WAZ: NRW-Landesregierung plant Stahlgipfel

17.09.15  10:33 | Artikel: 963054 | News-Artikel (e)

WAZ: NRW-Landesregierung plant Stahlgipfel
Traditionell sagen die Stahlbosse in NRW
der Landesregierung wo es lang geht
Aus Sorge um die Stahlindustrie hat die NRW-Landesregierung kurzfristig ein Gipfeltreffen anberaumt. Hintergrund sind europäische Pläne zum Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten.

"Die Vorschläge der Europäischen Kommission zur künftigen Ausgestaltung des EU-Emissionsrechtehandels habe ich mit Sorgen zur Kenntnis genommen", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Donnerstagausgabe).

Der Stahlgipfel soll nach Angaben des Ministeriums bereits am kommenden Montag (21. September) in Düsseldorf stattfinden. Duin will beim Stahlgipfel Unternehmenschefs und Arbeitnehmervertreter an einen Tisch holen. Eingeladen sind unter anderem Stahlpräsident Kerkhoff, der NRW-Chef der IG Metall, Knut Giesler, Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss und Arcelor-Mittal-Deutschlandchef Frank Schulz.

Auch Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, schlägt mit Blick auf die EU-Pläne Alarm. "Die von der EU-Kommission geplante Verschärfung des EU-Emissionshandels ist für die Stahlindustrie existenzgefährdend", sagte Kerkhoff der WAZ. Die vorgesehene weitere Kürzung der Emissionsrechte ab dem Jahr 2021 und die drohenden Strompreissteigerungen führen nach Berechnungen des Verbands für die Stahlindustrie in Deutschland zu Zusatzkosten von jährlich rund einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2030.

NRW wäre von den Plänen aus Brüssel besonders stark betroffen. Duisburg ist Europas größter Stahlstandort. Bundesweit zählt die Stahlindustrie rund 87.000 Arbeitsplätze, 47.600 davon in NRW. Laut einer Studie des Essener Instituts RWI hängen sogar 3,5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom Stahl ab.

"Die erforderlichen Anstrengungen zur weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen müssen sowohl technisch als auch wirtschaftlich darstellbar sein und dürfen keinesfalls zu Verzerrungen im internationalen Wettbewerb für die betroffenen Unternehmen führen", mahnte Wirtschaftsminister Duin gegenüber der WAZ. Die Stahlindustrie sei als einer der zentralen Werkstofflieferanten am Wirtschaftsstandort NRW auch für viele weitere Unternehmen von großer Bedeutung.


Anmerkungen der Redaktion:

Im Geschäftsjahr 2013/2014 konnte der Thyssen-Krupp-Konzern erstmals seit drei Jahren wieder einen Jahresüberschuss in Höhe von 195 Millionen Euro erzielen. Der Umsatz stieg auf 41,3 Milliarden Euro (Vorjahr 38,6 Milliarden Euro), der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern konnte von 586 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt werden.
Thyssen-Krupp ist auch einer der deutschen Firmen, bei der sich die amerikanische Heuschrecke Blackrock mit 4,96% Kapitalanteil eingenistet hat.

ArcelorMittal ist ein transnationaler Stahlkonzern, der 2007 aus der niederländischen Mittal Steel Company und dem luxemburgischen Konzern Arcelor hervorging. Offizieller Unternehmenssitz ist zwar Luxemburg, tatsächlich wird ArcelorMittal jedoch von London aus geleitet.
ArcelorMittal wurde 2010 von der Wettbewerbsbehörde der EU wegen verbotener Kartellabsprachen ein Bußgeld von ca. 276 Millionen Euro auferlegt.


ThyssenKrupp Hauptquartier 2013
ThyssenKrupp Hauptquartier 2013 | Bild: Tuxyso / Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons




(Quelle: WAZ)


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