Peter Schaar: Wearables und Gesundheits-Apps: Gesünder ohne Datenschutz?

26.01.16  09:00 | Artikel: 970020 | News-Artikel (Red)

Peter Schaar: Wearables und Gesundheits-Apps: Gesünder ohne Datenschutz?Den folgenden Beitrag habe ich anlässlich der Veranstaltung des BMJV und des BITKOM e.V. zum Safer Internet Day am 9. Februar 2016 verfasst, die sich unter dem Titel «Am Puls der Zeit? Wearables und Gesundheits-Apps» mit Datenschutzfragen beschäftigt, die durch digitale Fitnessmesser aufgeworfen werden.

Die digitale GSmartphoneesundheitswelle, die aus dem Silicon Valley auch nach Europa schwappt, unterspült manchen Deich, den die EU zum Schutz der Privatsphäre ihrer Bürgerinnen und Bürger um den europäischen Binnenmarkt errichtet hat. Und sie konfrontiert uns einmal mehr mit der Frage, ob derartige Schutzanlagen angesichts umfassender Digitalisierung noch zeitgemäß sind.

Besonders hip sind Fitness-Armbänder und andere Gadgets, die Schritte zählen, zurückgelegte Wege messen, Puls und Schlafgewohnheiten aufzeichnen. Die Datenauswertung übernehmen sog. Gesundheitsapps, die auf dem Smartphone oder Tablet-Computer installiert werden.

Nun kann man darüber streiten, ob diese Systeme der Gesundheit wirklich dienen und ob die individuelle digitale „Selbstoptimierung“ tatsächlich so viel bringt, wie es die Anbieter versprechen. Auch ich habe da meine Zweifel – schließlich habe ich hier einen Selbstversuch unternommen und einige Monate lang ein Fitnessarmband ausprobiert, leider ohne erkennbaren Erfolg. Aber wahrscheinlich mangelt es mir einfach an Selbstdisziplin.

Was geschieht mit den Fitness-Daten?

Schon heute sind für den Umgang mit persönlichen Daten gesetzliche Vorgaben zu beachten, insbesondere das Bundesdatenschutzgesetz. Manche Gesundheits-App-Anbieter meinen, nicht an diese Vorgaben gebunden zu sein, weil sie ihre Dienste aus dem Ausland oder aus Übersee anbieten. Das neue EU-weite Datenschutzrecht stellt sicher, dass zukünftig überall im Europäischen Wirtschaftsraum dieselben Datenschutzregeln gelten. Höchstpersönliche Gesundheitsdaten dürfen nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Betroffenen erhoben und nur zu genau festgelegten Zwecken verwendet werden. Diese Regeln gelten für alle Unternehmen, die in Europa ihre Dienste anbieten, egal wo die Datenverarbeitung stattfindet. Wer sich nicht daran hält, muss empfindliche Bußgelder – bis zu 4% des Weltjahresumsatzes – fürchten.

Gerade bei Gesundheitsdaten ist Datenschutz ein Wettbewerbsvorteil

Gesundheitsdaten zählen zu den sensibelsten Informationen überhaupt. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg wird In diesem Bereich nur jenen digitalen Geschäftsmodellen beschieden sein, die dies berücksichtigen. Deutsche und europäische Anbieter von Fitness-Apps haben die Chance, durch vorbildlichen Umgang mit den ihnen anvertrauten Daten einen Vertrauensvorsprung zu gewinnen. Gerade hier besteht die Chance, dass guter Datenschutz zu einem Wettbewerbsvorteil wird.

Unabhängig davon sei aber jedem Nutzer geraten, Fitness-Apps umsichtig zu verwenden. Ansonsten läuft man Gefahr, sich später über den laxen Umgang mit sensiblen Daten krank zu ärgern.



Dieser Beitrag steht im Original unter www.eaid-berlin.de





Autor: Peter Schaar

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Peter Schaar ist Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz e.V. (EAID) und ehemaliger Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.
Wir veröffentlichen mit Genehmigung einige der von Herrn Schaar veröffentlichten Blogartikel, um die Reichweite für diese wichtigen Themen zu erhöhen.



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