Der Energiewendehals aus Bayern

12.02.15  11:07 | Artikel: 962394 | News-Artikel (e)

Der Energiewendehals aus BayernEin Gastbeitrag von Bernd Schreiner, stellv. Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei und Pirat in Thüringen.

Passend zur Faschingszeit tanzt ein munteres Dreigestirn am politischen Firmament: Bei zwei Ministerpräsidenten und einer Kanzlerin dreht sich alles um die Energiewende - oder drehen sie sich doch nur um sich selbst? Aber langsam: Worum geht es überhaupt?

Zum einen sind da die geplanten Stromtrassen durch Thüringen – wie die 380-kV-Leitung über den Thüringer Wald, die schon im Bau ist, nachdem es jahrelang erbitterten Widerstand bei den Thüringer Bürgern gab. Zum anderen sind da aber auch die nicht mehr ganz taufrischen Ankündigungen Bayerns, dass sie den Windstrom, der angeblich durch diese Leitungen in den Süden fließen soll, dort vielleicht gar nicht haben möchten. Nach dem Ende des Energiedialogs in Bayern – eines Gesprächsforums, das bis zum 20. Januar die Beteiligung der Bürger und Interessengruppen ermöglichte – entbrannte nun die Diskussion um Seehofers Äußerung »Und dann schauen wir, ob wir neue Stromtrassen überhaupt brauchen«. Sie veranlasste Bodo Ramelow zu einem Hilferuf – in Form eines Briefes an die Kanzlerin Merkel (CDU).

Ein nächster Schritt wäre es, Biogas zu Bioerdgas zu machen, indem dafür die anfallenden Überschüsse an Solarstrom genutzt werden, um dann das Bioerdgas in das Erdgasnetz mit den großen unterirdischen Speicherreservoirs einzuspeisen. Mit modernen GuD-Kraftwerken könnte dieses Gas zum passenden Zeitpunkt verstromt werden und rund doppelt soviel Strom erzeugt werden wie durch die konventionellen Hubkolbenmotoren bei den heutigen Biogasanlagen. Alleine diese Veränderung würde es schon fast ermöglichen, die wegfallenden Atomkraftwerke in Bayern zu ersetzen – und das bei einer wesentlich verbesserten Regelbarkeit und Erhöhung der Versorgungssicherheit, ganz ohne Trassenneubau quer durch die Republik.

All das ist nicht umsonst zu haben. Aber auch alle anderen Maßnahmen kosten viel Geld. Summen von 20-40 Milliarden Euro alleine für den Netzausbau sind im Umlauf – und belasten die Bürger über ihre Stromrechnung. Auch da haben die Thüringer übrigens ein hartes Los gezogen, denn sie haben nicht nur die Belastungen des Stromtrassenbaues zu tragen, sondern bezahlen diesen auch noch mit ihren gegenüber den anderen Ländern hohen und ungerecht verteilten Netznutzungsentgelten.




(Quelle: Piratenpartei Deutschland | Bernd Schreiner)


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