IMHO: Verschlüsselung - der natürliche Feind unserer Überwacher

05.01.16  11:30 | Artikel: 970003 | News-Artikel (Red)

IMHO: Verschlüsselung - der natürliche Feind unserer Überwacher
Im Schlafzimmer ist die Überwachung einfach, doch
durch Verschlüsselung wird es für Schnüffler immer
schwerer, an unsere Geheimnisse zu gelangen.
Verschlüsselung von Mail-Kommunikation wird auch im privaten Umfeld immer gefragter. Doch den Geheimdiensten und Behörden ist die Kontrolle immer noch zu wenig; Kontostandsabfragen, Standortdaten von Mobilfunkgeräten und verwanzte Wohnungen reichen schon lange nicht mehr.

Stellen Sie sich beispielsweise mal vor, Sie haben aus Ihrem letzten Asien-Urlaub eine Infektion mitgebracht, die Ihre Weichteile betrifft und Sie wollen Ihre Sorgen mit einem Freund besprechen.

Oder Sie hegen den Verdacht, dass mit Ihrem katholischen Pfarrer was nicht stimmt und wollen auch das mit Freunden diskutieren.

Oder Sie sind der Meinung, dass unser Bundespräsident eine unqualifizierte Person mit Stasi-Vergangenheit ist ...

Auch deshalb wollen nahezu alle westlichen Staaten die Kryptografie untergraben und fordern Hintertüren, damit auch Kommunikationsinhalte mitgelesen werden können. Damit soll die Verfolgung von Terrorismus und schweren Straftaten ermöglicht werden. An sich ja keine schlechte Sache, denn das ist ja eine der Kernaufgaben solcher Behörden.

Vom Täter zum Opfer - oder umgekehrt

Doch ganz so einfach - wie die Überwacher - sollte man es nicht sehen, denn die Probleme könnten sich verschärfen.

Zum einen wird damit die o.g. Unschuldsvermutung umgekehrt. Bürger, die verschlüsselt kommunizieren, haben dann gegenüber dem Staat nachzuweisen, dass man nichts zu verbergen hat. Das hatten wir aber durchaus schon ein paar Mal in unserer deutschen Vergangenheit.

Hinzu kommt die Frage, wer denn die Überwacher kontrolliert. Im letzten Jahr wurde deutlich, dass eine parlamentarische Kontrolle der Geheimdienste nicht funktioniert. Im Zweifelsfall erklären Behördenmitarbeiter einfach, dass es den Ausschuss nichts anginge, was intern gemacht wird. Fehlt diese Kontrolle, so entwickeln Behörden ein Eigenleben und bereits heute muss man an den Intentionen dieser zweifeln.

Hellhörig muss man dann werden, wenn man weitere Nebensätze in diversen Schriftstücken liest. Da geht es beispielsweise um die «schnelle Beseitigung unliebsamer Internetinhalte». Und da offenbart sich das Problem: Hätte man «Hasskommentare» oder «Volksverhetzung» geschrieben, dann wäre die Marschrichtung eindeutig. Doch unliebsame Inhalte können auch Kritik am Staat, der Regierung oder persönliche Meinungen sein; andere Staaten - wie z.B. Indien oder auch die Türkei - zeigen bereits, wie das funktioniert.

Die Richtung, in die sich die Überwachung bewegt, gibt durchaus Grund zur Besorgnis. Und leider ist der durchschnittliche Facebook-User zu blöd, sich über solche Sachen Gedanken zu machen.



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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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