Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 1)

15.09.15  09:12 | Artikel: 963032 | News-Artikel (Red)

Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 1)Dreiteiliger Gastbeitrag von Sascha Röber

Wie Deutschlands Autobauer ihre eigene Zukunft verspielen

Kürzlich kündigte Elon Musk, Gründer von PayPal und seit fast zwölf Jahren CEO von Tesla Motors, das Upgrade für den Tesla Roadster an und sagte, dieses werde in Kürze in den Verkauf gehen. Das Upgrade werde die Reichweite des Roadsters von um ca. 35% auf fast 650 km pro Akkuladung erhöhen. Hierfür seien neben einer stärkeren Batterie (70 kWh) leichte Modifizierungen der Karosserie und widerstandsärmere Reifen erforderlich.

Der Tesla Roadster war das erste Serienfahrzeug von Tesla Motors und wurde von 2008 bis 2012 gebaut. Und nun, drei Jahre nach Ende der Fertigung, gibt es ein Upgrade.

So etwas gab es noch nie. Bei keinem Autohersteller der Welt. „Sobald ein Automodell ausgelaufen ist, kümmern sich die Hersteller (...) nur noch um Garantiefälle, Reparaturen und – falls erforderlich – Rückrufaktionen. Verbesserungen oder eine Aufrüstung der Fahrzeugausstattung bleiben den Besitzern und Zubehörhändlern überlassen“ |http://owl.li/S8Opq|.

Tesla (c) teslanauten.comDer Tesla Roadster wurde in seiner Produktionszeit nur knapp 2.500 Mal gebaut. Er blieb ein Exot und war eher ein in Kleinserie gefertigter Prototyp. Das Interesse an diesem Upgrade ist also auf eine winzig kleine Gruppe von Autoeigentümern begrenzt. Und dennoch: Es ist ein Menetekel für die etablierten Autobauer und der Startschuss für eine sich ankündigende Revolution im Automobilbau.

Wer heute noch glaubt, die Elektromobilität werde eine Nischentechnologie bleiben, wird schon bald eines Besseren belehrt werden. Die Antriebstechnik für Elektrofahrzeuge ist längst ausgereift, und die Reichweite von Elektrofahrzeugen reicht schon heute teilweise an herkömmlich angetriebene Autos heran.

Warum die Elektromobilität in Deutschland, dem in aller Welt bekannten Land der Energiewende, allerdings nach wie vor ein jämmerliches Schattendasein fristet, hat handfeste Gründe.

Elektromobilität: Schattendasein im Land der Energiewende

Eine Million Elektrofahrzeuge sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen rollen, so Angela Merkels 2009 erstmals formulierter und seither gebetsmühlenartig wiederholter frommer Wunsch. Mittlerweile steht allerdings fest: Das Ziel wird weit verfehlt werden. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes belief sich der Bestand an Hybrid- und reinen Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen per 1. Januar 2015 auf lediglich 126.702 Fahrzeuge |http://owl.li/S8Qsd|, also einem guten Zehntel des für 2020 ausgerufenen Ziels. Und der Misserfolg ist hausgemacht.

Und so bleibt es wohl auch in absehbarer Zeit die alte Leier: Solange die Regierung keine massiven Anreize gewährt, wird das mit der Elektromobilität auf breiter Basis in Deutschland nichts. Es wird viel lamentiert, abgewartet, und der schwarze Peter wird von links nach rechts geschoben. Ein aktives Gestalten, ja, sogar ein bloßes Mitmischen bei der größten Revolution, die die Automobilbranche seit ihrer Entstehung gerade erlebt, sieht allerdings anders aus. Statt konsequent Kompetenzen auf dem Feld der Elektromobilität zu erlangen und sich einen Marktvorsprung zu sichern, fällt den deutschen Herstellern nur der Ruf nach neuen staatlichen Subventionen ein. Währenddessen wird weiter an kleinen Detailverbesserungen der fossil betriebenen Fahrzeugflotte getüftelt. Hier etwas Gewichtsreduktion, um den Spritverbrauch um einen Viertelliter zu senken, dort eine noch ausgefeiltere Getriebetechnik, garniert mit ein paar elektrischen Fahrassistenzsystemen.

Aber die Innovationen liegen künftig auf komplett anderen Feldern.

Lesen Sie morgen Teil 2 des Beitrags.

15.09.15: Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 1)
16.09.15: Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 2)
17.09.15: Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 3)



Autor: Sascha Röber

www.sascha-roeber.com

Sascha Röber war nach einer über 20-jährigen Karriere als Banker gut fünfeinhalb Jahre Bereichsleiter Corporate Finance beim Solar- und Windparkprojektierer juwi AG in Wörrstadt. Regelmäßig bloggt und tweetet er zu den Themen Energiewende und Elektromobilität und betreibt die Tesla-Vermitplattform teslanauten.com. Privat fährt er einen Tesla Roadster. Sascha Röber wohnt zur Zeit in Frankfurt am Main.



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