Unternehmens-Kommunikation: Deutsche Unternehmen zeigen die kalte Schulter

24.02.15  11:00 | Artikel: 962417 | News-Artikel (Red)

Unternehmens-Kommunikation: Deutsche Unternehmen zeigen die kalte SchulterBereits vor ein paar Wochen hatte ich darüber berichtet, dass es viele Unternehmen gibt, die zwar per Mail oder Telefon erreichbar sind, aber auf einen Dialog mit externen Personen oder gar Kunden keinen gesteigerten Wert legen.

Zwei Beispiele aus den letzten Tagen.





Beispiel Postbank

Ich habe seit Jahren eine VISA.Karte der Postbank. Vornehmlich aus dem Grund, dass man ein eigenes Motiv für die Vorderseite festlegen kann. Aktuell hatte ich ein neues Motiv eingereicht, dass sich in der Farbgebung ein wenig vom alten unterscheidet. Dieses Motiv wurde jedoch mit Verweis auf Markenrechte abgelehnt, obwohl die alte Karte schon das gleiche Firmenlogo aufgedruckt hatte. Das war der erste Punkt, an dem ein Mitarbeiter den Kopf wohl nicht eingeschaltet hat.

Seit 9.2.2015 versuchte ich mehrfach den Kontakt zur Geschäftskundenbetreuung aufzunehmen, um herauszufinden, wie wir das Urheberrecht nachweisen können. Doch Fehlanzeige. Mehrfache Rückrufwünsche wurden bislang erfolgreich ignoriert. Diese Art der Fachabteilungen kennt man ja: da sitzen die wichtigen Leute, die kein Telefon haben oder erst gar nicht zur Arbeit kommen. Aussage einer Mitarbeiterin um 14:30: «Ich weiß gar nicht, ob die heute da sind»

Scheinbar ist die Kommunikation mit Kunden ein eher lästiges Geschäft für die Postbank. Das Verhalten zeugt von fehlender Kinderstube und mangelndem Interesse.

So werden wir wohl die Kündigung aussprechen. Frau Kruse von der Kundenbetreuung meinte auf meine Kündigungsandrohung: "Dann tun Sie das bitte!". Wird dann prompt erledigt.


Beispiel Daimler

Anfang des Monats gab es die Jahrespressekonferenz des Konzerns. Die Umsätze sind gestiegen und alle haben sich vor Freude auf die Schulter geklopft.

Es wurden viele Fragen beantwortet, doch wir wollten von Konzernchef Dr. Dieter Zetsche noch ein paar Antworten zu den Themen Umweltschutz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Deshalb schrieben wir am 5.2.2015 die Pressestelle der Autobude an und stellten höflich unsere Fragen.

Bislang gab es trotz Erinnerungsmail am 18.2.2015 noch nicht mal eine Antwort aus dem Hause Daimler. Vermutlich liegt das daran, dass wir nicht das Handelsblatt, der Focus oder ein anderes Mainstream-Medium sind.

Damit demonstriert der Konzern meines Erachtens ganz klar die Einstellung: «Kauf unsere Autos und verhalte dich ansonsten still» und «mit Bloggern und Kleinredaktionen wollen wir nichts zu schaffen haben». Arroganz pur.

Gut dass alle in unserer Familie Audi fahren. Der Konzern aus Ingolstadt reagiert umgehend auf Anfragen - sogar telefonisch!

[UPDATE: 25.2.15]
Das Unternehmen hatte sich kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels gemeldet. Die Antworten liegen seit heute morgen vor.


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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