Datenschutz - Geschäftsmodelle, Probleme und Merkel

15.09.15  10:35 | Artikel: 963030 | News-Artikel (Red)

Datenschutz - Geschäftsmodelle, Probleme und Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Foto: Bundesregierung/Bergmann
Früher galt die FPD als Partei der Industrie und der Unternehmer. Nachdem Fipsi und Co jetzt aber schon ein paar Tage im politischen Nirwana verschwunden sind, hat die große Koalition wohl die Ziele der FDP für sich adaptiert. Eine Politik zu gunsten der großen Geschäftsmodelle wird immer deutlischer. Jetzt verkauft Merkel nahezu unsere Intimsspäre an die Unternehmen.

Datenschutz ist ein Thema, dass in Zukunft immer stärker in der Gesellschaft ankommt. Nicht nur Snowden und die NSA haben auf das Thema aufmerksam gemacht; in Deutschland sind es Vereine wie Netzpolitik.org und ein Teil der Piratenpartei, die sich der Aufklärung verschrieben haben. Und das zu Recht, denn die Datensammelwut der Unternehmen wird immer stärker - und da nciht nur durch amerikanische Unternehmen.

Angela Merkel ist auf der einen Seite bekannt dafür, dass sie viel per SMS kommuniziert. Doch SMS allein reicht eben nicht. Nicht umsonst hat sich den Begriff #Neuland in die Diskussion eingebracht. Ein Statement, dass einfach genial ausdrückt, dass die Dame mit DDR-Vergangenheit nicht wirklich Ahnung von der Materie Internet und damit auch daten hat.

Also muss sie als Politikerin wohl das tun, was alle in Berlin tun: Sich von Lobbyisten einflüstern lassen, was sie zu sagen hat. Nur das Lügen geht ohne.

Auf einem CDU-Kongress zum digitalen Wandel in Berlin sagte Merkel, dass Wertschöpfung künftig nicht mehr hauptsächlich über die maschinelle Herstellung eines Produkts entstehe, sondern vor allem über die Nutzung von Kundendaten. Soll heißen, Gewinne werden in Zukunft über Kundendaten generiert werden.

Daten dürften daher [wegen ausländischer Konkurenz, Red.] nicht immer als erstes als eine Gefahr, sondern müssten als "Rohstoff der virtuellen Welt" gesehen werden, die "deshalb dazu gehören wie Stahl und Kohle zu der realen Welt immer dazu gehört haben".

Rohstoffe wie Kohle werden ausgebeutet - eine schöne Analogie zum Datenschutz.

Gesundheitsanwendungen beispielsweise machten nur Sinn, wenn sie ganz individuell mit Hilfe von persönlichen Angaben zugeschnitten würden, weswegen ein "vernünftiger Schutz" der Nutzerdaten nötig sei.

Kfz-Versicherungen und die Gesundheitsbranche sind schon lange scharf auf persönliche Daten, die via 24h-Überwachung generiert werden. Das Marketing wirbt dann nach außen mit billigeren Tarifen, wenn man sich regelkonform verhält. Auf Dauer dürften jedoch die Abweichler bestraft werden. Zu schnell gefahren, zu wenig gelaufen, zu viele Chips abends auf der Couch ... die neuen digitalen Helferlein melden alles brav weiter. Und irgendwann fragt sich vielleicht auch die Ich-habe-nichts-zu-verbergen-Generation, warum die Rechnung höher ausfällt oder warum sie keinen Job mehr bekommen oder keinen Kredit.

Das mag für den geneigten Leser alles etwas übertrieben sein. Doch tatsächlich werden solche Szenarien bereits in Unternehmen und Ministerien diskutiert.

Und so ist unsere Kanzlerin wohl gut von den Unternehmen und Verbänden wie dem BITKOM in Sachen Datenschutz und Geschäftsmodelle beraten worden. Wertschöpfung ist eben alles, da bleiben dann Kundenrechte schon mal auf der Strecke.

Aber sie kennt es ja nicht anders. Früher wurden ja in der DDR auch alle Telefonate abgehört, Wohnungen bespitzelt und Nachbarn denunziert und niemand hat sich wegen Datenschutz Gedanken gemacht. Warum sollte sie es als Kanzlerin anders sehen?

Zitate: Donaukurier: Merkel warnt vor zu strengem Datenschutz bei Digitalisierung via AFP




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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