Kommentar: Sind die Autohersteller doch alle nur Betrüger?

21.09.15  11:07 | Artikel: 963070 | News-Artikel (Red)

Kommentar: Sind die Autohersteller doch alle nur Betrüger?
Deutsche Umwelthilfe hat nachgewiesen, dass nahezu
alle Autohersteller ihre Kunden im großen Stil betrügen.
Die Deutsche Umwelthilfe hatte am Freitag schon in einer Pressemitteilung veröffentlicht, dass kalifornische Umweltbehörde die Audi AG und die Volkswagen AG der rechtswidrigen Manipulation der Abgasreinigung von 482.000 Diesel-PKW in den USA überführt hat. Jetzt stellt sich die Frage, ob auch in Deutschland die Kunden zu Tausenden betrogen worden sind.

Gerade letzte Woche haben wir einen Beitrag zur Sinnhaftigkeit von neuen Softwarelösungen veröffentlicht und auch angesprochen, dass hier von den Ingenieuren teilweise recht schlampig gearbeitet wird. Kundenfreundlichkeit und Qualität steht bei den Premium-Marken nur in den Marketing-Prospekten an erster Stelle.

Schaut man in entsprechende Foren wie z.B. Motor-Talk in die verschiedenen Diskussions-Bäume des eigenen Fahrzeug-Typs, so wird schnell klar, dass bei gleichem Alter oder Laufleistung bei vielen Besitzern die gleichen Fehler auftauchen. Diese reichen von defekten Steuergeräten bis hin zum kompletten Getriebeausfall. Da scheint also System dahinter zu stecken, ähnlich wie es bei Computer-Herstellern gemacht wird; da verreckt das Notebook schon mal ganz gerne zwei Tage nach Garantieablauf. Die Automobilhersteller scheinen ihren Umsatz auf ähnliche Weise zu steigern, weil vermutlich die Erlöse aus Ersatzteilverkäufen die Aktionäre versöhnlicher stimmen.

Mit dem Betrugsnachweis der kalifornischen Umweltbehörde haben es die Software-Experten wohl immerhin geschafft, mal eine Software zu entwickeln, die richtig funktioniert. Doch da ist der Schuss nach hinten losgegangen.

Leider wird in der Sache in Deutschland wohl nichts passieren, denn hier gelten die Hersteller - und die damit verbundenen Arbeitsplätze - als heilig; und unsere Kanzlerin (oder auch Ex-Kanlzer) hält ja traditionell der Industrie die Stange.

Doch sollte sich der Betrug auch in Deutschland nachweisen lassen, dann gilt es durchaus die Rechtslage der betrogenen Kunden zu prüfen. Mitunter wären Zehn-Tausende Kaufverträge nichtig, da diese unter anderen Voraussetzungen geschlossen wurden.

Seit Jahren schon müssen die Hersteller Verbrauchsangaben bei Neufahrzeugen machen. Auch hier hat sich herausgestellt, dass diese Angaben nicht nur geschönt sondern eigentlich schlicht gelogen sind. Erst vor kurzem berichtete der ADAC von einem Gerichtsfall, bei dem ein Kunde das Recht auf Wandlung hatte, das der tatsächliche Kraftstoffverbrauch zu hoch war.

Da nahezu die ganze Palette der Hersteller - VW, Audi, BMW, Mercedes, Ford und Opel - bei der Schadstoffmanipulation beteiligt ist, kann man zudem davon ausgehen, das der Massenbetrug durch Absprache zustande gekommen ist. Da sollte sich auch mal das Kartellamt mit beschäftigen.

Der Leid tragende ist jedoch leider wieder mal der Verbraucher.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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