Franz Alt: Die falschen Autos auf der IAA

18.09.15  11:15 | Artikel: 963061 | News-Artikel (Red)

Franz Alt: Die falschen Autos auf der IAA
Franz Alt
Bild: sonnenseite.com
Umweltschutz ist auf der IAA weniger wichtig als Selbstfahren und Digitalisierung.

Steckdose statt Zapfsäulen! Keine röhrenden Motoren! Kein Benzingestank! Keine Klimabelastung! Elektro-Mobilität wird oft auf die Wunderwaffe Elektro-Auto verkürzt. Natürlich ist die Zukunft der Mobilität elektrisch. Denn die fossilen Energieträger gehen zu Ende und belasten Klima und Umwelt. Zudem werden sie langfristig unbezahlbar. Andererseits sind erneuerbare Energien nahezu unendlich vorhanden und fast kostenlos. Sonne und Wind schicken keine Rechnung.

Wer heute ein Elektroauto fährt, spart bereits 80% der bisherigen Benzinkosten. Wenn er den Solarstrom selbst erzeugt sogar bis zu 90%. An vielen Elektro-Tankstellen kann man sogar kostenlos tanken. Und dennoch ist E-Mobilität mehr als das E-Auto.

Der öffentliche Verkehr ist bereits weihgehend elektrisch. Diesen auszubauen ist wesentlich billiger als dass alle Menschen sich ein E-Auto kaufen. Hinzu kommt das Stau-Problem. Millionen Menschen, die häufig im Auto unterwegs sind, verbringen mehr Zeit im Stau als beim Sex. Ist das Lebensqualität?

Autofahren ist heilbar. Ich fahre etwa 50.000 Kilometer im Jahr mit der Bahn – natürlich elektrisch. Wenn ich in Hamburg, Berlin oder München Vorträge halte, staunen die Besucher oft, wenn ich ihnen erzähle, dass ich sie elektrisch erreicht habe. Die erste Frage heißt dann oft: „Reicht Ihre Auto-Batterie so weit?“

Angela Merkel hat angekündigt, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen fahren sollen. 2015 sind es gerade mal etwas über 20.000. Es gibt hierzulande keine finanziellen staatlichen Anreize für E-Autos wie etwa in Norwegen (15.000 Euros), Japan (13.000 Euros), USA (8.000 Dollar), Frankreich oder Spanien (6.000 Euros). Die meisten Autofahrer klagen über zu hohe Preise für das E-Auto und über zu kurze Reichweiten der bisherigen Batterien. Die besten Batterien werden heute in USA, China, Korea oder China hergestellt trotz erfahrener Batterie-Hersteller hierzulande wie Bosch oder Siemens. Die Batterie-Hersteller der Zukunft heißen Tesla, Nissan, Mitsubishi und General Motors.

Die Zukunft der Autobranche entscheidet nicht das selbst fahrende Auto, sondern das intelligente E-Auto. Und die Zukunft der intelligenten Mobilität insgesamt entscheidet der rasche Ausbau des Öffentlichen Verkehrs.

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(Autor: Franz Alt)


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