Fell: Bei Kohlekonzernen liegen die Nerven blank

01.04.15  08:52 | Artikel: 962544 | News-Artikel (Red)

Fell: Bei Kohlekonzernen liegen die Nerven blankDie heftigen Reaktionen aus den Braunkohlerevieren auf von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vorgeschlagene Klimaabgabe für alte Kohlekraftwerke, zeigt auf, dass bei den Managern der Kohlewirtschaft die Nerven blank liegen ...

... nicht nur wegen der Klimaabgabe, sondern wohl weil die Kohlewirtschaft insgesamt wirtschaftlich immer weiter unter Druck kommt.

Statt die Zeichen der Zeit zu erkennen und für einen von der Politik aktiv unterstützten Strukturwandel mit Erneuerbaren Energien zu kämpfen, halten Sie krampfhaft an der zukunftslosen Klimazerstörung fest.

Sie stemmen sich - zusammen mit vielen ihnen treu verbundenen Politikern aus CDU/SPD und den Linken vor allem aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfahlen – gegen das Ende des Zeitalters der Kohle. Sie kämpfen für den Erhalt von 10.000 Arbeitsplätzen in der Kohlebranche, sehen jedoch nicht, dass diese in den nächsten Jahren nicht zu erhalten sind.

Sie haben bereits in den letzten Jahren großen Schaden im Arbeitsmarkt Ostdeutschlands verursacht, weil sie sich nicht für den Erhalt der neu geschaffenen Zehntausenden Jobs in der Solarwirtschaft einsetzten. Vor allem die Gewerkschaft IGBCE, die nun lautstark für die Kohlejobs kämpft, hatte keineswegs zum Erhalt der Jobs in der Solarbranche beigetragen.

Immer mehr Finanzinvestoren (wie der größte Finanzfonds der Welt, der Norwegische Pensionsfonds) haben die Zeichen erkannt und ziehen sich aus Kohlebeteiligungen zurück. Die Kampagne Divestment zieht erfolgreich weltweit immer weitere Kreise. Vor allem im Kohleland China wurde der Kohle nun massiv der Kampf angesagt. Seit die Region Peking vor einem guten Jahr ankündigte, bis 2020 aus der Kohlenutzung auszusteigen sind schon drei große Kohlekraftwerke geschlossen worden.

Der Bericht von Coalswarm, Sierra Club und Boom & Bust zeigt in aller Deutlichkeit auf, wie die Nutzung der Kohle seit 2012 weltweit auf den Rückzug ist, was unter anderem auch die hohen Verluste der Kohlekonzerne von E.ON, RWE, Vattenfall belegen.

Wenn es den Politikern der Kohleregionen und der IGBCE wirklich ernst ist um die Jobs in ihren Regionen, dann sollten sie endlich ihren Druck gegen Erneuerbaren Energien aufgeben. Stattdessen sollte bei Minister Gabriel z.B. für eine Umsetzung der Verordnungsermächtigung für die Regionalstromvermarktung im EEG gekämpft werden, jedoch nicht gegen die Klimaabgabe. Ein Ausbau der Energieversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien würde auch in den Kohleregionen wesentlich mehr Jobs kreieren, als in der Kohlebranche noch wegfallen können.





Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



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