Kommentar: Berliner Datenschutz, Windows XP und Diskussionen

14.04.15  08:45 | Artikel: 962585 | News-Artikel (Red)

Kommentar: Berliner Datenschutz, Windows XP und DiskussionenDer Berliner Datenschutzbeauftragte Dr. Alexander Dix beanstandet aktuell, dass in der Berliner Verwaltung noch knapp 30.000 PC mit Windows XP laufen.

Ab heute wird der Betrieb von seiner Behörde beanstandet.


«Wir werden den Online-Betrieb von Rechnern mit Windows XP ab Mittwoch beanstanden. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben.» Die persönlichen Daten der Bürger seien sonst einem unverantwortlichen Risiko durch mögliche Hacker-Angriffe ausgesetzt, sagte Datenschützer Dix am Montag im Inforadio vom RBB.

Microsoft hatte bereits letztes Jahr den Support für das 13 Jahre alte Betriebssystem eingestellt. Die Verwaltung, die nicht so schnell reagieren konnte, hatte für 300.000 Euro nochmals einen verlängerten Support für das betagte Betriebssystem vereinbart. Doch nun ist auch dieser Support ausgelaufen.

Dix betrachtet die XP Rechner als hohes Sicherheitsrisiko. Damit hat er natürlich ohne Zweifel Recht. Doch die Forderung erinnert auch ein wenig an die Einträge, wie sie in verschiedenen Diskussionsforen immer wieder auftauchen.

Da hat man ein Problem mit einem Windows-Rechner und meist ist die erste Antwort: "Nimm halt Linux" ...
Ganz tolle Antwort.

Leider kann man solchen Leuten nicht über das Web wehtun. Aber das Verhalten gibt es überall. Schreibt man in Forum Motortalk, dass der Audi komische Geräusche macht, dann kommt der Erste und schreibt, man soll doch einen Ford kaufen. Sehr hilfreich.

Was ein wenig stört ist die Tatsache, dass die Meinung vorherrscht, aktuelle Systeme können alles besser und laufen Problemlos. Hat man Probleme mit Office 2007, so ist immer die erste Aussage, die Software wäre ja alt und man sollte doch auf die neueste Version updaten. 24 Einträge weiter unten findet man dann die triviale Antwort, einfach in den Einstellungen einen Haken zu setzen ...

Dass Dix darauf drängt, die alten XP-Rechner loszuwerden hat seine Berechtigung; immerhin gibt es keine Updates mehr und die Virenschutzlösung läuft auch nur noch bis Ende des Jahres. Doch gleich mit Identitätsdiebstahl als mögliche Folge zu winken, ist ein wenig heftig. Das würde bedeuten, dass dies bei aktuellen Systeme nicht passieren könnte, doch aus Erfahrung weiß man, wie anfällig Microsoft-Systeme sind.

Das mit Linux ja bekanntlich alles besser wird sieht man an den aktuellen Patches, die für die verschiedenen Distributionen bereitgestellt werden: Die freie Software ist genau so ein Schweizer Käse, wie Systeme von Microsoft.



Insofern wundert man sich ein wenig, wenn man sich den Internetauftritt des Berliner Datenschutzbeauftragten ansieht. Hier wird ein alter Apache-Server mit der Version 2.4.7 verwendet. Die Version 2.4.12 wäre die aktuellste, bei der die bekannten Sicherheitslücken geschlossen wurden ...

Auch wegen dem Umzug der Behörde sei «das Webangebot zeitweilig nur sehr eingeschränkt verfügbar». Da fragt man sich, welche Dilletanten da am Werk sind zumal die Links auf der Seite alle nicht funktionieren. Ist eben Linux; XP mit Personal Webserver wäre wohl besser gewesen :-)






Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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