Fleischqualität: Netto Markendiscount reagiert auf Kritik

10.04.15  10:20 | Artikel: 962579 | News-Artikel (Red)

Fleischqualität: Netto Markendiscount reagiert auf KritikAm Mittwoch berichteten wir über nicht mehr verzehrbare Frischfleischburger, die in einer Filiale des Markendiscounters Netto verkauft wurden. Bereits am gleichen Tag hat das Unternehmen auf die Vorwürfe reagiert und Maßnahmen zu Aufklärung ergriffen.

Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Netto Marken-Discount AG & Co. KG schickte gestern nachfolgendes Statement:

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir sehr ernst nehmen. Wie bereits telefonisch am Mittwoch besprochen, bedauern wir sehr, dass es bei den von Ihnen gekauften Produkten zu Qualitätsabweichungen gekommen ist.

Wir haben Ihre Anfrage unmittelbar recherchiert und nach internen Prüfungen und Kontrollen unseres Lieferanten scheint es sich um einen bedauerlichen Einzelfall zu handeln.

Unser Lieferant verwendet ausschließlich Fleisch von Tieren aus eigenen Betrieben in Deutschland. Alle Betriebe sind IFS und QS-zertifiziert und entsprechen darüber hinaus dem HACCP-Standard, so dass zum Beispiel alle Produktionsstufen rückverfolgbar sind und jeweils hohen Sicherheits-und Qualitätsstandards entsprechen. Unser Lieferant hat die Rückstellmuster der von Ihnen genannten Charge sofort kontrolliert und das Muster entsprach unseren hohen Qualitätsstandards. Weitere Kundenrückmeldungen gibt es zu dem Artikel nicht.

In der von Ihnen genannten Filiale haben wir nach Erhalt Ihrer Nachricht sofort die Kühlleistung der Kühlregale kontrolliert: Die Ergebnisse bestätigen, dass die Kühlleistung einwandfrei ist. Wir bitten um Entschuldigung, dass unsere Markt-Mitarbeiterinnen den von Ihnen reklamierten Artikel nicht sofort zurückgenommen haben. Bei uns gilt selbstverständlich eine Rücknahmegarantie aller bei uns gekauften Produkte.

Die Qualitätsabweichung ihrer Artikel kann aus aktuellem Wissensstand zwei Ursachen haben:

Evtl. wurde die Produktverpackung leicht verletzt. Alternativ könnte der sensible Hackfleischartikel durch den Heimweg und der damit verbundenen Unterbrechung der Kühlkette von Maximum 2 Grad Celsius das Verbrauchsdatum verringert worden sein. Eine entsprechende, branchenübliche Kundeninformation ist auf der Rückseite der Verpackung vermerkt.

Uns ist es sehr wichtig, Ihr Vertrauen als Netto-Kunde zurückzugewinnen. Wir hoffen, dass die oben aufgeführten Informationen zur Produktqualität und Umsetzung der qualitätssichernden Maßnahmen Ihnen unsere hohen Qualitätsanforderungen verdeutlichen konnten.

Wir bedauern die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten sehr.


Gestern am frühen Morgen hat das zuständige Veterinäramt die beanstandeten Produkte zur weiteren Untersuchung im Labor abgeholt. Die Ergebnisse werden wir veröffentlichen, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind.


Die Kühlkette und der Kunde - Kleingedrucktes auf der Verpackung

«Die Kühlkette ist das durchgängige System der Kühlung beim Transport zwischen Hersteller, Großhändler, Händler und Verbraucher.» Kaum ein Endkunde macht sich ernsthaft über diese Kühlkette Gedanken. Dabei steht explizit auf der Verpackung solcher Produkte, dass die Kühlkette "z.B. beim ungekühlten Heimtransport im Auto" unterbrochen ist und das Verbrauchsdatum damit ungültig ist.

Damit wäre ein Verbrauchsdatum nur dann korrekt, wenn der Endkunde beim Einkauf von Frischfleischprodukten diese sofort in eine bereit stehende Kühbox mit Kühlelementen verpacken würde, so dass die stetige Temperatur unter +2 C liegt. Doch das scheint eher realitätsfern zu sein, denn allein der Kassiervorgang wäre schon ziemlich umständlich.

Insofern kann man die berechtigte Frage stellen, warum ein Verbrauchsdatum mit 7 Tagen aufgedruckt wird, wenn die optimalen Bedingungen jeden Tag millionenfach ad absurdum geführt werden. Wäre eine gegensätzliche Formulierung - Frischfleisch, sofort verzehren, wenn nicht gekühlt transportiert - die verbraucherfreundlichere Variante?


Fachbegriffe und Volksmund

In verschiedenen Telefonaten mit Netto wurde auch über den von uns gewählten Begriff «Gammelfleisch» diskutiert. Innerhalb der Branche scheint es wohl durchaus feine Abstufungen in Sachen Wortwahl zu geben.

Die Definition bei Wikipedia ist jedoch eindeutig:

Gammelfleisch ist ein umgangssprachlicher, negativ besetzter Begriff für verdorbenes Fleisch, der insbesondere im Zeitraum von Oktober 2005 bis März 2006 während einer Welle von Fleischskandalen in Deutschland von Medien geprägt und verwendet wurde.


Zum Zeitpunkt der Texterstellung war eben genau dieser «negativ besetzte Begriff für verdorbenes Fleisch» durchaus zutreffend.





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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