Fell: Bewertung des Klimaschutzabkommens von Paris

15.12.15  09:15 | Artikel: 963346 | News-Artikel (Red)

Fell: Bewertung des Klimaschutzabkommens von Paris
Hans-Josef Fell,
Bündnis90/Die Grünen
3Ohne Zweifel, es ist ein historischer Durchbruch. Der bedeutendste Wert des Abkommens ist, dass globale Staatengemeinschaft nun offiziell anerkennt, dass die Erderwärmung ein riesiges Problem ist und dass sich 196 Staaten dazu bekennen, das Klima schützen zu wollen. Das war bis letzte Woche bei weitem nicht so.

Entscheidend für den Durchbruch war, dass es gelungen ist, die Erneuerbaren Energien zu einer gewinnbringenden Wirtschaftsbranche zu machen. Dies hat die Führenden der Welt dazu bewegt, Klimaschutz zu akzeptieren. Die alte Formel, dass Klimaschutz eine ökonomische Belastung ist, hat endlich ausgedient und gilt nicht einmal mehr in der Energiewirtschaft. Selbst hartgesottene Klimasünder wie RWE, E.ON und große Teile der Energiewirtschaft in den USA oder China haben erkannt, dass Klimaschutz mit Windrädern oder Solarstrom keine Belastung für ihre Unternehmen mehr ist, sondern das neue Geschäftsmodell zum Überleben der Konzerne.

Die Kostensenkung der Erneuerbaren Energien im letzten Jahrzehnt hat die Basis geschaffen, dass dieses Weltklimaschutzabkommen möglich wurde. Im tieferen Kern hat das deutsche EEG erst den Weg bereitet für das Pariser Klimaschutzabkommen. Denn das EEG gab den wesentlichen Anstoß für die globale industrielle Massenfertigung der Erneuerbaren Energien, womit die Kostensenkung erst ermöglicht wurde.

Der Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft wird nicht erst in 85 Jahren kommen, wie Frau Merkel bei der G7 verankerte, sondern vielleicht schon in etwa 20 Jahren zu einem größeren Teil bewältigt sein, so wie es sich aktuell anhand der weltweiten Signale abzeichnet.

Das Pariser Klimaschutzabkommen wird 2020, wenn es in Kraft treten wird, eher belächelt werden über seine Visionslosigkeit. Mit der bis dahin eingetretenen Dynamik des Ausstieges aus der fossilen Wirtschaft und der Umstellung auf 100% Erneuerbaren Energien werden wir schon viel weiter sein.

Aber ein weiteres muss auch klar werden: Die sich jetzt abzeichnende schnelle Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien ist nur eine entscheidende Säule eines wirklich wirksamen Klimaschutzes und reicht nicht aus, die Erde vom Hitzefieber zu befreien. Die Reinigung der Atmosphäre von überschüssigem Kohlenstoff ist ebenso sofort notwendig und nicht erst ab Mitte des Jahrhunderts, wie in Paris beschlossen. Denn nur mit beiden Säulen – Nullemission und Kohlenstoffsenken – lässt sich die Erde wieder abkühlen.

Deshalb braucht es jetzt eine ähnliche weltweite Aktivität für die Begrünung degradierter Flächen wie für 100% Erneuerbare Energien. Denn dann lassen sich große Kohlenstoffmengen der Atmosphäre entziehen.

Die Menschheit braucht also zur Bekämpfung von Fluchtursachen, von Armut und von Kriegen beides: Alle Menschen müssen Zugang zu billigen, sauberen Erneuerbaren Energien bekommen und gleichzeitig den Zugang zu fruchtbaren Böden, die mit der Begrünung degradierter Flächen neu geschaffen werden können. Nur dann kann das Hitzefieber der Erde wieder abgekühlt werden. Und das ist zwingend erforderlich, weil eine weitere Aufheizung um 1,5° C die Menschheit nur in weitere schlimmere Katastrophen führen wird.
















Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



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Klimapolitik | international

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