Die närrische Zeit hat begonnen - BDEW als Klimaretter

13.11.15  14:20 | Artikel: 963244 | News-Artikel (Red)

Die närrische Zeit hat begonnen - BDEW als Klimaretter
Hildegard Müller, Vorsitzende der
Hauptgeschäftsführung des BDEW
Helau!

Am 11.11. beginnt die närrische Zeit, der Sonnenflüsterer geht lieber auf den Narrengipfel statt auf den Energiegipfel und auch im fernen Berlin kommt es zur Büdden’red der Wilden Hilde. Der Titel heute:Klimaschutz braucht klare Finanzierungszusagen“, klingt erst einmal wie ein weiterer Bettelaufruf des Zwergenverbandes BDEW, kann aber zynischer kaum sein. Frau Müller bekommt damit bereits zum Beginn der 5. Jahreszeit den Orden des Güldenen Energieblitzes verliehen.

Leider dachte zumindest ich beim ersten Lesen der Überschrift, es geht um Deutschland. Das als Klimareserve titulierte Hartz IV für Kraftwerke (eine Wortschöpfung die stark an das “Ministry of Love” in 1984 erinnert) wird zum Glück im Beitrag des BDEW nicht kommentiert.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (kurz BDEW) ist ein Zwergenverband, welcher nicht einmal 1% der Unternehmen vertritt, die in Deutschland Strom erzeugen. Selbst wenn man die Wasserwirtschaft dazu zählt, kommt der Verband nur auf sehr geringe Reichweite, was die Mitgliederanzahl angeht. Dennoch spricht man gerne für die gesamte Branche, als ob es niemanden anderen gebe. Die bereits genannte Klimareserve würde zwar federführend von einigen namhaften Mitgliedern vom Kostenfaktor zur Gelddruckmaschine umfunktioniert, jedoch auch dank der Intervention des BDEW.

Jetzt springt man hinsichtlich der Sorge für das weltweite Klima auf den Hype der Klimakonferenz in Paris auf. Nicht für Deutschland, sondern die gesamte Welt sollt gerettet werden.

“Die Haltung der EU-Finanzminister ist aus unserer Sicht unverständlich. Ohne finanzielle Hilfen wird es gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer schwierig, eigene Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Klimaschutz kann jedoch nur global funktionieren. Die Europäische Union sollte auch mit Blick auf den Klimagipfel in Paris mit gutem Beispiel vorangehen und verbindliche Zusagen zur Finanzierung des Klimafonds machen, der bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern angehoben werden soll….”

Ja schön…. aber, die sogenannten Erneuerbaren boomen zur Zeit in Entwicklungs- und Schwellenländer, denn dort hat man einen kausalen Zusammenhang verstanden: Sonne und Wind schicken keine Rechnung. In den Fachmedien wird gerne über Projekte berichtet, bei denen irgendwo im Nirgendwo ein Ort jetzt dank Solarzellen für einige Stunden Strom am Tag hat. Inselnetze den Strom für ein Handynetz sorgen und und und…

Das hat alles recht wenig mit dem Klima zu tun. Die verlässliche Finanzierung schon. Im Gegensatz zur verkorksten Infrastruktur in Deutschland, wird in vielen Entwicklungsländern eine Infrastruktur auf der Wiese neu geplant. Man muss wenig auf Befindlichkeiten bestehender Großunternehmen achten, als dies in Deutschland der Fall ist. Moderatoren, wie den BDEW, gibt es in Schwellenländer nur wenige.

Was es allerdings durchaus gibt ist der Homo Oeconomicus, der in seinem Habitat wirtschaftlich denkend ist. Laufende Kosten sind ein NoGo, besonders wenn diese mit irgend einer harten Währung bezahlt werden müssen. Fossile Brennstoffe sind extrem teuer, wenn man diese auf dem Weltmarkt einkaufen will. Schnell wird ein Kohlekraftwerk oder eine Gasturbine morgen abgeschaltet, weil man lieber etwas Geld für Soja oder Reis ausgibt. Energieversorgung aus fossilen Kraftwerken ist desto instabiler, desto geringer das Einkommen pro Kopf ist. Wo allerdings keine fossilen Brennstoffe verwendet werden müssen, da gibt es auch keine Treibhausgasemissionen.

“Die Energie- und Wasserwirtschaft hat sich frühzeitig zu ihrer Verantwortung bei der wirksamen Reduzierung von Treibhausgasemissionen bekannt. Wir halten weiter an unserem bereits im Jahr 2009 mit der europäischen Energiewirtschaft beschlossenen Ziel fest, bis zum Jahr 2050 eine CO2-neutrale Energieversorgung in Europa zu gewährleisten, und damit nachhaltigen Klimaschutz und eine sichere und bezahlbare Energieversorgung in Einklang zu bringen.”

Bis dahin zeigen uns die Entwicklungs- und Schwellenländer, wie man zumindest die Stromversorgung kurzfristig dekarbonisiert.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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