Was ist Zählerstandsgangmessung?

23.10.15  15:00 | Artikel: 963183 | News-Artikel (Red)

Was ist Zählerstandsgangmessung?In ihrer Begründung zum Hybridstrommarkt gibt der Petitionsausschuss des Bundestages an, dass man die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen bereits mit der sogenannten Zählerstandsgangmessung geschaffen habe. Die verbreitete Definition dieses Zungenbrechers lautet wie folgt:

Zählerstandsgangmessung: die Messung einer Reihe viertelstündig ermittelter Zählerstände von elektrischer Arbeit und stündlich ermittelter Zählerstände von Gasmengen.
(Quelle: Referentenentwurf Gesetze zur Digitalisierung der Energiewende)


Etwas Neues, was abstrakt und unverständlich und daher unbekannt ist. Der Alternativlosigkeit des bestehenden Systems ist es geschuldet, dass weder Prosumer noch Konsumer mit dem Begriff etwas anfangen können. Seit zwei Jahren gibt es eine gesetzliche Verpflichtung der Verteilnetzbetreiber den Stromkunden ein Angebot auf Basis von Zählerstandsgängen machen zu können – in der Praxis hat dies jedoch niemand genutzt.

StromNZV § 12 Standardisierte Lastprofile; Zählerstandsgangmessung
(1) Die Betreiber von Elektrizitätsverteilernetzen haben im Niederspannungsnetz für die Abwicklung der Stromlieferung an Letztverbraucher mit einer jährlichen Entnahme von bis zu 100 000 Kilowattstunden vereinfachte Methoden (standardisierte Lastprofile), Zählerstandsgangmessung anzuwenden, die eine registrierende Lastgangmessung nicht erfordern. Die Betreiber von Elektrizitätsverteilernetzen können in begründeten Fällen Lastprofile auch für Verbrauchsgruppen mit einer jährlichen Entnahme festlegen, die über den in Satz 1 genannten Wert hinausgeht.
(Gesetze im Netz)

Wie der Name bereits andeutet, geht es bei ZSG um eine Art, wie der Stromzähler abgelesen wird. Beim Standardlastprofil benötigt man jedes Jahr einen Wert. Manchmal per Ableser, manchmal per Postkarte wünscht der Messstellenbetreiber (meist der Verteilnetzbetreiber) den Zählerstand an. Eine Postkarte kostet 0,45€ in Deutschland. Beim ZSG werden deutlich mehr Ablesungen benötigt – 96 pro Tag, bei 365 Tage = 15.768€, weshalb der Petitionsausschuss auch auf die Begründung kam, dass die Transaktionskosten deutlich zu hoch sind, um für den Stromkunden interessant zu sein. ZSG ist gesetzlich möglich, aber rechnet sich nicht.

ZSG Angebote

Als Stromkunde wird man nur wenig informiert und bis auf einen Beitrag von der EnBW scheint man das Thema auch lieber zu verheimlichen. Die Gefahr besteht, dass sich für die bestehenden Smart-Meter Kunden und deren Stromlieferanten ein rentables Geschäftsmodell abbilden lässt, welches den Markt in Aufruhr versetzen könnte. Auf eine Presseanfrage antwortet Verivox auf die Frage nach einem ZSG-Tarif:

Aktuell sind keine überregionalen lastvariablen Tarife am Markt verfügbar, demensprechend auch nicht über unser Portal. Jedoch behalten wir die Entwicklung im Auge und werden zukünftig diese Tarife auch abbilden sofern die Voraussetzungen seitens der Energieversorgungsunternehmen und eine ausreichende Menge von Smart Metern als intelligente Messsyteme gegeben ist.

Ein anderes Verbraucherportal antwortet:

“In der Branche scheint es da noch nicht viel Bewegung zu geben. Wir finden keine Tarife dafür.”




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Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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