Unternehmen des Monats: Deutsche Post - Gelb ist nicht gleich gut ...

29.05.15  10:52 | Artikel: 962717 | News-Artikel (Red)

Unternehmen des Monats: Deutsche Post - Gelb ist nicht gleich gut ...Wie viele Großunternehmen gibt sich auch die Deutsche Post souverän in Ihren Leistungen und Kundenbeziehungen.

Doch schaut man ein wenig genauer hin, dann merkt man schnell, das es doch etwas im Getriebe knirscht.

Zwei Beispiele.


Standardprodukt: Einschreiben mit Rückschein

Im Vergleich zu früher lassen sich jetzt auch Einschreiben im Internet verfolgen. Doch die dort angezeigten Informationen sind sehr widersprüchlich und zudem dauert das Ganze auch noch mehrere Tage. Konkret wurde ein Einschreiben mit Rückschein am 20.5.15 in einer Filiale- Kramladen-Agentur abgeschickt.

Die Sendungsverfolgung im Netz gab bis zum Vormittag des 27.5.15 den Status "in Zustellung" aus. Danach wechselte der Status und es wurde darüber informiert, dass die Sendung am 26.5.15 ausgeliefert worden sei, was definitiv eine falsche Aussage ist, denn der nun abrufbare Auslieferungsbeleg gibt den 22.5.15 als Datum an.

Letztendlich wurde der Brief bereits am 22.5.15 zugestellt, doch die Information darüber erreicht erst sechs Tage später den Empfänger. Ebenso ist der Entsprechende Rückschein bis heute (28.5.15) immer noch nicht wieder da, dass könne laut Hotline nochmals sechs Tage dauern.

Eine Nachfrage bei der Hotline brachte etwas Licht in die Sache: Der Empfänger sei Großkunde und diese unterschreiben einen Rückschein nicht, wie der Endkunde das erwarten würde gleich sondern man räumt diesen Kunden fast eine Woche "Bearbeitungszeit" ein. Auf die Frage nach dem Warum bekamen wir den Verweis auf gesetzliche Bestimmungen.

Nun ja, es wäre mit Sicherheit einfacher, innerhalb der Sendungsverfolgung auf diese Großkunden-Situation hinzuweisen und den Kunden auch mit den richtigen Daten zu informieren.

Für diese Information wurden übrigens 12 Minuten Wartezeit bei der Hotline benötigt.


Geschäftskundenprodukt - PostCard:
so einfach geht’s - mit der flachsten Portokasse der Welt


Mit diesem Slogan wirbt die Post für eine Plastikkarte, mit der man fast überall seine Postprodukte bezahlen kann. Als Geschäftskunde entsteht beim Lesen der Produktbroschüre die Vorstellung, dass es mit Einsatz dieser Karte buchhalterisch einfacher wird. Doch dem ist nicht so.

Die gelbe Plastikkarte ist eine reine Debit-Karte, die man seinen Mitarbeitern zur Verfügung stellen kann, um Portokosten damit zu bezahlen. Die Abrechnung erfolgt dabei innerhalb von wenigen Tagen per Lastschrift vom Firmenkonto. Eine gesamte Abbuchung am Monatsende, die Kosten sparen würde, oder eine komplette, konsolidierte Übersicht der Ausgaben gibt es nicht.

Damit stellt sich die Frage, warum man überhaupt solch eine Karte nutzen sollte; dass kann eine einfache Bankkarte nämlich auch leisten - sogar besser, denn trotz PostCard bekommt der Mitarbeiter in der Filiale die üblichen Thermobelege, die Steuerberater so hassen, weil nach ein paar Wochen nahezu nichts mehr lesbar ist. Es sei denn, man bewahrt Belegordner im Kühlschrank auf.

In der Produktinformation "PostCard-Guide" ist folgende Abbildung vorhanden:



Die Darstellung suggeriert, dass der Einsatz der Karte äußerst transparent wäre. Doch das "Praxisbeispiel" ist nur eine Wunschvorstellung, denn diese Darstellung ist rein fiktiv.

Der letzte Satz auf der linken Seite ist entscheidend:
"Die Informationen ergeben sich aus den drei Kriterien".

Wäre diese Ausage nicht vorhanden, wäre das wohl wettbewerbsrechtlich bedenklich. So werden die Kunden auf eine falsche Spur gebracht, denn die Realität sieht anders aus, wie der Blick auf den Buchungsbeleg zeigt:


Buchungstext bei Verwendung der PostCard



Benutzt man statt der PostCard eine ordinäre MaestroCard der Bank, dann gestaltet sich die Zuordnung wesentlich einfacher:

Buchungstext bei Verwendung einer Maestro-Karte



Eine Rückrufbitte der PostCard-Hotline blieb unbeantwortet; die Pressestelle der Post verwies nach 5,4 Sekunden Telefonat darauf, dass Antworten am Telefon nicht möglich seien und nur schriftliche Anfragen bearbeitet werden.









Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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