Kommentar: BITKOM macht Werbung für Cloudspeicherung

16.09.15  10:40 | Artikel: 963045 | News-Artikel (Red)

Kommentar: BITKOM macht Werbung für Cloudspeicherung
Nicht jede Cloudlödung ist zu empfehlen.
Der Branchenverband BITKOM macht derzeit Werbung für Cloudlösungen und beruft sich dabei auch auf eine Umfrage. Doch nicht alles ist Gold was glänzt. Kunden sind gut beraten sich vor Vertragsabschluss Gedanken zu machen, denn es gibt nicht nur Vorteile.

Am Anfang der BITKOM-Pressemitteilung heist es:

Dass die Handyrechnung im E-Mail-Postfach landet und der Kontoauszug im Internet abgerufen wird, ist für viele heute schon alltäglich.

Diese Aussage ist durchaus richtig, doch immer mehr Anbieter gehen dazu über, die elektronischen Dokumente nicht per Mail zu versenden. Stattdessen muss der Kunde sich erst im entsprechenden Anbieterportal anmelden und kann dann auf seine Dokumente zugreifen. Dahinter stecken zumeist datenschutzrechtliche Gründe, doch wer Dokumente von seinen Anbietern für Handy, Strom, Gas, Internet oder Versicherungen erst mühevoll herunterladen muss, der bleibt wohl eher entspannt bei der Papierrechnung. Viele Anbieter versuchen das zu unterdrücken und bürden dem Kunden Kosten für die Papierrechnung auf. In vielen Fällen ist das jedoch nicht zulässig.


Auf der anderen Seite bedeutet Cloud für Unternehmen, das Auslagern des Datenbestandes auf Systeme eines externen Anbieters. Doch hier gibt es selbst in Deutschland genügen Anbieter, die eher undurchsichtig sind. Und amerikanische Unternehmen lügen und betrügen eh auf ganzer Linie. Wer sicher gehen will, dass seine Dokumente vor fremden Zugriffen geschützt sind, der sollte eben ganz genau prüfen - eine schicke Internetseite reicht da eher nicht.

Da der BITKOM ein Lobbyverband ist, liegt es natürlich nahe, dass dieser Cloudlösungen favorisiert. Da werden Elementarschäden und Einbrüche genannt ...

Wie haben wir denn in der Vergangenheit unsere IT-Infrastruktur geschützt? Und ob Rechenzentren heute gegen Erdbeben gesichert sind oder gar wassersicht sind, darf bezweifelt werden.

In vielen Fällen sind Cloudlösungen tatsächlich ökonomisch sinnvoller, als das Betreiben eigener Systeme. Doch man sollte erstmal genauer prüfen, wo man welche Daten hinlegt und sich nicht nur von rein monetären Argumenten leiten lassen. Sonst könnte irgendwann ein Produkt im Ausland im Ladenregal stehen, dass man gerade mühsam erst entwickelt hat. Durchaus kein Einzelfall.


Andere Artikel zum Thema:

30.12.14: Deutsche Unternehmer verzichten auf Cloud-Dienste
21.05.13: Schweizer Regierung warnt vor Speicherung in der Cloud
23.05.13: Achtung, Grauzone: Journalistischer Quellenschutz bei staatlichem Zugriff auf Cloud-Speicher
20.07.12: Symantec Studie: Kleine Firmen blenden Risiko von Cloud-Diensten aus
19.12.11: Innenminister Friedrich will die Bundes-Cloud
16.09.11: T-Systems will die Deutsche Cloud einführen



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



Themenbereiche:

Technik | Sicherheit | Cloud

Schlagworte:

Dokumente (4) | elektronisch (5) | Datenmissbrauch (7) | Kontoauszug (2) | Handyrechnung (2) | Papierversion (2)