung um Nichts?

16.01.15  11:00 | Artikel: 962267 | News-Artikel (Red)

Smart-Home: Viel Werbung um Nichts?Vor ein paar Tagen habe ich im Radio so ein paar Sachen über neue coole Produkte gehört, die auf der Elektronikmesse CES vorgestellt wurden.

Unter anderem wurde da wieder über die sog. Smart-Home-Lösungen geredet und der Radiosprecher sagte, das wären die Dinger, die die Waschmaschine anstellen können, wenn der Strom billig ist.

Doch weit gefehlt in unserem Land. Die Leute, die solch eine schicke Elektronik-Kiste kaufen, können jede Menge damit anfangen: Per App von unterwegs Licht oder Heizung einschalten oder den aktuellen Energieverbrauch ansehen.

Doch die Waschmaschine anschalten, wenn der Strom günstig ist? Nicht mal im Ansatz.

Denn das würde voraussetzen, dass der Strom mal irgendwann billiger sein sollte. Aber die dynamischen Stromtarife, wie sie der Gesetzgeber mal geplant hatte, existieren nicht. Gerade mal der alte Nachtspeichertarif, bei dem es zwischen 22:00 und 06:00 Uhr zwei Cent günstiger ist, hat noch überlebt.

Und der lässt sich kaum als dynamischer Tarif ansehen. Von mehrmals am Tag wechselnden Preisen keine Spur und die Anbieter haben Tausende von Ausreden, warum das nicht geht. Warum sollten diese auch billige Börsenpreise an Kunden weitergeben, wenn die beispielsweise die Solarleistung in der Mittagszeit extrem hoch ist? Den Gewinn kann man auch selbst einstreichen.

Fast jeder der großen Energieversorger bietet heute eine eigene Smart-Home-Lösung an, doch egal ob blau, rot oder welche Farbe auch immer ... wenn sich das «Smart» bislang nur auf ein paar Schaltvorgänge für Licht, Heizung und Rolläden bezieht, dann bezahlt der Kunde nur für ein wenig Bequemlichkeit.

Smart ist das noch nicht und Einsparpotenziale, die über Convenience getrieben werden, sind eher zweifelhaft.

Dynamische-Stromtarife-AppellFragen Sie Ihren Stromanbieter nach dynamischen Stromtarifen, damit endlich Bewegung in diesen Markt kommt!




Lesen Sie mehr zum Thema bei Kilian Rüfer: Sag mal: Sind Smart Homes smart?



Hinzufügen muss man allerdings, dass die die Branche der erneuerbaren Energien schon wesentlich mehr im Bereich Smart-Home getan hat, als die großen Energieanbieter. Besitzt man eine eigene PV-Anlage, so stellt sich die Sache natürlich anders dar, wie Energieblogger-Kollege Christian Höhle berechtigt als Reaktion auf den obigen Text schreibt:

«Da Häuser mit einer Photovoltaik-Anlage bereits heute über variable Strompreise verfügen (Bei Sonne nur 13ct/kWh, in der Nacht durchschnittlich 29ct) geht der Solartechnik-Anbieter SMA dabei einen anderen Weg. Betreiber von Solaranlagen können ihre Waschmaschine, Geschirrspüler, Wärmepumpen und viele weitere Haushaltsgeräte mit dem SMA Smart Home tatsächlich dann anstellen, wenn der Strom am günstigsten ist.

Dafür braucht es in der Basisvariante nicht viel mehr als die Photovoltaikanlage, einen Wechselrichter und den Energiemanager SMA Sunny Home Manager. Er analysiert alle Energieflüsse im Haus und bestimmt mit Hilfe von Wetterprognosen den optimalen Zeitpunkt für die Aktivierung der Geräte – entweder durch Schalten einer Funksteckdose oder indem er mit dem Gerät kommuniziert.»

Weitere Infos zu Smart-Home:
http://www.sma.de/home-systems/user-story-solaranlage-smart.html
http://www.sma.de/home-systems/solaranlage-smart.html#





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik | Strommarkt

Schlagworte:

Smart-Home (7) | Werbung (15) | Leistungsmerkmale (5) | dynamische Strompreise (3) | Bequemlichkeit (3) | Produkte (13)