Kommentar: Programmierkenntnisse in Deutschland

20.10.17  08:45 | Artikel: 980028 | News-Artikel (Red)

Kommentar: Programmierkenntnisse in DeutschlandErst gestern veröffentlichte der Digitalverband Bitkom eine Studie über die Programmierkenntnisse von Jugendlichen. «Gerade einmal jeder zehnte Jugendliche (11 Prozent) kann eigene Programme schreiben oder Webseiten erstellen lautet die Kernaussage dort.» Doch das ist nur die Spitze des Eisberges.

Die PISA-Studie führt uns jedes Jahr vor Augen, wie dumm wir Deutschen im internationalen Vergleich doch sind. Ausweislich unser Nachwuchs. Wenn der durchschnittliche Hauptschulabsolvent gerade mal fünf Bundesländer aufzählen kann - Mallorca mitgerechnet -, dann wundert es kaum, das es in Sachen Digitalkompetenz besser aussieht.

Immerhin schafft es unser Nachwuchs die Timeline von Facebook zu füllen, per WhatsApp zu kommunizieren und stundenlang sinnfreie Videos auf YouTube zu konsumieren. Medienkompetenz nennen das die Fachleute.

Das klingt jetzt ziemlich düster. Aber es gibt natürlich auch eine erfolgreiche Berufsgruppe von Programmierern, denen es weder an Kreativität noch an Wissen mangelt. Doch zunehmend geraten Softwareunternehmen unter Leistungsdruck: Weniger Zeit zum Entwickeln oder gar zum Testen kombiniert mit wenig Personal ergibt kaum fehlerfreie Software.

Was liegt dann näher, als dem Angebot nachzugehen, das aus Indien, China oder sonst von weit weg per Mail ins Haus kam und nur einen Bruchteil der Personalkosten verursacht, wie in heimischen Gefilden? Viele Unternehmen haben die Entwicklung von Software bereits ausgelagert und nur noch die Preise sind echt deutsch. Sprich Gewinnmaximierung.

Grundsätzlich spräche ja nichts dagegen, aber hier geht KnowHow ins Ausland bzw. kommt kaum mehr zurück. In den letzten Monaten fällt mir sehr oft auf, dass deutsche Entwickler im Gespräch kaum so richtig Ahnung von ihren eigenen Produkten haben. Da gibt es dann für die "Billigprogrammierung" gerade mal eine rudimentäre Schulung, aber tiefgreifende Kenntnisse sind da nicht mehr zu erwarten.

Die Praxis ist mittlerweile gängig. Doch wer will fremde Quelltexte aus Asien vollständig überprüfen? Malware, Hintertüren oder schlechter Programmcode ist so einfach nicht zu erkennen. Da bekommt man schon Angst, wenn man weiß, dass Versicherungskonzerne, Banken oder große Logistiker gerne so ein paar Euros sparen.

Insofern kann man die Initiative des BITKOM nur unterstützen. Aber für digitale Bildung ist in Deutschland ja viel zu wenig Geld vorhanden. Woher soll die Einsicht auch kommen? Für den Durchschnittspolitiker ist eine eMaul ja immer ein gedrucktes DIN A4-Blatt.





20.10.17: Nur jeder zehnte Jugendliche kann programmieren



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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