IHK-Datenschutz-Veranstaltung: guter Inhalt aber dürftige Verpackung

01.10.15  10:00 | Artikel: 963114 | News-Artikel (Red)

IHK-Datenschutz-Veranstaltung: guter Inhalt aber dürftige Verpackung«Datenschutzverordnung und Pseudonymisierung» lautete der Arbeitstitel einer Veranstaltung der IHK Reutlingen, die gestern stattfand.

Inhaltlich wurde versucht, eine Menge Informationen zu vermitteln. Doch Druckbetankung trifft als Beschreibung eher zu. Dabei waren die Referenten durchaus fachlich auf der Höhe. Ein Kommentar.


Veranstaltungen der IHK sind in der Regel ja dafür bekannt, dass entweder Anwälte, international tätige Experten oder ortsansässige Firmen als Referenten auftreten. Und Anwälte sind bekannt dafür, dass sie mir Hilfsmitteln wie Power-Point eher auf Kriegsfuß stehen. So war es denn auch gestern Abend: Rechtsanwalt Michael Stefan demonstrierte, wie man fast ein ganzes Gesetzbuch auf ein paar Folien zwängen und im Schnelldurchlauf sichten kann.

Dabei war das Thema Safe Harbor durchaus absolut aktuell, weil gerade die frage ansteht, ob diese Vereinbarung zur Datenspeicherung noch Bestand hat oder nicht. Doch man musste schon mit einer gehörigen Portion Vorbildung in diesen Vortrag kommen, denn weder wurde der Begriff Safe Harbor kurz erläutert, noch Zweck und Ziel des Vortrages genannt. Im Gegenzug gab es dann volle Folien mit Spezialwissen, wobei sich viele der anwesenden Zuhörer gefragt haben, auf was denn der Vertrag abzielt. Zusammenfassend: eine rhetorisch-präsentatorische Vollentgleisung.

Im zweiten Vortrag ging es dann um das aktuell auf EU-Ebene diskutierte neue Datenschutzregelungen, die Peter Schaar ja bereits vor ein paar Wochen kommentiert hatte. Aber auch hier nur ein monotoner Vergleich der verschiedenen Regelungen auf Paragraphen-Ebene. Lebhaftigkeit und Jurisprudenz schließen sich wohl aus.

Interessant allerdings und "erfrischend" anders war jedoch die Tatsache, dass Herr Stefan ein Befürworter der Aufweichung des Datenschutzes ist und im deutschen Datenschutzrecht eher eine Belastung sieht. Ganz im Sinne des Lobbyverbandes BITKOM favorisiert er die neuen Möglichkeiten, die Unternehmen aus den neuen Regelungen ziehen können. Kaum eine Bemerkung aus Sicht der betroffenen Kunden. Datenschützer in der gesamten Republik laufen Sturm gegen die geplanten Regelungen.

Den zweiten Teil trug dann Rigo Wenning vom W3C vor. Zuerst ging er auf die Schandtaten von NSA und Co ein und beeindruckte mit einem wahren Feuerwerk an Abkürzungen die Zuhörerschaft. Rasch wurde klar, dass die Überwachung mittlerweile permanent präsent in unser aller Leben eingreift. Lediglich mit vermehrtem Einsatz von Verschlüsselung und mehr Aufklärung in der Bevölkerung sei dieser Überwachung zu begegnen. Das Thema war durchaus interessant, doch hätte man diesen Folienfilm auch in zwei Textseiten zum Nachlesen ebenso gut an die Zuhörer bringen können.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden dann direkt an Herrn Wenning gestellte Fragen kaum beantwortet, dafür jedoch Apple-Produkte hoch gelobt.

Die Häppchen nach der Veranstaltung waren das Beste an diesem Abend.





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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